Kaiserslautern „Das geht so nicht mehr lange gut ...“

Schwerer Job – und brandgefährlich obendrein. Feuerwehrleute müssen so einiges leisten.
Schwerer Job – und brandgefährlich obendrein. Feuerwehrleute müssen so einiges leisten.

Gespräch der Woche: Eine kleine Zusatzrente für Feuerwehrleute? Gute Idee, findet Kreisfeuerwehrinspekteur Hans Weber. Der Landstuhler sieht darin einen Anreiz für Nachwuchs. Der ist auch dringend nötig, denn die Wehren im Lande verlieren stetig Einsatzkräfte. Was aber tun? Der 59-Jährige hat da so einige Ideen, die er im Interview darlegt.

Herr Weber, mit einem kräftigen Steinwurf könnten Sie von Ihrer Tür aus den Turm am Gerätehaus der Landstuhler Stützpunktwehr treffen. Wenn’s bei Ihnen mal brennt, kommt die Wehr dann auch zu Ihnen geeilt? Sind es denn noch genügend Leute?

Na, das will ich aber schwer hoffen, dass sie auch zu mir kommen. Aber im Ernst: Die Landstuhler Stützpunktwehr ist ausgezeichnet aufgestellt. Mehr als 70 Leute stark, vorzüglich ausgerüstet. Hier funktioniert es sehr gut, und das gilt für die gesamte Wehr der Verbandsgemeinde Landstuhl. Erlauben Sie mir, ein bisschen stolz auf diese Feuerwehr zu sein: Ich durfte sie, bis ins Jahr 2002, 15 Jahre lang als Wehrleiter anführen. Dann sind Sie zum Kreisfeuerwehrinspekteur des Landkreises bestellt worden. Wie ist es denn um die Wehren im Kreis bestellt? Was für Landstuhl gilt, das gilt uneingeschränkt auch für die anderen Verbandsgemeinden. Wir sind voll einsatzfähig. Und wünschen uns, dass das auch noch lange so bleibt. Klar, auch uns drücken Sorgen. Im Land geht die Zahl derer, die sich für die Belange der Allgemeinheit engagieren, rapide zurück. Das betrifft auch und vor allem die Feuerwehr. In 15 Jahren ist die Zahl der Freiwilligen um über 20 Prozent gesunken. Klingt nicht gut. Klingt alarmierend. Auf Landkreisebene ist unsere Einsatzstärke zum Glück stabil geblieben. Aber das ist kein Grund, sich beruhigt zurückzulehnen. Wir müssen unbedingt etwas tun, um die Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Das geht sonst nicht mehr lange gut. Es gibt in Rheinland-Pfalz nur gut 2000 hauptamtliche Wehrleute. Dagegen sind es 51.000 Ehrenamtliche, die mehr als 90 Prozent der Fläche im Land versorgen. Die müssen wir stärken. Die Zahl aber geht zurück: Es gibt mittlerweile im Land zunehmend Löscheinheiten, die können die Fahrzeuge nicht mehr adäquat besetzen. Eine solche Entwicklung droht uns übrigens auch – und zwar beim Gefahrstoffzug. Der gehört zum Katastrophenschutz, für dessen Belange nicht die Verbandsgemeinden verantwortlich zeichnen, sondern der Kreis. Dass es da immer enger wird, hängt aber nicht an mangelndem Interesse. Da macht uns nämlich ein ganz anderes Problem zu schaffen. Das nicht hier vor Ort zu suchen ist? Genau. Das Problem liegt in Mainz beziehungsweise Koblenz. Die Ausbildungskapazitäten an der Landesfeuerwehrschule reichen seit Jahren schon bei Weitem nicht mehr aus. Die Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule Rheinland-Pfalz leistet zentral alle Weiterbildungsmaßnahmen, die wir auf unserer Ebene nicht leisten können. Und da gibt es Engpässe, die sind frappierend. Ein Beispiel: Wir haben für drei Lehrgänge im sogenannten ABC-Einsatz beziehungsweise ABC-Dekontamination insgesamt 53 Interessenten angemeldet. Und wie viele Plätze kriegen wir zugeteilt? Gerade mal vier. Das muss man sich vorstellen. Wer im Gefahrstoffzug mitwirkt, braucht diese Lehrgänge unbedingt. Elf Wehrleute aus dem Kreis wollen beim Lehrgang für Personal der Funkeinsatzzentrale mitmachen. Kein einziger darf nach Koblenz fahren. Kein Platz frei für uns. Wir haben für 2018 aus unserem Landkreis 69 Plätze für katastrophenschutz-relevante Lehrgänge beantragt, aber nur sechs erhalten. Das sind gerade mal 8,7 Prozent. 195 Lehrgangsnachfragen für kommendes Jahr gibt es von unserer Seite. Nur 19 sind uns genehmigt worden. Es fehlt an Ausbildern, das Problem ist längst bekannt ... Die Lösung aber liegt nicht in Ihrem Einflussbereich, das muss das Innenministerium in den Griff kriegen, oder? Das kann ich aus meiner Warte heraus nicht näher kommentieren. Sie können aber verraten, wie Ihrer Ansicht nach der Personalnot bei der Feuerwehr abzuhelfen ist. Wie gesagt: Bei uns läuft es noch recht gut. Wir stützen und fördern – das ist ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit – unsere Jugendfeuerwehren. Da machen im Landkreis über 190 Jungs und nicht weniger als 60 Mädchen mit. Rund 250 Mitglieder – das ist stark und seit Jahren recht stabil. Pro Jahr beschert uns das gut 50 neue Kräfte, die mit 16 in den aktiven Dienst aufrücken. Sie befürworten auch eine Rente für Feuerwehrangehörige. Das tue ich mit Nachdruck. Die Idee ist sogar schon weiter gereift: Ich bin zufällig auf eine Petition gestoßen, die das thematisiert. Ich habe gleich all meine Kollegen auf diese „Petition 73293“ aufmerksam gemacht. Dieser Vorstoß auf Bundesebene sieht die Einführung einer kleinen Zusatzrente für Feuerwehrangehörige vor. Mir schwebt da eine Größenordnung von jeweils zehn Euro pro fünf Jahre aktiver und pflichttreuer Diensterfüllung in einer Feuerwehr vor. Wer 45 Jahre lang dabei war, käme auf 90 Euro Rente monatlich, wenn er oder sie die Altersgrenze erreicht. Das müsste machbar, müsste – aus einem eigens eingerichteten Fonds – finanzierbar sein. Wäre eine tolle Sache. Nicht die Welt. Genau. Aber ein wichtiges Zeichen, ein kleines Dankeschön. Wir kommen nicht mehr umhin, Anreize zu schaffen. Dazu gehört etwa auch, ein – kleines – Einsatz- und Übungsgeld zu zahlen. Oder bei Jubiläen wie 25, 35 und 45 Jahren Zugehörigkeit neben obligatorischer Urkunde und Ehrenzeichen ein Geldgeschenk zu überreichen. Ein weiterer Gedanke: Die Kommunen sollten darauf achten, bei der Stellenbesetzung unter Bewerbern gleicher Qualifikation und Eignung bevorzugt Feuerwehr-Einsatzkräfte einzustellen. Stichwort Ehrenamtskarte ... Die sollte auch Feuerwehrleuten uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Ich habe mich vor einem Jahr schon drum bemüht, dass Hürden abgebaut werden. Da müssten die Voraussetzungen aber neu definiert werden, was die Kriterien Stundenzahl und Aufwandsentschädigung betrifft. Die Entwicklung gilt es abzuwarten. | Interview: Christian Hamm

Hans Weber
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