Kaiserslautern Faszinierende Spinner

Vorratshaltung auf Spinnenart: Was im Netz hängenbleibt, aber nicht gleich verspeist wird, packt die Spinne in feinste Fäden ein
Vorratshaltung auf Spinnenart: Was im Netz hängenbleibt, aber nicht gleich verspeist wird, packt die Spinne in feinste Fäden ein und hebt es sich für später auf.

Auf der Internetseite der Spinnenkundler (Arachnologische Gesellschaft) gibt es einen „Atlas der Spinnentiere Europas“. Die Kartenauswertung bestätigt die Vorliebe der Wespenspinne für den Lebensraum Trocken- und Halbtrockenrasen, gefolgt von Feucht- und Nasswiesen. Dabei wurden fast immer nur Weibchen gefunden. Das ist ihrer auffälligen, namensgebenden Zeichnung geschuldet: Die Wespenspinne (Argiope bruennichi) hat einen gelb-weiß gestreiften Hinterleib und eine wespenähnliche schwarze Querbänderung. Die Zeichnung der Männer ist undeutlicher und die weiblichen Tiere sind etwa vier Mal so groß. Die Verbreitungskarte für Deutschland macht deutlich, dass insbesondere in den 1980er und 90er Jahren eine auffällige Ausbreitung stattgefunden hat. In Kaiserslautern habe ich sie vor Jahren sowohl in trockenen lückigen Ginsterbestände im Uni-Campus gefunden, als auch aktuell in Staudenfluren an Gewässergräben im Aschbachtal. Wichtig scheint dabei immer eine gute Heuschreckenpopulation zu sein, denn Heuschrecken sind die Leibspeise der Wespenspinne. Aber bei passender „Flughöhe“ werden auch andere blütenbesuchende Insekten nicht verschmäht, die an den Klebefäden des Netzes hängenbleiben. Nicht alle Beutetiere werden sofort verspeist. Einige werden unmittelbar nach dem Netzfang in feinste Seide eingewoben, durch einen Giftbiss völlig bewegungsunfähig gemacht und erst einmal der „Hängematte“ überlassen: Vorratshaltung auf Spinnenart. Neben der auffälligen Köperzeichnung der Tiere hat auch das Netz eine Besonderheit: Ein sehr kräftiges, zickzackförmiges Gespinstband durchzieht es. Dessen wahre Bedeutung ist noch ungeklärt obwohl Forscher bisher annahmen, dass es der Stabilisierung dienen solle. Da aber zu viele Anordnungsvarianten ohne erkennbares System gefunden wurden, erscheint dies doch unwahrscheinlich. Eine andere Vermutung ist, dass sich durch reflektierendes UV-Licht insbesondere blütenbesuchende Insekten angezogen fühlen könnten. Überhaupt ist das Faszinosum der Spinnen ihr unübertroffenes technisches Produkt, die Spinnseide. Die Fähigkeit, Spinnseide zu produzieren, ist mehrfach im Tierreich unabhängig voneinander entwickelt worden. Aber die Besonderheit der Spinnen: Sie spinnen oder besser weben während ihres gesamten Lebenszyklus’ und die meisten können gleichzeitig mehrere Seidenarten produzieren. Die Spinnseide wird dabei in speziellen Drüsen im Hinterleib gebildet und von diesen besitzen Spinnen mehrere für unterschiedliche Aufgaben. Aber wozu brauchen sie eigentlich verschiedene Fadentypen? Da wäre zunächst die Seide für Abseil- und Sicherheitsfäden beziehungsweise für die äußeren Rahmenfäden beim Netzbau. Dann gibt es den Faden für die Hilfsspirale im Radnetz und die Tragfäden für die Fangspirale. Speziell sind die zusammengesetzten Fadenknäuel als Klebtropfen auf dem Netz. Übrigens gehören zu den soge-nannten „Klebefadenweberinnen“ alle Radnetzspinnen. Wichtig sind aber auch die Sicherheitsfäden, die das Netz in der Vegetation fest verankern. Und zum guten Schluss noch zwei Seidentypen für die innere und äußere Eikokonhülle. Die Kokons sind bräunliche runde bis ovale Kunstobjekte, die jetzt ab August zu finden sind. Dort hinein werden die Eier abgelegt. Diese Hülle ist so genial, dass die geschlüpften Jungspinnen darin sogar die Winterkälte überstehen. Die Spinnfäden sind genau genommen nur Eiweißketten. In den Spinndrüsen wird der wässrigen Lösung das Wasser entzogen, sodass sich die wasserabweisenden Abschnitte der Eiweißmoleküle zusammenlagern. Diese biologischen Ketten sind mechanisch unerreicht bezüglich Festigkeit, Elastizität und Zähigkeit bei gleichzeitiger Leichtigkeit. Letzteres werden wir beim kommenden Altweibersommer erleben, wenn die Fäden samt Jungspinnen massenhaft durch die Lüfte fliegen.

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