Kaiserslautern Das Glück, zwei Orgeln in einer Kirche zu haben
„Gone too soon“ nannte Gereon Krahforst, Abteiorganist und künstlerischer Leiter der Internationalen Orgelkonzerte in Maria Laach, sein Konzert in der Marienkirche Kaiserslautern mit Werken früh verstorbener Komponisten. Er interpretierte damit das Motto „Forever young?“, also „Für immer jung?“, des rheinland-pfälzischen Kultursommers auf seine Weise. Werke von Nicolaus Bruhns, Gustav Busch, Ludwig Thiele und Léon Boellmann standen auf dem Programm, wobei Krahforst bewusst sonst weniger gespielte Stücke dieser alle samt leider Junggebliebenen ausgewählt hatte.
Beinahe hätte das Konzert allerdings ausfallen müssen, denn beim Einspielen am Nachmittag beschloss die Klais-Orgel von 1904, auf der Krahforst musizieren wollte, „nicht mitzuspielen“, wie es Dekanatskantor Timo Uhrig später bei seiner Einführung formulierte. Es gab ein Problem mit der Luftzufuhr zu bestimmten Tönen, das nicht auf die Schnelle behoben werden konnte.
Mehr als „nur Ersatz“
Da in St. Maria seit einem Jahr jedoch mit der Roeder-Orgel ein zweites Instrument zur Verfügung steht, entschied sich der Gastorganist dafür, die Stücke auf dieser Orgel zu spielen. Alle, bis auf eines. Vorgesehen war nämlich die dramatische Orgelsonate c-moll über den 94. Psalm von Julius Reubke, eines der bedeutendsten Orgelwerke des 19. Jahrhunderts. Dieses romantische Werk hätte auf der eher an einen barocken Klangcharakter angelehnten Chororgel nicht adäquat aufgeführt werden können.
Aber das, was Krahforst stattdessen präsentierte, war mehr als ein Ersatz, nämlich Mozarts Fantasie in d-moll. Da auch Mozart nur 35 Jahre alt geworden war, passte er zudem perfekt in die Reihe. Um aber doch noch ein wenig Reubke anklingen zu lassen, orientierte sich Krahforst bei seiner abschließenden Improvisation über den Psalm 139 und den Choral „Herr, dir ist nichts verborgen“ an der Musik des Franz-Liszt-Schülers.