Kaiserslautern
Beleidigungen: Was drei Polizisten im Dienst – und privat – schon erlebt haben
René Schärer, Johannes Grub und Johannes Theis sind Polizisten im Polizeipräsidium Westpfalz und in verschiedenen Dienststellen eingesetzt – und wie vermutlich mittlerweile alle ihrer Kolleginnen und Kollegen schon im Einsatz beschimpft und beleidigt worden. „Allgemeine Unhöflichkeiten sind leider an der Tagesordnung“, berichtet Theis, der in der Polizeiinspektion Landstuhl seinen Dienst tut. Immer wieder würden den Beamten Kraftausdrücke an den Kopf geworfen. „Bei Beleidigungen gibt es direkt eine Anzeige“, sagt Theis, „in der Hoffnung, dass derjenige sich das künftig zweimal überlegt.“ Man könne sich nicht nur als Gesellschaft über zunehmende Respektlosigkeit beschweren – die Polizei müsse auch entsprechend und konsequent reagieren.
Seine Kollegen stimmen zu, Grub ergänzt: „Bei in der Öffentlichkeit ausgesprochenen Beleidigungen muss man klare Kante zeigen.“ Wenn es sein Gegenüber mit unflätigen Bemerkungen übertreibt, schreibe er sich alle in seinem Notizbuch auf – um möglicherweise bei einem Prozess daraus zitieren zu können. Häufig genutzt würden Beleidigungen wie „Hurensohn“, „Arschloch“ und „Wichser“ oder Bedrohungen wie „Dich krieg’ ich noch“.
Gezielte verbale Attacke oder aus dem Bauch heraus?
Für die Beamten mache es außerdem einen Unterschied, ob jemand einmalig und aus der Situation heraus verbal attackiert oder ob das gezielt passiert. Schärer, der bei der Autobahnpolizei tätig ist, gibt ein Beispiel: „Wenn mich jemand mustert und sich gezielt eine Beleidigung überlegt, dann hat das eine andere Qualität wie ein spontaner Ausruf.“
Die Beamten haben drei Hauptgründe ausgemacht, wieso Menschen ausfallend werden – oder sich bei polizeilichen Maßnahmen ungefragt einmischen: Drogen, Alkohol und Gruppenzwang. Schärer: „Bei den allermeisten Beleidigungen sind Betäubungsmittel oder Alkohol im Spiel, was die Hemmschwelle herabsetzt.“ Und gerade junge Männer würden in Gruppen gern ihre Grenzen austesten (und übertreten), erzählt Schärer. Je nach Beleidigung könne das teuer werden – von wenigen Hundert bis mehrere Tausend Euro reicht das Strafmaß. Nach dem Strafgesetzbuch ist auch eine Freiheitsstrafe möglich.
In den meisten Fällen reiche das Androhen von Konsequenzen, erzählt Grub. Er ist in der Polizeiinspektion 2 eingesetzt. Sollte beispielsweise ein unbeteiligter Zuschauer keine Ruhe geben, werde er nach seinem Ausweis gefragt. „Das holt ihn aus der Anonymität, er weiß dann, dass wir seinen Namen kennen“, erklärt Grub die sogenannte Stufenfolge. Schließlich könne ein Platzverweis folgen. „Das sind im Einsatz Nebenschauplätze, dafür haben wir eigentlich nicht die Zeit.“ Er verstehe, dass Menschen neugierig sind, aber was nicht gehe, sei, die Arbeit der Einsatzkräfte zu stören oder gar noch sensationslustig alles zu filmen.
Wenn das Privatleben leidet, wird es richtig unangenehm
Das möglichst richtige Verhalten in solchen Situationen werde während des Studiums an der Polizeihochschule trainiert, außerdem in mehreren Praktika in den Dienststellen in der Praxis angewendet. Theis: „Angehende Polizisten kriegen da ein gutes Rüstzeug mit. Je öfter man in Situationen mit aufgewühlten Bürgern kommt, desto besser lernt man, einen kühlen Kopf zu bewahren.“
Und was, wenn das nicht gelingt? „Da sind wir professionell genug, dass der Einsatz ordentlich abgewickelt wird“, sagt Grub, „und anschließend sprechen wir im Auto mit dem Streifenpartner oder der Streifenpartnerin über die Situation.“ Zudem könne man auch in der Dienstgruppe oder mit den Vorgesetzten Einsätze nachbesprechen. Es sei keine Schande, bei erhitzten Gemütern zum Kollegen oder der Kollegin zu sagen: „Ich verliere die Geduld, red’ Du mal mit ihm.“
Body-Cams sind bei den Beamten beliebt
Gute Erfahrungen haben die drei Beamten mit Body-Cams gemacht, die das Einsatzgeschehen aus der Perspektive der Polizisten beweissicher aufnehmen – nach vorheriger Ankündigung. „Wir haben nichts zu verbergen, und von uns aus könnte die Kamera schon ab dem Zeitpunkt laufen, wenn wir den Streifenwagen verlassen“, sind sie sich einig, statt „nur den heiklen Teil aufzunehmen“. Das Benutzen der kleinen Kamera signalisiere dem Gegenüber: „Ab hier wird dokumentiert“, sagt Theis und ergänzt: „Das ist sehr wirksam.“ Die Aufnahmen können anschließend von den Beamten nicht gelöscht oder geändert werden. Schärer: „Was auf der Kamera ist, bleibt gespeichert.“
Richtig unangenehm werde es, wenn das Privatleben unter dem Job leidet. So berichtet Theis, dass ihm jemand Hundekot an sein Wohnhaus und ans Auto geschmiert hat, „weil ich ein Polizist bin. Ich hatte mit dem Mann vorher nie zu tun.“ Schärer erzählt, dass er bei einem privaten Termin erkannt und dann nach Hause verfolgt wurde. Erst eine hinzugezogene Streife habe für Abhilfe sorgen können. Theis: „Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob wir etwas im Dienst erleben oder ob plötzlich die Familie mit hineingezogen wird.“
„Es gibt auch mal ein Lob“
Trotz all den Anfeindungen und sogar körperlicher Gewalt gegen Polizisten dürfe man die schönen Seiten des Jobs nicht vergessen. Grub: „Wenn wir in der Innenstadt als Streife unterwegs sind, werden wir immer wieder angesprochen. Meistens positiv. Da gibt’s dann auch mal ein Lob.“ Theis ergänzt: „Wir haben schon alle erlebt, dass jemand zu uns kommt und sagt: ,Danke, dass ihr euren Job macht.’“ Das sei gerade nach den Polizistenmorden bei Ulmet (Kreis Kusel) häufig der Fall gewesen. Grub: „Die Anteilnahme damals war überwältigend.“