Kaiserslautern
Der erste Club der Westpfalz: Lauterer Cannabis Club geht an den Start
Im April 2024 wurde der Konsum von Cannabis legalisiert. Doch legal zu bekommen ist es nur als Mitglied sogenannter Anbauvereinigungen. In der Pfalz gibt es aktuell sieben davon, in der Westpfalz bislang keinen einzigen – das ändert sich: Der CSC 21plus in Niedermohr hat seit einem Monat die Genehmigung, „noch mit Auflagen“, erläutert Jens Wolf, Vorsitzender des Vereins.
Seit Juli 2024 dürfen sich Cannabis Social Clubs gründen, die Genehmigung erteilt in Rheinland Pfalz das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung. 46 Anträge sind laut Sprecherin Laura Acksteiner dort bislang eingegangen, 25 Clubs wurden bis jetzt genehmigt.
Der Antrag ist 200 Seiten stark
Die Auflagen sind recht hoch, besonders wegen des Jugendschutzes. „Rund 200 Seiten umfasst der Antrag“, schildert Wolf. Neben den vielen formellen Vorschriften sind die praktischen umzusetzen, zum Beispiel ein „befriedetes Besitztum der Anbauvereinigung“, so die Vorschrift des Bundesgesundheitsministeriums, und auch die „Sicherungs- und Schutzmaßnahmen“ können die Kosten in die Höhe treiben.
Diese sind es auch, die Jens Wolf und sein Stellvertreter Stefan Schuchert, beide Mitte 40, noch erfüllen müssen. Im April 2024 haben sie den Verein gegründet, im September den Antrag für eine Anbauvereinigung gestellt, Mitte April kam nun die Genehmigung.
Abgabe soll in Containern erfolgen
Anbauen will der Club auf dem bisherigen Privatgrundstück von Wolf, „vor drei Jahren haben wir eine GmbH gegründet, die das Grundstück nun an den Verein vermietet.“ Die Abgabe von Cannabis soll in zwei Containern erfolgen. „Um die aufstellen zu dürfen, warten wir noch auf die Grundstücksnutzungsänderung, die wir beim Bauamt beantragt haben. Denn bisher besteht hier nur Wohnrecht.“ Rund 8000 bis 10.000 Euro werden die Container voraussichtlich kosten.
240 Quadratmeter hat die geplante Anbaufläche, „erweiterbar auf 400“. Der Niedermohrer Club ist „der erste mit Outdooranbau in ganz Rheinland-Pfalz“, berichtet Wolf stolz. „Das erfuhren wir von den beiden Vertretern aus Mainz, als sie zur Grundstücksbesichtigung hier waren.“ Während alle anderen Clubs ihre Pflanzen in Hallen ziehen und künstliches Licht benötigen, „nutzen wir die Sonnenenergie“. Ganz dem Wetter ausgesetzt sollen die Hanfpflanzen aber nicht sein, ein Gewächshaus in der Größe von „zwölf mal 20 Metern, 5,50 Meter hoch“, ein Metallgerüst mit Plastikplane, soll vor Witterung schützen.
Vor neugierigen Blicken soll ein hoher Zaun schützen, so verlangt es das Gesetz. „Ich werde auch Stacheldraht anbringen“, kündigt Wolf an. Zudem müssen noch drei Kameras zur Überwachung des Geländes angebracht werden, lauten die Auflagen.
230 Euro für 50 Gramm Cannabis
„Rund 40.000 Euro haben wir beide zusammen in das Projekt gesteckt“, beziffert Wolf die Kosten. Reinholen wollen sie diese Summe zumindest zum Großteil im Laufe der Jahre durch die Mitgliedsbeiträge. Während andere Clubs schon vor der Antragstellung kostenpflichtig Mitglieder aufnehmen und so ihre Kasse vorab füllen, haben Wolf und Schuchert bis zur Genehmigung gewartet. „Aber jetzt kann man für 100 Euro Mitglied werden.“ Diesen zahlen dann monatlich je nach der Menge an Cannabis, die sie abnehmen wollen, zwischen 40 Euro für fünf Gramm und 230 Euro für 50 Gramm – die gesetzliche Höchstmenge, die ein Club an mindestens 21-Jährige abgeben darf. Für jüngere Volljährige ist nicht nur die Menge auf 30 Gramm beschränkt, sondern auch der THC-Gehalt – der psychoaktive Bestandteil der Hanfpflanze – darf zehn Prozent nicht überschreiten.
Mitglieder müssen 21 Jahre alt sein
„Wir haben uns entschieden, unseren Club generell erst ab 21 Jahren zugänglich zu machen“, betont der Initiator des CSC 21plus. Denn auf den THC-Gehalt habe man keinen genauen Einfluss, berichtet Wolf. Zwar werde der Verein wie vorgeschrieben den THC-Gehalt von jeder Ernte im Labor bestimmen lassen, aber mit einer Abgabe an über 21-Jährige sei man auf der sicheren Seite. Im Unterschied zum Indooranbau werde der Club nur einmal jährlich ernten, „im Oktober voraussichtlich“. Sollte die Ernte aufgebraucht sein, „zahlen die Mitglieder auch keinen Beitrag mehr“. Der CSC 21plus wolle seine Mitgliederzahl erstmal auf rund 100 beschränken; maximal erlaubt das Gesetz 500.
Dass Cannabis-Pflanzen heute einen wesentlich höheren THC-Gehalt haben als noch vor Jahrzehnten, weiß Julia Mikulla, Sozialarbeiterin der Jugend- und Drogenberatungsstelle „Release“ in Kaiserslautern. „Damit ist es suchtauslösender und die Gefahr von Psychosen größer.“ Gerade auf dem Schwarzmarkt werde solch hochgezüchtetes Cannabis verkauft. Außerdem würden oft synthetische Cannabinoide aufgesprüht, „und man weiß nicht, was darin ist – das macht es gefährlich!“, warnt sie vor illegalem Kauf. Zudem gebe es Verunreinigungen: Das Harz oder die getrockneten Blüten würden gestreckt, „zum Beispiel mit Teer oder Sand, um das Gewicht zu erhöhen“ – und somit den Profit.
Verbrauch steigt nicht an
Einen Anstieg an Ratsuchenden seit der Cannabis-Legalisierung hat Mikulla in der Beratungsstelle nicht bemerkt. „Release“ sei zwar für illegale Drogen zuständig, doch meist seien eh mehrere Drogen im Spiel. „Neu ist die Befürchtung, jetzt mehr zu konsumieren, da man leichter herankomme. Was ja aber de facto nicht so ist – außer man hat einen grünen Daumen.“
Mikullas Beobachtung deckt sich mit den ersten Zahlen, die für die Evaluation im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erhoben wurden: Der Cannabis-Konsum ist demnach seit Legalisierung gleich geblieben oder hat sich nur leicht erhöht – was laut dem Projektleiter dem Trend seit rund zehn, 15 Jahren entspricht. Auch die Daten der Abwasseruntersuchungen auf den THC-Gehalt, die die Stadt Stuttgart eruiert hat, belegen maximal einen leichten Anstieg, eher saisonale Schwankungen.
Zu den Anforderungen an die Anbauvereinigungen gehört ein Gesundheits- und Jugendschutzkonzept. Der CSC 21plus hat Wolfs Schwester Diana Wolf als Sucht- und Präventionsbeauftragte benannt. „Damit wir reagieren können, wenn wir etwas bemerken oder sich jemand an uns wendet“, sagt Jens Wolf. Bei der Caritas habe sich der Verein Kontakte besorgt, auf eine Schulung wartet er noch.