Nachspielzeit RHEINPFALZ Plus Artikel Die FCK-Portugiesen und die deutsche Tugend

Er sah das Unheil in der zweiten Halbzeit kommen: Karl-Heinz Halter, der Trainer der SG Rockenhausen, im Spiel gegen den VfB Rei
Er sah das Unheil in der zweiten Halbzeit kommen: Karl-Heinz Halter, der Trainer der SG Rockenhausen, im Spiel gegen den VfB Reichenbach.

Spielwitz, gute Technik und große Leidenschaft zeichnen sie aus. Die FCK-Portugiesen gehören zum Besten, was der Lauterer Amateurfußball zu bieten hat.

Die Mannschaft ist der Stolz der großen portugiesischen Gemeinde in der Barbarossastadt und kann in Heim- und Auswärtsspielen in der Bezirksliga auf die Unterstützung ihrer zahlreichen Fans zählen. Portugiesische Fußballer stellen das Gros der ambitionierten Truppe. Doch ihr Trainer stammt nicht aus dem Land der berühmten Seefahrer, Entdecker – und der Heimat des „CR7“. Seit Saisonbeginn coacht Robert Ratkowski das zur FCK-Familie gehörende Team. „Es ist eine wunderbare Mannschaft“, sagt Ratkowski, der in gewisser Weise die Antithese zu seinen temperamentvollen Schützlingen bildet. „Eine gewisse Grundordnung muss sein“, betont der ehemalige Profi und versteht darunter auch eine deutsche Tugend: „die Pünktlichkeit“. Darauf achtet er sehr und sieht darin für seine Spieler auch eine Schule fürs Leben. Was für ihn noch besonders wichtig ist, dass keiner seiner Spieler Privilegien genießt. Auch Ricky Pinheiro nicht, der einst für die Roten Teufel in der Zweiten Liga spielte. „Wir schätzen ihn sehr. Er übt großen Einfluss auf das Team aus“, sagt Ratkowski und fügt hinzu, dass der Ex-Profi jedoch nicht über der Mannschaft stehe. Mit 23 Treffern ist Pinheiro der erfolgreichste Schütze der offensivstarken Portugiesen. Am Wochenende gehörte er gegen den FC Rodalben aber nicht zu den Torschützen. Das war für Ratkowski und seine Elf ein schwieriges Spiel gegen „einen unangenehmen Gegner“. In der Vorrunde kassierten die Lauterer gegen den FC eine ihrer wenigen Niederlagen. Diesmal endete der Kampf 2:2. Direkt nach dem Spiel waren aber die Gedanken schon bei der nächsten Partie, am Samstag bei der SG Rockenhausen/Dörnbach/Gundersweiler. Ein Spitzenspiel, in dem die Lauterer gegen diesen Konkurrenten den zweiten Tabellenplatz verteidigen wollen. „Nach diesem Spiel sehen wir, wo die Reise hingeht“, sagt Robert Ratkowski. Er will mit seinem Team in die Landesliga aufsteigen. Dass die Seinen die Spielstärke haben, um dort mitzuhalten, davon ist der 50-Jährige überzeugt.

VfB Reichenbach Vulkan an der Seitenlinie

Für den Bezirksligisten VfB Reichenbach sind die ersten beiden Tabellenplätze praktisch außer Reichweite. Doch die Mannschaft von Spielertrainer Yannik Brehmer spielte am Wochenende im Kampf um Platz zwei doch eine wichtige Rolle. Sie empfing die SG Rockenhausen/Dörnbach/Gundersweiler, die sich mit den FCK-Portugiesen ein Duell um diesen Platz liefert. Die Gäste wurden von keinem Geringeren als Karl-Heinz Halter gecoacht. Ein bekannter und überaus erfolgreicher Trainer, der mit dem SV Morlautern einst Geschichte schrieb. Er führte die Mannschaft von der B-Klasse bis in die Oberliga und gewann mit ihr auch den Südwestpokal. Halter gilt an der Seitenlinie als Vulkan. Doch in der ersten Halbzeit blieb es ruhig an der Linie – sein Team ging mit einer 2:1-Führung in die Pause. Nach dem Seitenwechsel war es mit der Ruhe vorbei. Halter wurde lauter und gestikulierte. „Da muss mehr kommen“, rief er seinen Spielern zu, die kein Mittel gegen die wie entfesselt spielenden Reichenbacher fanden. Halter spürte den Umschwung, konnte ihn aber nicht verhindern. Niclas Leist, der in der ersten Halbzeit schon für den VfB getroffen hatte, wurde zum Albtraum für die SG-Abwehr. Der schnelle Stürmer köpfte nach etwas mehr als einer Stunde das 2:2, und wenige Minuten später schoss er den Siegtreffer zum 3:2. Nach dem Spiel gab es für die VfB-Spieler kein Halten mehr – ausgelassen feierten sie ihren Sieg. Dagegen herrschte bei der Halter-Truppe eine betretene Stimmung. Lange sprach der Coach auf seine niedergeschlagenen Spieler ein. Treten sie weiter so auf wie gegen den VfB, wird es sicher nichts mit dem zweiten Platz. Aber gemach. Halter ist ein Motivationskünstler. Er ist auf Erfolg programmiert und will mit seinem Team den Aufstieg in die Landesliga schaffen, und das in dieser Saison.

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