Fußball
Das erfahrene Trio vom Fröhnerhof
Vor einem Monat wurde das Trainerteam der U21 des 1. FC Kaiserslautern verstärkt. Chef-Trainer Alexander Bugera, der ehemalige FCK-Profi, ist geblieben. Er wird weiterhin unterstützt von Co-Trainer Nicola Karl (28). Aber zwei sind neu beziehungsweise wieder zurück auf dem Fröhnerhof: Athletikcoach Oliver Schäfer und Torwarttrainer Andreas Clauß sind vom Profiteam zur Oberligamannschaft gestoßen, die damit jede Menge Erfahrung dazugewonnen hat.
Seit fast 20 Jahren kennen sich Bugera, Schäfer und Clauß, sind sich in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder begegnet, als Spieler auf dem Platz, als Spieler und Trainer, Trainer und Co-Trainer. Als Alexander Bugera noch auf dem Betzenberg kickte, war Oliver Schäfer sein Athletiktrainer. Als Schäfer Co-Trainer der U21 unter Alois Schwarz war, war Clauß Torwarttrainer auf dem Fröhnerhof. Zwischenzeitlich coachte Schäfer die U19 und war auch mal weg vom Verein. „Wir kennen uns schon lang“, sagt der Athletikcoach.
Was ihn und seine zwei Kameraden noch verbindet: „Wir sind aus einem ziemlich gleichen Holz geschnitzt. Wir verstehen uns manchmal, ohne viel zu sprechen. Weil wir schon lange im Geschäft sind und viel Ähnliches miteinander erlebt haben und von vielen Erfahrungen zehren können. Die Kommunikation untereinander ist einfach.“ „Wir haben ähnliche Ansichten in allem“, ergänzt Clauß.
„Mentalität schlägt Talent“
Verändert hat sich trotzdem so manches im Laufe der Zeit. „Der Fußball ist von Jahr zu Jahr schneller geworden. Aber es kommt trotzdem darauf an, Zweikämpfe anzunehmen, im Eins gegen Eins besser zu sein als der Gegenspieler, Siegeswillen zu haben, mental stark zu sein“, sagt Bugera. Trotzdem habe sich eines gravierend geändert: „Die Spieler sind anders. TikTok, Influencertum, das wird heutzutage alles gehypt. Da müssen die Jungs auch mitgehen. Es gibt Spieler bei uns, die haben 200.000 Follower. Man nimmt wahr, dass sie anders sind. Mir fehlt manchmal diese Gier“, erklärt er nachdenklich. „Die Generation mit Oli (Oliver Schäfer; Anm. d. Red.) war noch ganz extrem, dieses Leidenschaftliche, diese Gier, in jedem Training abzuliefern. Teilweise warst Du nicht der bessere Fußballer, aber Du hast andere Mentalität gehabt. Mentalität schlägt Talent. Und heutzutage gibt es diese Spielertypen nicht mehr wie Effenberg oder Basler.“ Auch zu seiner Zeit als Spieler sei diese Giftigkeit noch dagewesen, sagt Ex-Profi Bugera. Auch da habe es noch diese Typen gegeben, aber es seien im Laufe der Jahre immer weniger geworden.
Alles auf dem Platz lassen
Die Verbindung zum Verein sei aber auch bei der jungen Generation da. „Letztes Jahr, wenn wir hoch sind zum Stadion, waren viele Spieler dabei, hatten Bock drauf, auch wenn sie frei hatten. Und es kommen ja auch viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs.“ Und genau mit dieser Verbindung zum eigenen Verein kann das erfahrene Trio sie packen. „Wir haben selbst gespielt auf dem Betzenberg. Wir wissen, was zählt, wenn Du da oben aufläufst: Dass Dir, wenn Du über Leidenschaft und Mentalität gehst, alles auf dem Platz lässt, die Zuschauer auch einiges verzeihen. Das will ich auch von meinen Jungs sehen, dass sie alles geben. Wenn Du das siehst und bekommst und dann ein Spiel verlierst, ist es okay“, erklärt der ehemalige Profi und U21-Cheftrainer Bugera. Der andererseits auch kein Verständnis dafür hat, wenn er eine Mannschaft sieht, die „einfach nur ein bisschen Fußball spielen will und der es egal ist, ob sie verliert“.
Oliver Schäfer kennen die Jungs nicht mehr aus seiner erfolgreichen Fußballzeit im Trikot der Roten Teufel. „Da kann man ihnen auch nicht böse sein. Sie sind jünger als meine älteren Kinder. Sie haben sich mit den Spielern aus ihrer Zeit beschäftigt. Alles andere ist Geschichte“, lenkt der Athletikcoach ein. Er streitet aber nicht ab, dass Mentalität bei ihm und insgesamt im Trio eine große Rolle spielte: „Ich denke, wir sind alles drei so weit gekommen, weil wir in unserer Art so waren und deswegen so gut zum FCK gepasst haben.“ Diese Art, wie er es nennt, könne er auch heute nicht abschalten, „egal ob ich auf dem Platz stehe, ob ich Traditionsmannschaft spiele, privat Rad fahre, mit den Jungs ins Gym gehe und was arbeite.“ So sei es auch bei seinen zwei Kollegen. „Wir sind alle über die Schiene gekommen, und diese Einstellung versuchen wir auch weiterzugeben.“
Die Jungs zu begeistern, mitzunehmen, mit ihnen zu kommunizieren, darin liege der Schlüssel, so Schäfer. Viel verändert hat sich für die zwei Rückkehrer auf dem Fröhnerhof nicht, was ihre Arbeit betrifft. „Ich habe weiterhin meine zwei Torhüter hier, habe Kontakt zum Torwartkoordinator Dennis Rudel. Ich habe gute Platzverhältnisse. Wir stimmen uns vorher ab. Es ist derselbe Rhythmus, es ist nur eine Generation jünger. Aber sie sind wissbegierig“, sagt Torwarttrainer Andreas Clauß.
Handyverbot beim Training
Beim Training auf dem Fröhnerhof herrscht Handyverbot. Eine halbe Stunde vorher sollen alle da sein, dann wird das Telefon ausgeschaltet. Mit dem Kader ist Bugera inzwischen sehr zufrieden. 20 Mann stehen jetzt auf der Liste. „Das einzige Problem ist, dass es eine komplett neue Mannschaft ist.“ Früher habe er viele Spieler noch von der U19 gekannt. Nach 15 Abgängen in der vergangenen Saison, die meisten davon sind in die Regionalliga gewechselt, müssten sich die Neuen erst mal aneinander, ans System und ans Zusammenspielen gewöhnen. Zwei neue Stürmer stehen parat. Jannik Mause (27) verstärke aktuell die U21. Jean Zimmer (31), der von den Profis dazustieß und ebenfalls Erfahrung vermitteln soll, kennt Bugera noch aus der Zeit, als er selbst aktiver Spieler der U23 war. „Da ist Jean damals von der Jugend rausgekommen.“
Zum Saisonauftakt am Sonntag, 14 Uhr, auf Platz vier am Betzenberg kommt der VfR Wormatia Worms. „Die haben sich gut verstärkt. Ich halte viel von ihrem neuen Trainer (Anouar Ddaou), der in Gonsenheim gute Arbeit gemacht und eine gute Truppe zusammengestellt hat. Das wird ein interessantes Spiel. Ich denke, dass Worms in der Liga mit vorne dabei sein wird“, prophezeit Bugera.
Auf das Thema Aufstieg angesprochen, kommt er wieder durch, dieser Siegeswille, der die Generation Schäfer, Bugera, Clauß vereint. Der Cheftrainer formuliert es so: „Wenn Du letztes Jahr Zweiter geworden bist, dann möchtest Du natürlich das Jahr drauf schon das Ziel haben aufzusteigen. Aber wir sind eine U21, haben nicht einfach den Kader verstärkt, den wir letztes Jahr hatten und mit dem wir eine Riesensaison gespielt haben, sondern wir sind eine komplett neue Mannschaft.“
Kader
1. FC Kaiserslautern II
Zugänge: Maksym Bochan, Owen Gibs, Matteo Heinz, Enis Kamga, Erik Müller, Newton Tamakloe, Luca Tauer, Tyrese Zeigler (alle eigene A-Jugend), Jean Zimmer, Hendrick Zuck (beide aus der Lizenzmannschaft), Vladislav Fadeev (Eintracht Hohkeppel), Chinedu Chukwukelu (1. FC Köln U19), Felix Geisler (SW Essen), Jannis Heede (SGV Freiberg U19), Ozan Hot (RW Oberhausen), Kenny Oelbaum (Bonner SC U19), Ivan Smiljanic (Wormatia Worms), Aaron Tshimuanga (Eintracht Braunschweig U23), Melvin Wiesnet (Hamburger SV II)
Geblieben sind: Shawn Blum, Neal Gibs, Louis Kessler, Lucas Leibrock, Drini Miftari, Ben Rheinheimer, David Schramm