Familienbande RHEINPFALZ Plus Artikel Die Herzogs aus Ramstein lieben die Kampfkünste

Die kampfsportbegeisterte Familie Herzog: von links Vater Kim, Sohn Orell, Tochter Zoé, Tochter Zooni-Lou (im Spagat) und Mutter
Die kampfsportbegeisterte Familie Herzog: von links Vater Kim, Sohn Orell, Tochter Zoé, Tochter Zooni-Lou (im Spagat) und Mutter Sarah.

Mutter, Vater, drei Kinder, jede Menge internationale Titel und viel Spaß mit und bei der Kampfkunst. Das sind die Herzogs aus Ramstein. Die Corona-Pandemie wirft Kim Herzog, dem Betreiber mehrerer Kampfsportschulen, aber dicke Brocken zwischen die Beine. In dieser schwierigen Zeit laufen die Kosten weiter, und es muss gespart werden.

Was bei Familie Herzog in Ramstein funktioniert, danach sehnen sich so manche Familienoberhäupter. Häufig sind die Interessen bei drei Kindern völlig unterschiedlich, und jedes muss zu anderen Zeiten ins Training oder zur Probe gefahren werden. Da finden die Eltern kaum Zeit für eigene Hobbys. Ist bei den Herzogs ein bisschen anders: Alle drei Kinder, sowohl die Mädels Zoé (14) und Zooni-Lou (8) als auch der kleine Bruder Orell (8), lieben denselben Sport, für den auch die Eltern Sarah und Kim Herzog brennen.

Absolute Weltspitze

Bei den Herzogs wird Kampfkunst großgeschrieben, so groß, dass durch fleißiges und intensives Training sowohl die Eltern als auch bereits die älteste Tochter Zoé (1. Dan) auf dem internationalen Sportparkett zur absoluten Weltspitze zählen. Zoé war bereits viermal Junioren-Weltmeisterin der Kickboxer und hat unter anderem auch einen Deutschen Meistertitel im Taekwondo. Ihre Mutter Sarah (2. Dan) ist Europameisterin sowohl im Kickboxen als auch im Taekwondo.

Kampfkunst mit Herz

Vater Kim hat es in seiner aktiven Laufbahn so richtig krachen lassen. Der Träger des 4. Dan ITF Taekwondo war sechsmal Weltmeister, zweimal Europameister im Kickboxen (Pointfighting und Leichtkontakt) sowie zweimal Europameister im ITF Taekwondo. Sein größter persönlicher Erfolg ist aber zweifelsfrei der Aufbau seiner zahlreichen Sportschulen „Kampfkunst mit Herz“, die mittlerweile in der Westpfalz und im Saarland regen Zuspruch finden. In Ramstein ging es vor 20 Jahren los, und mit der ersten Kampfsportschule hat er nicht nur sein Hobby zum Beruf gemacht, die Schule hat ihm auch seine Sarah vorbeigeführt.

„Damals arbeitete ich noch an der Realschule Plus, ich besuchte mit meiner Schulklasse Kim in seiner Kampfsportschule, so konnte Kim nicht nur meine Schüler, sondern auch mich für sich begeistern“, blickt die Erzieherin, die längst auch Kampfkunstlehrerin ist, auf das Kennenlernen zurück.

Kickboxen und Taekwondo

„Tatsächlich bleibt nicht viel Zeit für andere Hobbys, aber irgendwie haben wir auch gar kein Interesse an anderen Dingen. Wir haben das, was uns zu 1000 Prozent Spaß macht schon gefunden“, sind Sarah und Kim Herzog mit dem, was sie tun glücklich. Sicher gehört dazu auch, dass die Kinder den Kampfsport, das Kickboxen und Taekwondo, genauso lieben wie sie selbst. Dabei hatten und haben natürlich immer noch alle drei die Wahl. So fand Zoé den Turnsport lange Zeit klasse. Viel fürs Turnen trainieren und ins Taekwondo-Training gehen, beides war dann doch zu viel für die junge Zoé, die gerne 100 Prozent gibt. „Zooni-Lou liebt es in ihrer Freizeit zu backen“, erzählen die Eltern lachend, welchen Künsten sich das Mädel neben der Kampfkunst noch hingibt. Der kleine Bruder Orell fährt gerne Stunt-Scooter. Passt ja, fallen muss so ein Kampfsportler schließlich als Allererstes lernen.

Sie kennen die Regeln

Das mit dem Lernen von und mit den Eltern ist im Training ja bekanntlich meist so eine Sache. „Das Eltern-Trainer-Problem gibt es eigentlich nicht, sie kennen die Regeln und wissen genau, dass diese für alle Kinder gleichermaßen gelten“, sieht es Kim Herzog bei seinen Kindern ganz entspannt. Er gibt allerdings zu, dass es anfänglich vor allem bei Zooni-Lou manchmal ein paar Schwierigkeiten gab. Die Kleine war es schließlich gewohnt, in der familieneigenen Halle spielen zu können. „Dadurch war sie am Anfang nicht ganz so begeistert vom Unterricht, aber es hat sich schnell eingespielt, und jetzt ist sie diejenige, die niemals eine Stunde ausfallen lassen würde“, sagt der Papa, der für den Rest der Familie schon ein großes Vorbild ist. Genau das ist er auch für seine vielen Schüler, die seine Sportschulen „Kampfkunst mit Herz“ in Ramstein, Kaiserslautern, Waldmohr, Waldfischbach-Burgalben, Blieskastel, Sulzbach (Saar), Freisen und St. Wendel normalerweise besuchen. Derzeit läuft alles nur online.

In Kurzarbeit

„Leider wird der Zoom-Unterricht nicht so angenommen, wie ich es mir erwünsche. Was ich aber sagen muss, ist, dass besonders die Anwärter für den Kinder- und Jugendschwarzgurt immer am Unterricht teilnehmen“, weiß Kim Herzog, dass online eben keinen Kontaktsport ersetzen kann. „Seit November ziehen wir keine Beiträge mehr ein. Die Kosten für alle sieben Standorte laufen weiter, und wir müssen wirklich an jeder Stelle sparen“, bedauert Herzog, dass er sein gesamtes Trainer-Lehrer-Team mittlerweile in 100 Prozent Kurzarbeit schicken musste. Für ihn und seine Frau heißt das aber nicht, den Kopf in den Sand stecken, sie gestalten die Online-Stunden abwechslungsreich. So veranstaltet etwa Sarah Herzog am 24. Januar um 10 Uhr ein Online-Training zum Thema Zielsetzung für Kinder und Jugendliche. Auch Nichtmitglieder können sich bei Interesse unter www.kampfkunst-herz.de anmelden.

Die Serie

Sie stehen gemeinsam auf dem Trainingsplatz, im Wettkampf, auf dem Treppchen, kennen sich in- und auswendig, gehen gemeinsam durch dick und dünn, trainieren oder pushen sich gegenseitig: Geschwister, Vater, Tochter, Mutter, Sohn. Dass Familienmitglieder zusammen Sport treiben, im selben Verein, in derselben Liga, ist nichts Ungewöhnliches, aber eben manchmal auch was ganz Besonderes. Unsere Serie „Familienbande“ erzählt in loser Reihenfolge ein paar dieser besonderen Geschichten, die das Leben schreibt.
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