Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Bisher vier Corona-Fälle bei Beamten des Polizeipräsidiums

Gut gerüstet: Sollte es zu einem Wohnungseinsatz kommen, bei dem mit einem Kontakt zu Corona-Infizierten gerechnet wird, gibt es
Gut gerüstet: Sollte es zu einem Wohnungseinsatz kommen, bei dem mit einem Kontakt zu Corona-Infizierten gerechnet wird, gibt es im Kofferraum der Streifenwagen Ganzkörper-Schutzanzüge, die vor dem Einsatz anzuziehen sind.

„Es ist nichts Neues für uns, mit möglicherweise infizierten Menschen umzugehen“, sagt Polizeivizepräsident Heiner Schmolzi mit Blick auf das Coronavirus und dessen Auswirkungen auf die täglich Polizeiarbeit. Seit März wurden bereits Polizisten gezielt angehustet und bespuckt.

Schon immer müssten die Beamten in begründeten Fällen, wenn davon auszugehen ist, dass jemand eine ansteckende Krankheit hat, sich bei Einsätzen entsprechend ausrüsten, erläutert der Leiter der Abteilung Polizeieinsatz: „Jede Streife hat dazu ihre persönliche Schutzausrüstung. Einweghandschuhe, FFP2-Schutzmasken, Schutzbrillen und Ganzkörperanzüge.“ Im März habe man die Corona-Pandemie allerdings zum Anlass genommen, die Bestände an Schutzausrüstung aufzufüllen. Engpässe habe es zu keiner Zeit gegeben, sagt Schmolzi – bis auf die ersten Tage mit Mund-Nasen-Schutz-Pflicht: „In Sachen Alltagsmasken gab’s anfänglich Probleme, mittlerweile sind genügend Masken da.“ Fast 11.000 Masken sind ans Polizeipräsidium Westpfalz ausgeliefert worden, beschafft vom Land und bedruckt mit dem Polizeistern. Auch Polizeibeamte müssen innerhalb der üblichen Regeln die Masken tragen. Denn was für die Bürger gelte, gelte auch für die Polizei – „es sei denn, es muss einmal schnell gehen“. Das Abstandhalten ließe sich naturgemäß ebenfalls nicht immer 100-prozentig einhalten.

Vier erkrankte Polizisten in der Westpfalz

Unterstützung für die Westpfälzer Beamten kam aus Mainz, der Polizeiärztliche Dienst im Polizeipräsidium Einsatz, Logistik und Technik (ELT) habe früh Verhaltensempfehlungen herausgegeben und Verdachtsfälle getestet, zudem habe man sich immer wieder mit dem Gesundheitsamt ausgetauscht. Schmolzi: „Wir hatten vier infizierte Kollegen und mehrere Verdachtsfälle innerhalb des Polizeipräsidiums.“ Doch die erkrankten Polizisten hätten sich allesamt im privaten Umfeld angesteckt – sie waren zuvor im Skiurlaub. Die anfängliche Entwicklung habe den Führungskräften schon Sorge bereitet, erzählt Schmolzi offen: „Da hätten ja ganze Dienststellen ausfallen können, was zum Glück aber nicht passiert ist.“ Vorsorglich habe man die Dienste umorganisiert und in Gruppen aufgeteilt, die sich nicht begegnen und nicht durchmischen. In den Kommissariaten und der Führungszentrale seien die Besprechungen reduziert oder über Telefon- und Videochat geführt worden.

Homeoffice geht auch bei der Polizei

Wie in der übrigen Gesellschaft auch, arbeiten bei der Polizei Menschen aus der Risikogruppe – älter als 60 Jahre oder mit Vorerkrankungen. Schmolzi: „Der ärztliche Dienst hat da verschiedene Parameter festgelegt, ab wann jemand in eine Risikogruppe zählt. Die Mitarbeiter konnten sich dann melden.“ Etliche Beamte und Angestellte seien dann ins Homeoffice geschickt worden, andere hätten in Einzelzimmern weiterarbeiten können. Schmolzi: „Im Wechselschichtdienst lebt die Polizei von der körperlichen Präsenz, die Kollegen müssen vor Ort sein. Während bei der Kriminalpolizei einige Stellen auch von Zuhause aus arbeiten konnten. Der Übergang lief besser, als man das vorher geglaubt hatte.“ Laptops und PCs seien zügig beschafft worden.

Wie der Vizepräsident sagt, sind in den vergangenen Wochen in der Westpfalz gezielt Polizeibeamte angespuckt oder angehustet worden, erkrankt sei niemand. Davon abgesehen erlebten die Beamten im Wechselschichtdienst – „zumindest, was ich so gehört habe“ – eine überwiegend entspannte Stimmung in der Bevölkerung. Die Mehrheit der Menschen habe sich nach Polizeiansprache verständnisvoll verhalten. Mittlerweile seien mehr Erklärungen nötig, als in der Corona-Hochzeit Ende März/Anfang April.

Präventionsangebote starten wieder

Dass in den vergangenen Wochen und Monaten gleich mehrere Kollegen sang- und klanglos in den Ruhestand verabschiedet werden mussten oder befördert wurden, schmerzt Schmolzi: „Das kollegiale Miteinander hat schon ein bisschen gelitten.“ Aber die Abstands- und Versammlungsregelungen gelten auch für die Polizei. Reaktiviert werden soll nun Stück für Stück der wichtige Bereich Prävention, zunächst werden die persönlichen Beratungen im kleinsten Kreis wieder anlaufen. Schmolzi: „Man muss aber klar sagen, dass eine Virus-Pandemie keine Polizeilage ist. Wir haben unterstützt, wo wir konnten, aber hier waren in erster Linie Krankenhäuser und die Ordnungsämter gefragt.“

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