Otterberg Das Jubiläumskonzert des International Choir Rheinland-Pfalz
54 Sängerinnen und Sänger sangen am Sonntag mit unüberhörbarem Spaß an der Sache, drei Dirigenten waren dabei: Neben dem aktuellen Leiter Eric Weddle schwangen die ehemalige Chorsängerin und Leiterin Stephanie Benton, eigens aus Colorado angereist, und ihr Vorgänger Patrick Casey den Taktstock, am Klavier begleitete Lothar Bendel.
Zum Auftakt stimmte der International Choir Rheinland-Pfalz „Tshotsholoza“ von Todd Matshikiza an, einem südafrikanischen Komponisten. Das gegen die Apartheid gerichtete Bergarbeiterlied, das der Chor mit wunderbaren lautmalerischen Akzenten und packendem Ausdruck gestaltete, gilt als inoffizielle Hymne Südafrikas.
Transparenter Klang
Das „Ave Maria“ von Franz Biebl und Robert Schumanns „Zigeunerleben“ leitete Gastdirigentin Stephanie Benton. Das „Ave Maria“ zeichnete sich durch den einheitlich-transparenten Stimmklang aus, der das Marienlob wie einen Ruf aus ferner Zeit wirken ließ. Zügige Tempi und plastische Konturen prägten das temperamentvolle bosnische Volkslied „Ederlezi“. Es beschreibt den Georgstag, der von Roma auf dem Balkan als Frühlingsfest gefeiert wird. Kehlige Rufe und lautmalerische Akzente verliehen dieser Interpretation, mit der der Chor seine Vielseitigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellte, authentisches Flair.
Glockenklar und schlackenrein schwebten die hohen Soprane in „Ubi caritas“ von Ola Gjeilo durch den Raum und wirkten wie ein Stilzitat eines gregorianischen Chorals. Der Kontrast zu den tiefen Stimmen ließ unter Eric Weddles nuancenreicher Leitung ein stimmungsvolles Klangbild in dieser tief empfundenen Interpretation entstehen, das die Zuhörer zu spontanem Applaus mitriss.
Machtvolle Chorpassagen
Eine sich immer mehr steigernde Spannung prägte das „Dies irae“ von Michael John Trotta. Machtvolle Chorpassagen bildeten dabei einen markanten Gegensatz zu lyrischen Melodien, den Eric Weddles facettenreiches Dirigat und der International Choir fesselnd ausformten.
Eine atmende Klangfläche ließ der Chor in Frank Tichells „Earth Song“ entstehen. Ruhige Kraft und ein innig-ergreifender Ausdruck voller Gestaltungstiefe machten dieses Lied zum zutiefst berührenden Höhepunkt.
Schwebender Gesang
Farbenreiche Klangkontraste entwarfen in „Silver Rain“ von Audrey Snyder ein Klangbild, in dem ein lebhaftes Zwiegespräch zwischen verschiedenen Gruppen aufkam. Die hohen Soprane mit ihrem ätherisch-schwebenden Gesang zeichneten sich durch Transparenz und Klarheit aus und ließen dieses Abschiedslied in einer entrückten Stimmung ausklingen. Mit absolut sicher gehaltenen Tempi im Kanon und lautmalerischen Farben begeisterte der Chor sein Publikum in der Strophenballade „Tambur“ von Jacob Paix.
Ganz andere Klänge schlug der Chor mit dem Seemannslied „A Salty Dog“ an. „Seefahrer tun gut daran, sich auf ihren abenteuerlichen Fahrten des göttlichen Beistands zu versichern“, meinte die Moderatorin lakonisch. Ein Klangbild mit Handglocken, Windspiel, Basstrommel und Donnerblech präsentierte der Chor in Eric Whitacres „Cloudburst“. Der packende Ausdruck riss die Zuhörer erneut zu spontanem Applaus hin.