1. FC Kaiserslautern
Der FCK und seine Fans: eine besondere Beziehung
Das Fritz-Walter-Stadion ist als Kultstätte des Deutschen Fußballs international bekannt. Es thront nicht nur hoch über der Stadt – als einzige Arena in Deutschland auf einem Berg. Es ist vornehmlich die Atmosphäre auf dem „Betze“, die als außergewöhnlich gilt. Die Atmosphäre kann daher schon mal den Gegner lähmen. Am Dienstag herrschte wieder einmal eine tolle Stimmung im Stadion. Doch dafür brauchte es kein Fußballspiel im Fritz-Walter-Stadion. 17.333 Fans waren auf den Betzenberg gekommen, um das DFB-Pokal-Halbfinale beim 1. FC Saarbrücken beim Public Viewing auf großen TV-Leinwänden live zu verfolgen. Mit dabei war auch der zu diesem Zeitpunkt nach seiner Oberschenkelverletzung noch nicht spielfähige Lauterer Top-Stürmer Ragnar Ache. „Das war eine geile Atmosphäre“, sagt Ache. Er wird am Samstag beim Hamburger SV von Anfang an spielen. Das bestätigte Trainer Friedhelm Funkel.
Mehr Zuschauer als beim Spiel in Saarbrücken
Ache war verblüfft, dass sogar mehr Zuschauer auf dem Betzenberg als am eigentlichen Spielort, dem ausverkauften Ludwigsparkstadion (16.000 Zuschauer), waren. Das zeigt, welche Strahlkraft der FCK hat. Auch wenn im Fritz-Walter-Stadion kein Ball auf dem Rasen rollte, auf den Rängen ging es genauso emotional zu wie bei einem Ligaspiel. Die Fans jubelten, die Tribünen wackelten, der „Betze“ bebte. „Das war ein toller Abend“, sagt FCK-Fan Karin Hausherr: „Wir haben sogar eine Bierdusche auf der Nordtribüne abbekommen.“
Auch Hausherr jubelte und will mit ihrem Mann Stefan und Sohn Felix nach Berlin zum Finale fahren, sofern sie Karten ergattern. Schließlich spielen die Roten Teufel nach 21 Jahren wieder um den DFB-Pokal im Berliner Olympiastadion. Eine ganze Fan-Generation hat bislang kein Cup-Finale mit FCK-Beteiligung erlebt. Am 25. Mai wird sich dies ändern.
Fluch und Segen, FCK-Fan zu sein
Es sind Fans wie Karin Hausherr oder Stefan und Felix Barz, die zu diesem Betze-Mythos beitragen. Durch ihre Treue, ihre Liebe zum Verein tragen sie zu der besonderen Stimmung im Fritz-Walter-Stadion und in den fremden Arenen bei. Für sie und die vielen tausend weiteren Fans ist der „Betze“ keine einfache Fußball-Arena, sondern das Wohnzimmer, das Zuhause. Der FCK ist ihre Leidenschaft.
Sie nehmen dann Strapazen auf sich und begleiten den FCK in jeden Winkel dieser Republik. Am Samstag sind fast 6000 FCK-Fans beim Spiel in Hamburg. Friedhelm Funkel findet das unglaublich. Es ist so etwas wie Fluch und Segen, Fan eines Traditionsvereins zu sein. Denn: Wenn es sportlich mal nicht läuft, dann kracht es auch schon mal zwischen Mannschaft und Fans. Ende Februar geigten die enttäuschten, wütenden FCK-Fans den Profis nach der 0:4-Niederlage gegen den Karlsruher SC gehörig die Meinung. Die Szenen erinnerten an die 0:2-Pleite gegen die TSG Hoffenheim 2008, als der FCK sich mit eineinhalb Beinen schon in der Dritten Liga befand. Die Fans öffneten ihrem Team damals die Augen. Es war der Wendepunkt in einer fast aussichtslosen Situation. „Ein solcher Hass kann nur entstehen, wenn da unbändige Liebe ist“, sagte der damalige FCK-Trainer Milan Sasic.
Ob das Derbydebakel gegen den KSC und die anschließenden Unmutsbekunden auch in dieser Saison einen Wendepunkt bedeuten? Danach ging es jedenfalls aufwärts. Sieben Punkte holte der FCK in den darauffolgenden vier Spielen. In Hamburg soll der Aufwärtstrend fortgesetzt werden. Die 6000 FCK-Anhänger werden auch im Volkspark-Stadion für eine besondere Atmosphäre sorgen. Das ist sicher, aber keine Selbstverständlichkeit.
