Kaiserslautern Ein klarer Fall von Genügsamkeit

Heute stelle ich dir meinen Freund Tamerlan vor. Wie du auf dem Foto sehen kannst, ist der ganz schön groß und hat zwei beeindruckende Höcker. Was meinst du, was für ein Tier er ist? Ein Kamel? Ein Dromedar? Oder ein Trampeltier?
Okay, ich gebe zu: Jetzt habe ich dich ausgetrickst. Auf diese Frage gibt es nicht nur eine Antwort. Tamerlan ist ein Kamel ein Trampeltier. Ich erkläre das mal schnell. Kamele sind eine Familie von Tieren. In dieser Familie gibt es zwei Gattungen – also so etwas wie Unterfamilien. Das sind Neu- und Altweltkamele. Ein Neuweltkamel habe ich dir schon vorgestellt, die Alpaka-Stute Ida, deren Artgenossen aus Südamerika kommen. Zu den Altweltkamelen gehören Trampeltiere und Dromedare. Dromedare kommen aus Nordafrika und dem Orient und haben einen Höcker. Trampeltiere leben in erster Linie in Asien und haben zwei Höcker. Wenn dich also mal jemand fragen sollte: Was ist der Unterschied zwischen einem Kamel und einem Dromedar? Dann antwortest du: Es gibt keinen, Dromedare sind Kamele. Genau wie Trampeltiere. Alle Kamele – egal ob aus der Alten oder der Neuen Welt – gehören zur Unterordnung der Schwielensohler. Sie heißen so, weil sie keine Hufe aus Horn haben, sondern dicke, breite Füße mit zwei Zehen und einer ledrigen Sohle. Das ist vor allem für Dromedare und Trampeltiere wichtig, weil sie oft in Wüsten oder Halbwüsten leben und durch die riesigen Füße nicht so tief in den Sand einsinken. Überhaupt sind Trampeltiere wie Tamerlan große Wunderwerke, wenn es um das Überleben in der Wüste geht. Sie haben schmale Nasenlöcher, die sie komplett verschließen können, damit kein Sand hineinkommt, und lange Wimpern, die ihre Augen vor Sand schützen. Das Faszinierendste sind aber die Höcker. Die dienen als Energiespeicher und nicht als Wasserspeicher. Das heißt, dass in ihnen kein Wasser drin ist, sondern Fett. Dieses Fett verbrennen die Altweltkamele, wenn sie in der Wüste unterwegs sind und es weit und breit kein Futter gibt. Also nicht einmal Dornenbüsche oder trockene Blätter, von denen sie im Notfall leben könnten. In Wüsten kommt so was ja durchaus vor. In solchen Fällen können Trampeltiere bis zu einen Monat lang ohne Essen auskommen. Am Ende hängen die Höcker dann schlaff herunter, weil das ganze Fett verbraucht ist. Aber woher kommt dann das Gerücht, dass in den Höckern Wasser drin sei? Vermutlich daher, dass Altweltkamele auch mehr als zwei Wochen überleben können, ohne etwas zu trinken. Das hat aber nichts mit den Höckern zu tun. Dafür haben sie einen anderen Trick: Sie können ihre Körpertemperatur auf rund 40 Grad erhöhen. Und wenn der Körper so warm ist, macht eine heiße Außentemperatur nicht mehr viel aus. Erst bei deutlich über 40 Grad beginnen Trampeltiere zu schwitzen und damit das Wasser zu verlieren, das in der Wüste so unglaublich kostbar ist. Wenn jemand lange nichts trinkt, ist er am Ende natürlich fürchterlich durstig. Das ist auch bei Altweltkamelen so. Wenn man sie dann ans Wasser bringt, schlagen die passenderweise auch „Wüstenschiffe“ genannten Tiere richtig zu. Bis zu 150 Liter Wasser können sie in zehn Minuten trinken. Das ist etwa eine Badewanne voll. Ziemlich verrückt, was? (yns)