Kaiserslautern Betze-Geflüster: Zimmer frei

Seinen Lieblingsplatz in Stuttgart hat Jean Zimmer inzwischen gefunden. Es sind die Weinberge ein bisschen außerhalb, mit Blick über die Stadt. Er weiß, wo der Bäcker ist, kennt ein, zwei Lokale, in denen man gut essen kann und fühlt sich recht wohl in der Stadt, die viel ruhiger ist, als er es sich vorgestellt hat. Es war ein großer Schritt für den 23-Jährigen. Weg aus dem beschaulichen Landstuhl, weg von der Familie, von seinem Jugendverein, rein in den Talkessel von Stuttgart, in die Innenstadt, in die neue Wohnung. Dann der Neustart in ganz neuem Umfeld. Mit einem Traum im Gepäck. Den von der Ersten Liga. Doch dann kam alles anders. Der Traum platzte, Jean Zimmer fand sich in der Zweiten Liga wieder, und es wurde turbulent. Im ersten halben Jahr erlebte er drei Trainer und musste erstmal seinen Weg finden. Kontakt fand er schnell. „Ein zwei Spieler kannte ich schon als Gegenspieler aus der Zweiten Liga. Aber für die war ich eher ein unangenehmer Gegner.“ Doch es fiel ihm leicht, Anschluss zu finden. „Ich bin ja sehr offen und der deutschen Sprache mächtig“, sagt er spitzbübisch. Der Schritt nach Stuttgart hat ihn sportlich weitergebracht, findet der quirlige Abwehrspieler und erklärt: „In dem halben Jahr habe ich viel mehr dazugelernt. Hier wird mit hoher Qualität trainiert, der VfB hat ein sehr, sehr schnelles Spiel, und ich habe gelernt, mit und ohne Ball noch schneller zu handeln als vorher.“ Dass er seine geschärften Waffen, wenn er denn ran darf, gegen seinen alten Verein einsetzen muss, versucht er auszublenden. Auch wenn viele seiner Freunde FCK-Fans sind, im Fanblock der Roten Teufel stehen und nicht begeistert sein werden, wenn er ein Tor für die Roten Teufel verhindern sollte. Dass sein ehemaliger Verein gerade recht unruhiges Fahrwasser durchquert, lässt Jean Zimmer nicht zu nah an sich ran. „Ich versuche, so wenig wie möglich darüber zu lesen. Natürlich drücke ich dem Verein die Daumen, dass Ruhe einkehrt“, sagt der 23-Jährige. „Dass es sportlich klappen kann, hat die Mannschaft ja bewiesen“, erklärt er und bringt dann doch ein Geständnis über die Lippen: „Ich drücke dem FCK 32 Spiele im Jahr die Daumen.“ Seine Freunde aus dem Fanblock haben ihm den Wechsel nicht übelgenommen. „Die Freundschaften sind eher noch enger geworden durch die Entfernung. Für sie ist es egal, für welchen Verein ich spiele.“ Wer am Sonntag sein Trikot bekommt, weiß er noch nicht. „Ich denke, da werden noch Anfragen kommen, und ich werde mir was überlegen müssen“, sagt er verschmitzt. Zimmer freut sich auf das Spiel, auf seinen Vater und seine Schwester aus Freiburg, die ihn in Stuttgart besuchen, und die vielen anderen Menschen, für die er Karten besorgt hat und die im Stadion sein werden, um ihn zu sehen. Auch wenn er sie und seinen alten Verein 90 Minuten ausblenden und alles dafür tun wird, dass sein neuer Arbeitgeber am Ende feiern kann. Dass sie schon tippen werden, wie das Spiel ausgeht, davon geht er aus. „Ich halte mich da eher zurück“, sagt Jean Zimmer, denkt kurz nach und gibt dann doch einen Tipp ab: „2:0 für uns.“