Interview
Comedian Alfons über seinen Auftritt in Kaiserslauterns Kulturzentrum Kammgarn
Alfons, der Franzose mit dem Puschelmikrofon und der orangefarbenen Sportweste, gastiert mit seinem neuesten Programm „Alfons – Jetzt noch deutscherer“ am Dienstag, 30. April, 20 Uhr, in der Kammgarn. Kein Wunder, nahm der Kabarettist, mit bürgerlichem Namen Emmanuel Peterfalvi, 2017 doch neben der französischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft an. Die RHEINPFALZ hat sich mit ihm unterhalten.
Monsieur Peterfalvi, was erwartet die Besucher bei Ihrem Auftritt am 30. April in der Kammgarn?
Monsieur Peterfalvi ist an diesem Abend wahrscheinlich nicht da. Alfons macht dann die ganze Arbeit. Was also erwartet die Besucher? Ein Kabaretttheaterabend, der mir ganz besonders am Herzen liegt. Ich habe mein neues Programm „Alfons – Jetzt noch deutscherer“ im Gepäck und ich freue mich darauf, es den Kaiserlautisten – den Leuten aus Kaiserslautern präsentieren zu dürfen. Seit Kurzem bin ich ja nun Deutscher. Und es geht in dem Programm um meine Einbürgerung und meine jahrelange Liebesaffäre mit Deutschland. Wie Sie bereits wissen, haben wir uns am Ende das Ja-Wort gegeben. Aber es geht auch um uns Menschen, um Europa und darum, was unser Vizekanzler und Finanzminister mit einem Brand in meiner Küche zu tun hat.
Mit Ihrer Kunstfigur des Alfons mit Trainingsjacke und „fransösiiischem“ Akzent verkörpern Sie ja den Klischee-Franzosen. Was bezwecken Sie damit?
Isch ’abe einee Aksent? Aber Schmerz beiseite. Der französische Akzent ist mir in die Wiege gelegt worden. Von wem, weiß ich nicht mehr. Die Trainingsjacke hat mich gefunden. Als ich sie in einem Hamburger Kostümfundus gefunden habe, war Alfons geboren. Und er hat die ganzen Eigenschaften, die ihn auszeichnen, gleich mitgebracht. Ja, er ist Franzose, aber er ist auch ein kleiner Außerirdischer, der von außen auf uns und auf die Welt gucken kann und der deshalb alles auf seine ganz eigene Weise kommentieren darf.
Worin liegen die Hauptunterschiede zwischen Franzosen und Deutschen?
Wir stehen uns häufig näher, als wir denken. Es gibt schon einen Grund, warum die deutsch-französische Freundschaft häufiger erwähnt wird als zum Beispiel die deutsch-papa-neu-guianische Freundschaft. Aber es gibt natürlich einige Unterschiede. Zum Beispiel beim Protestieren: In Deutschland, wenn man überhaupt protestiert, dann braucht man einen Grund. In Frankreich, man geht auf die Straße. Der Grund findet sich dann schon. Ihr seht das mit den Gelbwesten. Niemand weiß mehr genau, wofür oder wogegen die protestieren. Aber jeden Samstag wird protestiert. In Deutschland undenkbar. Ich habe sogar vor kurzem mitbekommen: In Deutschland muss man eine Demo erst mal anmelden. Wie macht Ihr das? „Guten Tag, ich möchte bitte nächsten Dienstag um 11 Uhr sehr wütend und aufgebracht sein!“ Und der Beamte: „Kein Problem. Dafür haben wir ein Formular.“
Seit 1981 leben Sie in Hamburg. Was hält Sie so lange schon in dieser Stadt?
Es ist eine schöne Stadt. Und es stimmt übrigens nicht, dass es in Hamburg immer nur regnet. Manchmal hagelt es auch. Aber so schön die Stadt auch ist, ich freue mich auch immer auf Tournee zu gehen – gerade wenn mich die nach Kaiserslautern führt. Ich mag es, durch Ihre Stadt zu schlendern und mich überraschen zu lassen, wenn ich um die Ecke komme, ah, guck mal, noch ein Brunnen, den ich noch nicht kenne. Blöd ist nur, dass ich schon am 30. April in Kaiserslautern bin – viel zu früh für die Maikerwe.
Was haben sie an den Deutschen schätzen gelernt? Was nervt Sie?
Ich glaube, die Welt da draußen hat ein ziemlich einseitiges Bild von den Deutschen: Der Deutsche ist ordentlich und diszipliniert, füllt gerne Formulare aus und macht in seiner Freizeit Sudokus. Gut, vielleicht gibt es da einen wahren Kern, und das ist ja auch nicht das Verkehrteste. Ich glaube, ich weiß auch, warum die Deutschen so gerne Sudokus machen: Es ist ein bisschen wie Formulare ausfüllen. Aber vor allem hat der Deutsche ein großes Herz. Das stelle ich immer wieder fest, wenn ich mit den Leuten rede. Viele spüren, dass wir in merkwürdigen Zeiten leben, dass Zeichen sich häufen, dass wir sehr aufpassen müssen. Dass wir uns erinnern müssen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir in Europa in Frieden leben. Das ist sogar in unserer Geschichte ziemlich neu und untypisch. Aber was wollen wir für unsere Kinder und Enkelkinder? Dass wir weiterhin in Frieden leben! Oder? Das dürfen wir nicht vergessen. Auch darum, geht es in „Alfons – Jetzt noch deutscherer“.
Nun sind sie noch „deutscherer“ geworden, wie Sie sagen. Haben Sie schon einen Bausparvertrag abgeschlossen und einen Schrebergarten angelegt?
Das ist eine Fangfrage! Als Deutscher weiß ich jetzt die richtige Antwort: Ich habe einen Bausparvertrag für meinen Schrebergarten angelegt. Wissen Sie, als ich eingebürgert wurde, waren die meisten anderen, die sich haben einbürgern lassen, nicht aus der Türkei oder Afghanistan, sondern aus einem anderen Krisengebiet, wo gerade richtig Chaos herrscht – aus Großbritannien. Die flüchten gerade alle schnell vor dem Brexit. Ich selbst bin ja nun schon sehr lange in Deutschland. Und trotzdem probiere ich immer wieder neue Dinge aus. Zum Beispiel an einer roten Ampel stehen bleiben, auch wenn kilometerweit kein Auto zu sehen ist. In Frankreich macht das niemand. In Frankreich rote Ampel ist eher ein Vorschlag.
Leben nun eine französische und eine deutsche Seele in ihrer Brust?
Definitiv ja. Als ich meinen Freunden erzählt habe, dass ich die doppelte Staatsbürgerschaft annehmen will, haben die gesagt, das geht nicht. Das ist ein Widerspruch in sich. Der Deutsche ist fleißig und pünktlich, und der Franzose ist normal. Aber es geht. Ich bin eben beides: Baguette und Dampfnudel, Saumagen und Froschschenkel.
Sie sind ja auch ein begnadeter Geschichtenerzähler. Dürfen sich die Besucher wieder auf so berührende Überraschungen wie bei Ihren letzten Auftritten in der Kammgarn freuen?
Auf jeden Fall. „Alfons – Jetzt noch deutscherer“ ist nicht nur die Geschichte meiner Einbürgerung. Das geht viel weiter. Da wird es viel zu lachen geben, aber auch viel für's Herz und zum Nachdenken. Ein Programm, das viele überraschen wird. Außerdem wird es um ein Geheimnis gehen, dessen Lösung ich jahrelang gesucht habe. Vor allem aber: alles ohne Werbeunterbrechung. Ohne Casting-Show. Richtiges, echtes Theater eben.
Ich danke fürs Gespräch.
Karten...
... im Vorverkauf bei Thalia, Pop Shop, Soundcheck und an der Abendkasse.