Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die wechselvolle Geschichte des Union-Theaters

Das Union-Theater übt auf viele ältere Cineasten in der Stadt noch immer eine Anzieheungskraft aus. Im Gebäude in der Kerststraß
Das Union-Theater übt auf viele ältere Cineasten in der Stadt noch immer eine Anzieheungskraft aus. Im Gebäude in der Kerststraße befinden sich außerdem mehrere Wohnungen, im Nebengebäude ist ein Café untergebracht.

Das Union-Theater beherbergt das älteste Kino Kaiserslauterns. Das Haus in der Kerststraße hat zwar eine wechselvolle Geschichte, ist aber immer in Familienbesitz geblieben.

Martin Drumm kümmert sich um das Gebäude, seit sein Onkel Fritz Hartmann im Jahr 2002 gestorben ist und das Gebäude samt Union-Theater seinen drei Großneffen Martin, Florian und Michael Drumm vermachte. In dem Gebäude, das seit 25 Jahren unter Denkmalschutz steht, befinden sich außer dem Kino sieben Wohnungen. Im Nebengebäude hat erst vor wenigen Monaten das Café Klay aufgemacht, das auch Keramik und Töpferkurse anbietet. Das Rolltor vor dem Eingang des Studios für Filmkunst ziert ein aufgemalter roter Vorhang, in den Schaukästen daneben sind wie eh und je Filmplakate des aktuellen Programms ausgestellt. Das Gebäude wird durch Sandsteinelemente gegliedert, auch die Erker und Fenstergewänder in den oberen Stockwerken sind mit Sandstein umrahmt.

Martin Drumm hinter dem Kino-Tresen des Union-Theaters.
Martin Drumm hinter dem Kino-Tresen des Union-Theaters.

Das Innere des Kinos verströmt zwar historisches Flair, doch die Technik ist neu. Als vor gut 20 Jahren die Provinz 80 GmbH das Union-Theater übernahm, wurden die Räume umfassend renoviert. Der Kinosaal erstrahlt heute in Rot, die Stühle ebenso wie die beleuchtete Leinwand – kein Vergleich mehr zu der Holzbestuhlung, an die sich ältere Kaiserslauterer sicher noch erinnern.

Altes Haus birgt Überraschungen

Auch in den Wohnungen habe man „immer mal wieder“ etwas renoviert, erzählt Martin Drumm. Probleme, Mieter zu finden, habe die Eigentümergemeinschaft keine, es gebe wenig Fluktuation. Wenn eine Wohnung doch mal frei werde, würden sie förmlich überrannt von Interessenten. Das liege wohl auch daran, dass sie faire Mieten verlangten, sagt der Verwalter des Gebäudes. Natürlich seien die Wohnungen nur etwas für Fans von Altbauten. So sei eine gute Gemeinschaft und bunte Mischung zusammengekommen, zu der eine alleinerziehende Mutter ebenso gehöre wie eine Wohngemeinschaft mit Studentinnen sowie Menschen aus verschiedenen Nationen.

In dem kleinen Ladenlokal nebenan befanden sich schon verschiedene Geschäfte und Büros, unter anderem eine Kosmetikerin sowie ein Secondhand-Laden, bevor im Frühjahr das Café Klay eröffnete. Das Café sei „überraschend gut“ angenommen worden, passe gut ins Unionsviertel, ist Drumm überzeugt.

Da das Haus unter Denkmalschutz stehe, dauere es immer etwas länger, bis etwas Neues installiert sei. Aber Martin Drumm findet die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzamt wertvoll, weil es wichtige Informationen und Anregungen gebe. So ein altes Haus berge immer wieder Überraschungen – zum Beispiel eine Wasserleitung, die erneuert werden muss oder unebene Böden, die beim Aufstellen von Möbeln für Herausforderungen sorgen.

Eine „richtige Kinofamilie“

In der Innenstadt haben viele Hausbesitzer mit Graffiti-Schmierereien zu kämpfen. Martin Drumm kennt das Problem, berichtet aber, dass an ihrem Gebäude in den vergangenen Jahren nichts mehr verunstaltet worden sei. Die Tafel mit den Stationen des Historischen Stadtlehrpfads, welche der Förderverein Unionsviertel an der Seite des Gebäudes zur Rosenstraße hin angebracht hat, sowie die aufwendige Gestaltung des Studios für Filmkunst haben wohl wie erhofft Sprayer von ihrem Tun abgehalten. Drumm erinnert daran, dass bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie viel im Unionsviertel gelaufen sei. Die rund 100 Gewerbetreibenden im westlichen Bereich der Fußgängerzone hätten sich sehr engagiert. Das habe zwar etwas nachgelassen, trotzdem gebe es nach wie vor einen guten Zusammenhalt und viele Veranstaltungen.

Der Kino-Innenraum wurde 2004 renoviert.
Der Kino-Innenraum wurde 2004 renoviert.

Mit dem Union-Kino sind nicht nur für Martin Drumm und seine Brüder viele Erinnerungen verknüpft. Er erinnert sich an ein „uriges Klientel“ in den 70er Jahren. Sein Onkel Fritz Hartmann sei sehr sozial eingestellt gewesen, Stammgäste seien auch mal nur auf ein Schnäpschen vorbeigekommen. Die Familie Hartmann habe über dem Kino gelebt, auch der Filmvorführer habe viele Jahre in dem Gebäude gewohnt – eine richtige „Kinofamilie“. Die habe sich nach den Vorstellungen regelmäßig im Keller getroffen, wo eine „Räuberhöhle“ mit Filmplakaten dekoriert gewesen sei. Seine Großeltern mütterlicherseits hätten in der Alleestraße, also nicht weit entfernt, gewohnt. Noch im hohen Alter sei die Oma jeden Tag vom Bännjerrück in die Stadt hinuntergelaufen, um ins Kino zu kommen.

Viele ältere Lauterer gehören zu den Besuchern

Martin Drumm hat selbstverständlich seine ersten Kinderfilme im Union gesehen: „Dass ich meine Freunde in die Vorstellung mitnehmen konnte, kam natürlich gut an.“ Sein älterer Bruder sei damals hingegen Westernfan gewesen.

Dass das Gebäude den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat, grenzt an ein Wunder. Drumm hat alte Unterlagen gefunden, laut denen das Gebäude als Luftschutzbunker fungierte – mit einem Evakuierungsplan, der zwischen teuren und billigeren Plätzen unterschied.

Seit 2004 betreibt die Provinz 80 Programmkino GmbH das Union-Theater. Laut deren Geschäftsführer Stefan Sprengart ist das Kino technisch und von der Ausstattung her auf dem neuesten Stand – zumal der Saal damals umfassend renoviert worden war. Es gab unter anderem neue Sitze, der Reihenabstand wurde vergrößert. Unter den Besuchern des Programmkinos seien viele ältere Lauterer, die nach etlichen Jahren mal wieder ins Union kämen und den Mitarbeitenden erzählten, dass sie hier ihren ersten Kinderfilm gesehen hätten. „Es ist ein eher spezielleres Publikum“, ergänzt Hauseigentümer Drumm. Sprengart ist überzeugt, dass das Union-Theater gut in die Umgebung passt. Immer wieder gibt es auch Veranstaltungen, die über das normale Geschäft hinausgehen – beispielsweise zusammen mit dem Kultursommer Matineen, Filme mit Live-Musik oder Konzertmitschnitte.

Die Geschichte des Gebäudes

Das ursprüngliche Haus in der Kerststraße 24 wurde 1828 für den Kutscher Josef Demuth erbaut. Es wurde zunächst vorwiegend gastronomisch genutzt und 1907 als Gasthaus „Zur Stadt München“ erweitert – in Anlehnung an das 1897 in München errichtete „Münchner Hofbräuhaus“. Das Gebäude ist gekennzeichnet durch Sandstein-Rundbögen im Erdgeschoss und historisierende Erker in den Obergeschossen.

1911 gründete Emanuel Schwehm das Union als Kinematographentheater. Dafür wurde das Gebäude nach Plänen von Christian Hocke für den Besitzer Nicolaus Schanuel umgebaut. 1917 übernahm Johann Friedrich Hartmann das Union-Theater und baute es um. Hartmann war gleichzeitig königlich-bayerischer Hoffotograf, viele Aufnahmen Kaiserslauterns stammen von ihm. 1928 wurde das Union-Theater dann an Friedrich Wilhelm König verpachtet, von 1929 bis 1958 übernahmen es Rosa und Fritz Theis. Von der Witwe Theis ging es 1958 an Fritz Hartmann über. Dieser bezeichnete sein Kino als „Haus der Sensationen“ und brachte vornehmlich „spannende Abenteurerfime, Krimis und Wildwestern“. Im Saal gab es 233 Sitz- und 25 Notsitze. Der Eintritt kostete zwischen einer und 1,70 Mark. 1994 verpachtete Fritz Hartmann das Kino an Hans Rainer Sachs, zwei Jahre später übernahm Michael Wiedemann das Union-Theater. Im Jahr 2000 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Als Fritz Hartmann 2002 verstarb, vermachte er das Gebäude seinen drei Großneffen Martin, Florian und Michael Drumm. Damit blieb das Kino bis heute im Familienbesitz. 2004 wurden die Kinoräume modernisiert, zum 1. August 2004 wurde das Union-Theater an die Provinz 80 GmbH verpachtet und im Oktober des gleichen Jahres wiedereröffnet. Für das Programmkino gab es bereits etliche Auszeichnungen sowohl auf Landes- als auch Bundesebene.

Die Serie

Es gibt sie noch, die schönen alten Häuser in Kaiserslautern. Sie haben nicht nur teils mehrere Kriege überstanden, sondern werden auch heute noch genutzt - sei es als Wohnhäuser oder öffentlich zugängliche Gebäude. Wir haben uns die Türen öffnen lassen und werfen einen Blick in eine verwunschene, zum Teil geheimnisvolle Welt. Im zuletzt veröffentlichten Serienteil befasste sich unsere Autorin mit dem Gebäude in der Schumannstraße, in dem einst der Lauterer Maler Addi Schaurer lebte und arbeitete.

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