Kaiserslautern Es war einmal und ist noch immer
Eine Legende der 80er ist mal wieder auf Tour: Fischer-Z beehrten am Dienstagabend das Kammgarn-Kasino. Doch die rund 300 Fans erlebten nicht wie so oft eine eher abgehalfterte Show von Ex-Stars, die noch einmal die Kasse klingen lassen wollen. Sondern ein engagiertes Konzert, in dem sich Bandgründer John Watts als überaus kreativer Kopf darstellte.
Es war einmal Anfang der 80er Jahre eine britische Rockgruppe, die bliesen mit ihren Hits wie „Marliese“ und „Berlin“ die Gehörgänge ihrer Fans durch. Treibende Beats, triumphale Refrains, intoniert von der näselnden Kopfstimme John Watts’, und eine gehörige Menge Power machten Fischer-Z zum Feger auf jeder Party. Sie brachten die Jugend auch auf der drögsten Veranstaltung und weit nach Mitternacht, als eigentlich schon Pink-Floyd- oder Barclay-James-Harvest fürs Kollektivdelirium sorgten, wieder voran. Soweit das Rockmärchen der vier Briten John Watts (Gesang, E-Gitarre), David Graham (E-Bass), Steve Skolnik (Keyboard) und Steve Liddle (Schlagzeug). Und es gibt sie immer noch, respektive nach Unterbrechungen wieder: 2017 feierten Watts & Co. – darunter freilich kein anderes Gründungsmitglied mehr – das 40. Jubiläum der ersten Show und brachten mit „Building Bridges“ ihr 20. Studioalbum heraus. Jede Menge Songmaterial ist also vorhanden, und auch bei ihrem Lauterer Auftritt schöpften Watts & Co. aus dem Vollen. Dabei streute der gewiefte 63-jährige Frontmann immer wieder ältere, bekanntere Nummern ein. Nach einem allzu entspannten Auftakt im Reggaerhythmus gaben die Briten nach wenigen Titeln ordentlich Gas. Auch der anfangs noch etwas indifferente Sound erreichte eine erstaunliche Klarheit. Und John Watts, der sich stimmlich zunächst bedeckt in dunkleren Registern hielt, fuhr sein Organ dann endgültig bei dem Liebeslied „Angels Of Gardenia“ in die gewohnten, schneidenden Höhen. Zwei Seelen wohnen in der Brust von John Watts. Da ist einmal ein Singer/Songwriter, der mit seinen Texten und Moderationen Stellung bezieht. Zur Politik, etwa eines Putin, Kim oder Trump, zum kriegerischen Weltgeschehen („Battalions Of Strangers“), aber auch zum Leben mit all seinen Verheißungen und Fährnissen. Und da ist der Rocker John Watts, der einfach nur ordentlich aufdreht und das Publikum in den Sog treibender Gitarrengewitter mit deutlicher Synthienote hineinzieht. Wobei das Ausdrucksspektrum erstaunlich weit ist und vom Reggae-Touch (etwa im 80er-Hit „Room Service“) über Ska-Anklänge bis zum modernen Brit-Pop reicht („Angels“). Das Quintett lieferte an diesem Abend eine geschlossene, äußerst dichte und druckvolle Leistung, die mal an den frühen Police-Liveklang erinnerte, mal an Peter Gabriel und natürlich an den Fischer-Sound der 80er. Und dann kamen sie nach etlichen anderen bekannten Nummern endlich doch noch: die Hymne an „Marliese“ am Ende des regulären Teils und als zweite Zugabe „Berlin“ – der Saal kochte. Mit frenetischem Jubel endete nach zwei Stunden ein märchenhafter Rockabend.