Kaiserslautern Erste Schritte auf pfälzischem Boden
Ramstein-Miesenbach. Auch Nebel und Probleme bei der Anreise konnten das erste Treffen Konrad Adenauers und Charles de Gaulles auf deutschem Boden nicht verhindern. 13 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges landete der französische Ministerpräsident in Ramstein auf der Air Base.
Das hochpolitische Treffen an einem nasskalten Herbsttag vor fast genau 57 Jahren zwischen dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Ministerpräsidenten Charles de Gaulle begann mit einigen Schwierigkeiten. Eigentlich sollte das Flugzeug mit de Gaulle in Sembach landen. Wegen dichten Nebels drehte die Maschine jedoch eine halbe Stunde lang Platzrunden über dem Ort und musste schließlich auf die Air Base in Ramstein umgeleitet werden. Adenauer, der bereits am Vortag angereist war, fuhr mit einer Wagenkolonne eilends nach Ramstein. In seiner Begleitung befanden sich Außenminister Heinrich von Brentano, Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und Finanzminister Franz Etzel. Sie trafen noch rechtzeitig am Gebäude der Flugleitung ein, um die französischen Gäste freundschaftlich zu begrüßen. Zur Delegation de Gaulles gehörten Außenminister Couve de Murville und Finanzminister Antoine Pinay. Die Staatskarossen der Politiker brausten anschließend über die Autobahn nach Enkenbach, wo die beiden Abordnungen vier Salonwagen der Bahn bestiegen, die sie nach Bad Kreuznach brachten. So wie die erste Begegnung der zwei Staatsmänner auf deutschem Boden unter schwierigen Umständen begann, befand sich auch das Verhältnis der beiden Länder zueinander noch in schwierigen Anfängen. De Gaulle hatte zunächst ein gewisses Misstrauen gegenüber den Deutschen und ihren europäischen Bestrebungen. Dennoch hatte er Adenauer zwei Monate zuvor auf seinen Landsitz in dem lothringischen Dorf Colombey-les-deux-Eglises eingeladen. In der ländlichen Idylle fernab der hektischen Hauptstadt Paris schmolz allmählich das Eis zwischen den beiden Politikern und Frankreich fasste Vertrauen zu dem alten Herrn aus Bonn. Beobachter waren gespannt, wo der Dialog zwischen den beiden Staaten fortgesetzt würde. Adenauer entschied sich gleichfalls nicht für die Hauptstadt, sondern lud ohne Nationalhymne und Beflaggung nach Bad Kreuznach ein. Der Tagungsort war dennoch nicht ohne geschichtliche Bedeutung. Das Kurhaus, wo die Verhandlungen stattfanden, war im Ersten Weltkrieg Sitz des Generalstabes. Von dort aus leiteten Kaiser Wilhelm II. und Hindenburg 1917 den Krieg gegen Frankreich. Hier scheiterte auch die Vermittlung eines Friedensangebotes, das der Papst dem deutschen Kaiser überbringen ließ. 1918 und 1945 beschlagnahmten französische Truppen das Kurhaus und richteten sich für einige Zeit dort ein. Der Ort war demnach gut gewählt, um an die leidvolle Geschichte der beiden Völker zu erinnern und gleichzeitig den Grundstein für eine deutsch-französische Verständigung zu legen. In den Gesprächen ging es um die Freiheit von West-Berlin und einen gemeinsamen Markt in Europa. In der großen Runde saßen sich Adenauer und de Gaulle nicht wie üblich gegenüber, sondern sie saßen nebeneinander. Wie Teilnehmer berichteten, hatte das etwas Brüderliches. Die erste deutsch-französische Regierungskonferenz auf hiesigem Boden schuf die Grundlage für eine unverbrüchliche Freundschaft zwischen den beiden Nationen, die fünf Jahre später im Elysée-Palast mit einem Vertrag besiegelt wurde. Konrad Adenauer fasste die Bedeutung der Kreuznacher Gespräche im Kurhaus so zusammen: „Wenn man sich mit etwas Phantasie vor Augen führt, dass sich das alles im gleichen Haus und in den Räumen wie damals abgespielt hat, dann sieht man erst recht den Wandel der Geschichte und dass tatsächlich eine neue Zeit angebrochen ist.“ Er habe noch nie einer internationalen Verhandlung beigewohnt, bei der ein derartiger Ton der Offenheit und Herzlichkeit geherrscht habe, wie in Bad Kreuznach. Das historische Ereignis fand in Landstuhl seinen Abschluss. Ein Sonderzug brachte die beiden Delegationen in die Sickingenstadt, wo ein starkes Polizeiaufgebot den Bahnhof abgeriegelt hatte. Adenauer und de Gaulle fuhren nach Ramstein, wo der Bundeskanzler den Ministerpräsidenten auf der Air Base verabschiedete. Ein neues Kapitel in den Beziehungen der beiden Völker hatte begonnen. (khs) Die Serie „Historische Augenblicke“, an denen Besonderes in der Region geschehen ist, stellen wir im „Marktplatz regional“ in loser Folge vor.