Kaiserslautern Die Uni Big Band überzeugt mit wunderbarer Detailarbeit
Das Semesterkonzert der Uni Big Band der RPTU mit Bandleader Pascal Koppenhöfer und seine ausgewogene hochrangige Besetzung legte ohne übliches Abtasten, Einspielstück oder Einhören gleich furios los: Schon mit dem ersten Auftakt des Majestic March stiegen die auch sonst herausragenden Solisten Maximilian Kohns auf dem Altsaxofon sowie Philipp Huchzermeier an den Tasten in eine Vortragsfolge ein, die in Superlativen gerühmt werden muss.
Ob nun das akribische Umsetzen von messerscharfen, exakt getimten Einwürfen im Blechbläser-Satz oder der homogene Sound der Saxofone sowie die Feinabstimmung in der Rhythmussektion: Alles fließt wunderbar akkurat und harmonisch zusammen, verdichtet sich zu einem komplexen Klangereignis, das authentisch, lebendig und durch die Sängerin Katja Welck charismatisch und einnehmend wirkt.
14 Titel
Unter Koppenhöfer begann hörbar eine Ära der mitreißenden Spielfreude, nicht ausufernd, sondern kontrolliert, aber sehr lebendig pulsierend und mit glanzvollen Solisten in jedem Register. Eigentlich war jeder der immerhin 14 Titel ein glanzvoller Höhepunkt und in der schlüssigen Ausführungsqualität exemplarisch für Detailarbeit an Klang, Stilistik, nahtlosem Zusammenspiel und Wechselspiel aus Soli und Tutti. Und dies basierend auf einem stabilen Fundament in Bass und Rhythmus.
Wie die Bläser sich in den bezaubernden Sologesang der Solistin einfügten, den aus dem Broadway-Musical von Harold Arlen stammenden Klassiker sanft grundierten und der Schmuseklang der Saxofone die Stimmung zwischen Sonne und Regen, Trübsal und Aufbruchstimmung begleiteten, das war erste Sahne. Interessant, dass meteorologische Themen in dieser Zeit en vogue waren, man denke an einen weiteren Klassiker wie „Over the Rainbow.“
Beschwingter Rhythmus
Ein weiterer Garant war für diese Formation als Lieferant von Kompositionen und raffinierten Arrangements der legendäre Sammy Nestico (1924-2021): Mit seinem Titel „Hay Burner“ gelang der Sprung von den 40er in die späten 60er Jahre nahtlos: Es schlug dabei die große Stunde von Philipp Huchzermeier am Piano, der mit brillanten und kongenial passenden Umspielungen und gestalterischen Finessen seinen Solopart grandios gestaltete.
Dieses locker leichte Gleiten in einem beschwingten Rhythmus und eingängiger Melodik gelingt nur, wenn man locker cool darübersteht und das Ganze nonchalant angeht - das war hier ideal der Fall. Also lässig, aber niemals nachlässig! Mehr Zurücklehnen, nicht drängend, aber auch nicht schleppend. Eine geschickte Gratwanderung ohne Absturz. Auch bei einer weiteren Ballade aus einem Musical von Frederick Loewe setzte die Sängerin auf ihre weiche und einfühlsame Stimmgebung, während als Pendant Stephan Wust bei „Moondance“ dazu kontrastierend kraftvolle Durchdringung anstrebte und realisierte. Insgesamt ergänzten sich alle Beiträge zu einem Kaleidoskop an Stilen und Klangentwicklungen, das sorgfältig aufeinander bezogen und abgestimmt war.