Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Betze-Geflüster: Ausflug ins Wohnzimmer

Maria Huber
Maria Huber

Jean Zimmer erlebte einen Gänsehautmoment – Der FCK ist in seinem Herzen, die Spiele verfolgt er im Fernsehen.

Schlusspfiff. 5:2 für Düsseldorf, Lauterns Pokaltraum ist geplatzt. Jean Zimmer trottet Richtung Kabine und weiß gerade nicht, was er denken soll. Vor ein paar Minuten hat er sich noch gefreut, dass seine Mannschaft, Fortuna Düsseldorf, eine Runde weiter ist im Pokal. Er hat verdrängt, dass er sich wieder mal nur aufwärmen durfte und schnell klar war, dass er nach den zwei schnellen Wechseln seines neuen Trainers wohl nicht der dritte sein würde, der reindarf. Er läuft durch den Spielertunnel und plötzlich kommt alles hoch, die Erinnerungen an das Spiel mit der A-Jugend des FCK im Pokalhalbfinale gegen 1860 München – es war sein erstes Spiel im Fritz-Walter-Stadion. Dann die schöne Zeit bei den Jugendteams der Roten Teufel bis hin zur Regionalliga. Sein erstes Zweitligaspiel. „Es war immer derselbe Weg, den ich da gegangen bin“, sinniert er, als er Richtung Kabine geht. Er saugt alles auf, das Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten wie Zeugwart Wolle Wittich, Gerry Ehrmann, Pressesprecher Stefan Roßkopf, Roger Lutz, dem Physiotherapeuten und mit den Fans. So manch anderer Ex-Lauterer ist schon ausgepfiffen worden, wenn er sich im Trikot seines neuen Vereins vor der Westkurve warm gemacht hat. Bei Jean Zimmer ist das anders. Er ist schweren Herzens gegangen, und die Fans wissen das und lieben ihn. Den Landstuhler, der früher selbst in der Kurve stand, seinen FCK angefeuert hat, und für den ein Traum in Erfüllung ging, als er für seinen Verein spielen durfte.

Viele Freude sind extra gekommen

Viele der Fans, mit denen er damals unterwegs war, standen auch am Dienstagabend in der Kurve, viele seiner Freunde, die nicht mehr bei jedem Spiel im Stadion sind, sind extra gekommen, um ihn zu sehen. Zimmer freut sich, als er nach der Pause zum Aufwärmen vor seine Westkurve geschickt wird.

Er hat kein einfaches Jahr hinter sich. „2019 war bitter“, sagt er heute. Dabei fing zunächst alles so gut an. Der Blondschopf mit der Nummer 39 ging 2014 zum VfB Stuttgart, wohnte ein Jahr in Schwaben, stieg mit dem VfB auf, wurde für ein Jahr nach Düsseldorf ausgeliehen, schließlich fest verpflichtet. Er hat sich in der Zeit in Stuttgart verliebt, verlobt, 2017 geheiratet. Das Jahr 2018 lief traumhaft für ihn, endete mit dem Tor des Monats. Es war das Jahr des Aufstiegs. Dann verletzte er sich im Februar im Spiel in Leverkusen. Zwei Außenbänder, ein Innenband erwischte es. Zimmer fiel über ein halbes Jahr aus, erlitt immer wieder Rückschläge, weil sein Fuß nicht mitmachte. In der Vorbereitung stieg er wieder ein. Vor dem Trainingsspiel hat es ihn dann „zerlegt“, wie er sagt. Er musste sechs Tage lang Antibiotika nehmen. Dann kam der neue Trainer, die Karten sind jetzt neu gemischt, Zimmer konnte ihm noch nicht zeigen, was er kann. „Da war es zu erwarten, dass ich nicht spiele“, erklärt er nüchtern, warum er mit der Situation, in seinem „Wohnzimmer“ auf der Bank zu sitzen, einigermaßen klarkam.

Immer gut empfangen

Umso mehr freute er sich, als er vor die Kurve durfte, gleich mal ein paar bekannte Gesichter sah und die Fans sofort mit ihm scherzten und sich freuten, dass er da war. „Ich war schon ein paarmal hier und wurde bisher immer gut empfangen“, blickt er auf die Begegnungen mit dem FCK im Trikot von Stuttgart und Düsseldorf in der Zweiten Liga zurück.

Seinen Heimatverein, der ihm so viel bedeutet, hat der Landstuhler nie aus den Augen verloren, auch wenn er weit weg war. „Wenn ich die Möglichkeit habe, gucke ich die Spiele, und wenn das nicht klappt zumindest die Zusammenfassung.“ Seine Familie vermisst er sehr. Sein Vater kommt zu den Heimspielen nach Düsseldorf, „aber meine Schwestern sehe ich zum Beispiel viel zu selten“.

Mit Niklas Martin ständig in Kontakt

Mit einem Lauterer aus früheren Tagen ist die Nummer 39 ständig in Kontakt: Niklas Martin. Der ist jetzt Videoanalyst beim FCK, war vorher Jugendtrainer, und davor stand er mit Jean in der Kurve. Sie werden sich auch in Zukunft weiter sehen: Jean Zimmer sieht Vaterfreuden entgegen, ist schon ziemlich aufgeregt deswegen. In einem Monat wird seine Frau, wenn alles gut läuft, eine Tochter zur Welt bringen – und Niklas Martin wird der Patenonkel sein, der Familie Zimmer dann noch regelmäßiger besucht und wie immer auch weiterhin nach jedem FCK-Spiel mit Jean über den Spielverlauf diskutiert.

Wenn der FCK am Samstag gegen Preußen Münster spielt, ist Jean Zimmer mit den Düsseldorfern in Wolfsburg, hofft, dass er bald spielen darf, und ist gespannt auf die Zusammenfassung vom FCK-Spiel, die er sich gleich danach anschauen wird.

Scherzt mit den Fans und seinen Freunden in der Westkurve: Jean Zimmer beim Aufwärmen.
Scherzt mit den Fans und seinen Freunden in der Westkurve: Jean Zimmer beim Aufwärmen.
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