Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Das Duo We Mavericks begeistert im Salon Schmitt

Machten auf ihrer ersten Europatour in Kaiserslautern Station: We Mavericks.
Machten auf ihrer ersten Europatour in Kaiserslautern Station: We Mavericks.

Ein musikalischer Genussabend erster Klasse war das am Mittwoch im Lauterer Kulturclub Salon Schmitt. Das Wild-Folk-Duo We Mavericks (Australien/Neuseeland) begeisterte mit kurzweiligen Arrangements und punktgenauem musikalischem Können.

Der Salon ist sehr gut besucht an diesem Abend beim Gastspiel des Singer-Songwriter-Duos Lindsay Martin und Victoria Vigenser, das seit 2018 gemeinsam Musik macht – nach einem zufälligen Festival-Treff. Zu Beginn musste Martin erst Vigenser, die bis dato nur irische Bodhrán-Trommel spielte, überzeugen, dass ihre Stimme und ihre Texte ein eigenes Bandprojekt tragen. Seither widmet sich die Neuseeländerin vermehrt der Gitarrenkunst zur Beflügelung des Songschreibens. Der bewusst reduzierte Technikeinsatz bringt live nun den stimmigen Harmoniegesang zum Glänzen und sorgt dank perfekter instrumentaler Abstimmung zwischen Gitarre und Mandoline oder Geige für einen Wohlfühlstrudel im Gehörgang.

Das Duo startet furios. Zweistimmiger Gesang mit wechselnden Leadstimmen, die Geige bringt einen zweiten Rhythmus. Das Ganze in ein raffiniertes Arrangement verpackt: „Lonesome“ ist ein Lied über die Bedeutung von Freundschaft und allein schon mit dieser Präsentation haben die beiden im Sturm neue Herzen erobert.

Ergänzen sich perfekt: Lindsay Martin und Victoria Vigenser.
Ergänzen sich perfekt: Lindsay Martin und Victoria Vigenser.

Der erste Song, den sie gemeinsam getextet und bis heute nicht verändert haben, ist „Graveyard“. Der Duettgesang hier ist zum Hineinlegen schön. Die Stimmen sind so eng verwoben wie ein Spinnennetz, exakt angelegt, fein ersonnen und gleichzeitig mit hoher Flexibilität. Ein Markenzeichen des Duos, das sich auf wunderbare Weise durch den ganzen Abend zieht. Herrlich!

Die Songs und die Ansagen bringen Geschichten ans Tageslicht; ein weiteres Markenzeichen des Duos. Mal singen sie eine nachdenkliche Ballade über verheerende Buschfeuer und Menschen, die einen Mavericks-Song auf sich projizieren, um Trost zu finden. Das flüssig gespielte Solo auf der Mandoline geht dabei runter wie Öl. „Paper Darts“ sinniert über Leute, die nur nerven und die man irgendwann am besten einfach ignoriert. Das Ganze intoniert mit einer filigran und leichtfüßig gespielten Geige. Ein neuer Song handelt von einer anstrengenden Kindheit, aus der man aber eine besondere Stärke für die eigene Persönlichkeitsentwicklung ziehen kann („Carefree“). Hier ergänzt sich die weiche Stimmfarbe von Lindsay Martin unglaublich passgenau mit dem etwas rau und kantig gehalten Ausdruck der Gesangsdynamik von Victoria Vigenser. Einfach nur wow!

Das Publikum im Salon Schmitt lauscht andächtig.
Das Publikum im Salon Schmitt lauscht andächtig.

Instrumental überzeugen die beiden mit einer warm und voluminös klingenden Akustikgitarre Vigensers, die Harmoniefolgen und abwechslungsreichen Rhythmusteppich vorlegt und der perfekten Garnierkünste durch Melodielinien von Mandoline oder Geige (Martin). Alles mit großem Spielgefühl präsentiert. Da gibt es auch mal ein Pizzicato der Geige oder eine perkussive Führung des Geigenbogens, was die Arrangements in ihrer Vielschichtigkeit krönt. Ausgeprägte Dynamik, rhythmisch betonte Zwischenteile, wohlgesetzte solistische Ausflüge, wandlungsfähige Solostimme und Harmoniegesang: So herrscht keine Sekunde Langeweile in diesem außergewöhnlichen Konzert.

Und Victoria Vigenser setzt noch einen drauf: In „Nottamun“ überrascht sie durch melodramatischen Gesang mit angezogener Handbremse und zarten Vibratophrasierungen bei glockenheller Stimme. Ansteckende Begeisterung im Club!

Es folgt eine aggressiv angelegte Akkordfolge und leicht bluesige Elemente der Mandoline zum Thema familiäre Gewalt („Broke Her“). Dass man nicht nur den Goldstatus als Ziel haben sollte und sich unbedingt auch an dem zweiten Platz erfreuen muss, soll der namengebende Song des neuen Albums vermitteln; „Heart of Silver“. Der kommt mit Fingerpicking und eng angelegtem Stimmsatz sowie silbrig schimmernden Melodieläufe der Mandoline daher.

Erzählen gern Geschichten: das auf akustische Instrumente setzende WIld-Folk-Duo aus Australien und Neuseeland.
Erzählen gern Geschichten: das auf akustische Instrumente setzende WIld-Folk-Duo aus Australien und Neuseeland.

Die Zugabe wird frenetisch eingefordert und das traditionelle „House of the Rising Sun“ schlängelt sich mit charmantem Geigenspiel durch die Reihen des textsicheren Club-Chors und endet in rasantem Tempo irisch anmutender, temporeicher Melodielinien mit ordentlich Dampf auf dem Kessel. Dafür gibt es Beifall im Stehen. Das Duo kommentiert abgeklärt und gleichzeitig gerührt mit: „It's a lovely house concert, thank you!“ Man will sie gar nicht mehr vom Bühnenteppich lassen und das Duo muss noch Song rausrücken, bei dem die temporeiche Gitarrenbegleitung den herannahenden Zug erahnen lässt, der sie zur nächsten Location ihrer ersten Europa-Tour bringt.

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