Kaiserslautern „Drei Stunden Gänsehaut“

Mit seiner letzten Premiere am Samstagabend im Großen Haus hat das Pfalztheater zum Ende der Saison beim Publikum einen Volltreffer gelandet. Nach drei Stunden mit Leonard Bernsteins „West Side Story“ waren die Kommentare eindeutig: „fantastisch“, „eindrucksvoll“, „mitreißend“ oder - nicht ganz so enthusiastisch - „nichts dran auszusetzen“. „Der Nachtisch (der Saison) war in Ordnung“, stellte ein Besucher schmunzelnd fest. Zum Saisonabschluss statt Benjamin Brittens „Tod in Venedig“ wie im letzten Jahr lieber eine Musicalproduktion: Die Anregung an den Intendanten war vor einem Jahr aus dem Publikum gekommen. Dass der Wunsch jetzt – eher zufällig – in Erfüllung ging: Die Premierengäste fanden’s gut, bescherten der Produktion trotz Sommerwetter ein ausverkauftes Haus, anhaltenden Applaus und stehende Ovationen für das Ensemble aus Schauspiel, Musiktheater und Ballett. Nostalgie pur für die Generation, die mit der „West Side Story“ groß geworden ist oder vor 32 Jahren die Pfalztheater-Produktion gesehen hat? Für junge Menschen heute weniger interessant? Im Publikum regte sich auch dieser Gedanke. „Das ist ein Klassiker; der kann auch junge Menschen beeindrucken“, war dazu die Meinung von Irina Klutschinski (27). In ihrer ersten Begegnung mit der „West Side Story“ hatte sie die Bühnenshow ebenso wie die Gesangs- und Tanzeinlagen beeindruckt. Ihre Freunde, ergänzte sie, hätten sich für die kommenden Vorstellungen ebenfalls Karten besorgt. „Ich bin schrankenlos begeistert“, gestand Britta Buhlmann, Direktorin des Museums Pfalzgalerie: „Das ist mitreißend, da ist alles drin, was unsere Zeit ausmacht − Gewalt, Sehnsucht, Zuneigung, Zartheit, Auseinandersetzung, dazu Kraft und Energie ohne Ende.“ Bei aller Begeisterung aber auch ein Einwand: „Es ist in Ordnung, dass in der Inszenierung deutsch gesprochen wird; alles in englischer Sprache zu singen, wäre aber noch authentischer gewesen.“ Sehr angetan von der Inszenierung stellte Toni Fritz fest: „Das sind Geschichten, die es heute im Leben immer noch gibt.“ „Dafür brauche ich nicht nach New York zu fahren, das erlebe ich heute in jeder deutschen Großstadt genauso“, bemerkte ein Teilnehmer an der Runde, die gekommen war, um mit der Premiere auch Karin Fritz zu feiern, die für ihr Bühnenbild viel Applaus einstreichen durfte. „Mir hat speziell die Umsetzung des Stücks gefallen; die Inszenierung ist auch bei den Kostümen authentisch und bleibt in den Jahren, in denen die Geschichte angelegt war“, lobte Dagmar Köller. Beeindruckt habe sie dazu die Energie, mit der alle Teilnehmer die Show auf die Bühne gebracht hätten. Die Karten waren ihr und ihrem Begleiter geschenkt worden. „Ein Glücksfall“, wie sie bei der Premierenfeier feststellte. Der Leiter des Kulturreferats, Christoph Dammann, formulierte seine Eindrücke mit den Worten: „Ich fand das hinreißend; die Inszenierung ist auf angenehme Weise sehr modern und absolut zeitgemäß.“ Noch ziemlich frisch im Amt, outete sich der Referatschef als ein Kenner des Pfalztheaters, der das Haus – „wegen der hohen Qualität der Produktionen“ – schon früher häufig besucht hat. „Ich bin völlig hin und weg, wie realistisch und doch einfühlsam die Geschichte rübergebracht wurde“, gestand Klaus Kuntz. Vor 32 Jahren habe er die „West Side Story“ bereits im Pfalztheater gesehen; an der neuen Inszenierung sei für ihn nichts auszusetzen. Sein Fazit: „Eine gelungene Aufführung und sehr nachhaltig.“ „Was für ein fulminanter Spielzeitschluss, was für eine erfolgreiche Premiere“, freute sich Intendant Urs Häberli bei der Premierenfeier, zu der das Publikum ausgesprochen zahlreich geblieben war. Häberli dankte allen an der Produktion Beteiligten sowie dem Vorstand und den Mitgliedern der Freunde des Pfalztheaters für ihre Unterstützung der spartenübergreifenden Produktion. „Nach drei Stunden Gänsehaut total überwältigt“, dankte Vorsitzender Michael Krauß seinerseits dem Pfalztheater ausdrücklich dafür, dass es die „West Side Story“ auf den Spielplan gesetzt hat. Ausgerechnet Dominique Bals, der in der Rolle des Anführers der „Jets“ begeistert hatte, konnte weder auf der Bühne noch bei der Premierenfeier seinen Applaus persönlich entgegennehmen. In seiner letzten Szene hatte sich der Schauspieler bei einem Sturz die Hand gebrochen und musste im Krankenhaus behandelt werden.