Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Christina Lux verzaubert die Menschen in der Kaiserslauterer Kammgarn

Christina Lux
Christina Lux

Wenn wir eines gerade mehr als alles andere brauchen, dann sind es „Lichtblicke“. Zum Glück hat die deutsche Musikerin Christina Lux genau diese in musikalischer Form eingefangen und auf ein neues Album gepackt – ihr zehntes. Und das präsentierte sie zusammen mit Wegbegleiter Oliver George am Donnerstag vor einem - leider - dürftig besetzten Cotton Club.

Am liebsten hätte man sich an die Straße vor der Kammgarn gestellt und gerufen: „Kommt alle in den Cotton Club! Da läuft gerade ein cooles Livekonzert!“ Denn beim Hineingehen eröffnete sich ein trauriger Anblick: Der Club war nahezu leer. „Schön, dass ihr da seid“, begrüßte Lux diejenigen, die sich nicht haben abschrecken lassen.

Lux und George starteten ihr Duett mit dem beflügelnden „Stell dir vor“. Und da war sie, Lux’ warme und intensiv rührende Stimme, die mal wie ein Feuer durch die Songs brodelt und sich dann wie ein warmer Regen über die Ohren ergießt. Sie beobachtet die Welt mit ihrem ganz eigenen philosophischen Blick und umhüllt das, was sie sieht, mit Poesie und endlos zum Träumen aber auch zum Nachdenken animierenden Melodien.

Ein Lied für syrische Flüchtlinge

„Wie tief“ ist für eine syrische Flüchtlingsfamilie auf Lesbos geschrieben. „Was es wirklich bedeutet, ohne Heimat zu sein, das können, glaube ich, nur die wenigsten von uns nachvollziehen“, erinnert die Musikerin. Traurigerweise passt der Inhalt nun auch für ganz viele ukrainische Flüchtlingsfamilien. Und noch immer kann man es nicht nachvollziehen. „Ich glaube, es wird verdammt lange brauchen, bis das heilen kann. Ich wünschte, ich wäre eine Zauberin, die eine große Schutzhülle um diesen ganzen Krempel bauen. Kann ich leider nicht. Und ich habe auch nicht die Antworten, die ich gerne hätte.“

Doch eines weiß sie: Wie wertvoll Freiheit ist. Vor allem für diejenigen, die sie nicht haben. Und so schürfte „Wie tief“ wieder die Wunden auf, die einem die Bilder aus den Nachrichten immer wieder bescheren. Doch sie ließ die Wunden nicht offen zurück. Sie holte die Zuhörer immer wieder aus der Tristesse des Lebens heraus und ließ sie für einige kurze Momente auf und davon fliegen. Zum Beispiel mit dem einen Song, dessen Worte ihr eines Morgens nach dem Aufwachen im Kopf herumschwirrten. „Meine Decke ist schwer/doch wenn's nicht so wär’/würd’ ich in die Nacht hinausfliegen/und mit dem Mond einen saufen gehen.“ Es waren diese leichten Momente, mit denen sie die schweren Fragen ihrer Songs ausbalancierte: Was wollen wir? Wohin gehen wir? Wie kann unsere oft geschundene Seele geheilt werden? Und „Was zählt für Dich?“

Kultur erhalten heißt das Motto

Letztere Frage ist auch gleichzeitig ein Song, der wie kein anderer auf dem neuen Album die Tragödie der heutigen Zeit einfängt. „Ich hör’ Dich von armen Schweinen reden/Statt von Menschenleben und ich frag„ mich Was Mensch für Dich ist/Laberst von Kultur erhalten/Und von denen, die sie spalten/Und siehst den Keil in den eigenen Händen nicht.“ Dafür, dass zumindest die Kammgarn-Gäste an diesem Abend, die ,,Kultur erhalten“ haben, waren Lux und George sehr dankbar. „Ihr bekommt auf jeden Fall die ganz offizielle Auszeichnung des wunderbaren Künstlerartenschützers“, verkündete die Sängerin. „Das ist sehr sehr schön. Und ich hoffe, ihr bleibt dran.“ Und vor allem hofften alle, dass sich bei ihrem nächsten Konzert noch mehr „Schützer“ anschließen. Umso wertvoller wirkte das letzte Lied im Set, „Sing Laut“.

Christina Lux als Lichtgestalt

Die bewährten Luxlauscher und -lauscherinnen haben sich an diesem Abend tatsächlich als wahre „Künstlerartenschützer“ erwiesen und haben der Karlsruherin die Treue gehalten. Und auch wenn es wenige Menschen an diesem Abend waren, hatte es auch etwas Schönes. Lux mag zwar keine Zauberin im eigentlichen Sinne sein, doch ihre Musik verzauberte direkter als es vermutlich sonst der Fall gewesen wäre.

Ihre Songs nahmen einen gefangen, umarmten mit eindringlichen Versen und ließen immer wieder kleine Lichtschimmer vor den Augen vorbeiziehen. Ätherisch schön, feinsinnig und fordernd zugleich und unendlich beeindruckend wurde Christina Lux an diesem Abend wirklich zur Lichtgestalt zwischen all der Angst und dem Elend in der heutigen Welt.

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