Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Bis zu 60 Stellen bei Pfaff in Gefahr

Seit September ist bei Pfaff Kurzarbeit auf der Tagesordnung.
Seit September ist bei Pfaff Kurzarbeit auf der Tagesordnung.

Seit September 2019 hat der Nähmaschinenhersteller im Industriegebiet Nord Kurzarbeit angemeldet. Dann kam die Corona-Pandemie, die Nachfrage nach Schweißmaschinen für Schutzanzüge stieg, eine Produktionsstraße für Masken wurde aufgebaut. Warum Pfaffianer trotzdem wieder um ihre Jobs bangen müssen.

Bei einer Betriebsversammlung am Mittwoch hat die Geschäftsleitung der Pfaff Industriesysteme und Maschinen GmbH Einschnitte und einen Umstrukturierungsprozess angekündigt. Das hat der Pfaff-Betriebsratsvorsitzende Richard Müller auf RHEINPFALZ-Anfrage bestätigt. „Wir können Kündigungen nicht ausschließen“, sagte er. Es habe erste Gespräche mit der Geschäftsleitung gegeben, verhandelt werde über einen Personalabbau noch nicht. Derzeit arbeiten 200 Mitarbeiter am Standort in der Hans-Geiger-Straße, wo Nähanlagen und Industrienähmaschinen für technische Textilien in Autos, aber auch Schweißmaschinen und Nähroboter für Jeans und Taschen hergestellt werden. Es gibt Befürchtungen, dass bis zu 60 Stellen wegfallen.

Große Nachfrage nach Schweißmaschinen

Laut Müller ist der Markt für Industrienähmaschinen in der Corona-Krise weiter eingebrochen. „Die Schweißmaschinen laufen super, da haben wir eine riesige Nachfrage aus ganz Europa, weil damit Schutzanzüge gefertigt werden.“ Deshalb sei bereits Personal in diese Sparte verschoben worden. „Das Problem ist, dass der Schweißmaschinen-Markt bislang eher klein war, vielleicht zehn Prozent des Gesamtgeschäfts ausgemacht hat. Jetzt sind wir vielleicht bei 25 Prozent, aber das reißt uns nicht raus.“ Ziel der Unternehmensleitung sei es jetzt, verstärkt auf die Produktion von großen Näh-Automatisierungsanlagen für 50.000 bis 100.000 Euro das Stück zu setzen, das Werk dafür umzubauen und den Markt für die kleineren Industrienähmaschinen Dürkopp Adler zu überlassen. Dafür werde weniger Personal gebraucht.

Schutzmasken-Produktion lastet nicht aus

Die Produktion chirurgischer Schutzmasken, auch für den Privatgebrauch, die in der Corona-Krise angelaufen ist, sei ein großer Erfolg. „Wir stellen ganz, ganz hohe Stückzahlen in Serie her, aber die Produktionsstraße ist nicht personalintensiv, sie läuft vollautomatisch.“ Müller zufolge ist die komplette Belegschaft – „außer der Sparte Schweißmaschinen und der Entwicklung“ – weiterhin in Kurzarbeit.

Auch Standort-Frage gestellt

Alexander Ulrich, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, geht davon aus, dass jeder dritte Arbeitsplatz bei Pfaff in Gefahr ist. Bei den Verhandlungen werde die IG Metall darauf drängen, dass es Angebote zum freiwilligen Ausscheiden gibt, beispielsweise über Altersteilzeitregelungen. Pfaff habe eine alte Belegschaft. „Wenn nur Junge gehen müssten, wäre das ungut“, so Ulrich. Er erwarte zudem, dass Kurzarbeit so lange eingesetzt wird, wie es möglich ist, betonte Ulrich. Sorgen macht ihm auch der Standort. Bei der Betriebsversammlung sei gesagt worden, dass der Pachtvertrag für das zu große Werk in zwei Jahren ausläuft. „Und dann gibt es wohl auch keine Sonderkonditionen mehr, sondern es müssen marktübliche Mieten gezahlt werden. Das macht die Sache schwierig. Niemand weiß, wie es mit Pfaff wirklich weitergeht.“

Pfaff war im Jahr 2009 in ein neues Gebäude im IG Nord umgezogen. Im Jahr 2013 war das Unternehmen von der chinesischen Shanggong-Gruppe übernommen worden. Damals mussten 60 Leute gehen. Was den Betriebsratsvorsitzenden noch etwas optimistisch stimmt: „Der chinesische Gesellschafter betont immer wieder, dass er am Standort Kaiserslautern festhalten will.“

Die Pfaff-Geschäftsleitung war am Mittwoch nicht zu erreichen.

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