Kaiserslautern
Beim Grundwasser kein Spielraum mehr
Wie die Ausgangslage ist
Wie kann die Trinkwasserversorgung durch eine nachhaltige Bewirtschaftung der Grundwasserressourcen sichergestellt werden? Dieser Frage geht das „Grundwasserbewirtschaftungskonzept Raum KL 2040“ nach, das von den Stadtwerken Kaiserslautern und dem Zweckverband Wasserversorgung Westpfalz herausgegeben wird. Letzterer gewinnt im Kolbental, im Moosalbtal und dem Rodenbacher Bruch Wasser – unter anderem für die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg und Gemeinden aus dem Kreis Kusel und dem Donnersbergkreis. Das Konzept wird im Arbeitskreis Grundwasserbewirtschaftung erarbeitet, dem Vertreter von SWK, Fachbüros, Landesbehörden und der Stadt angehören. Umweltverbände sind nicht dabei, was die Grünen und Jürgen Reincke (Nabu) am Montag einmal mehr im Umweltausschuss kritisierten. Das Konzept ist die Fortschreibung einer Version aus dem Jahr 2011.
Wie sich das Klima ändert
Für das neue Konzept wurde die klimatische Entwicklung der vergangenen Jahre betrachtet. Dafür verglichen die Autoren eine Periode 1 von 1997 bis 2006 mit einer Periode 2 von 2011 bis 2020. Daten der Wetterstation Morlautern zeigten, dass es zuletzt weniger Niederschlag gab, gleichzeitig stieg die mittlere Temperatur von 9,9 Grad Celsius in Periode 1 auf 10,5 Grad in Periode 2. Seit 2017 gibt es eine negative klimatische Wasserbilanz, sagte Michael Probst vom Büro Björnsen Beratende Ingenieure. Es verdunstet mehr Wasser, als durch Niederschlag nachkommt. Die Autoren stellten einen Rückgang der Grundwasserstände und der Quellschüttung der Lauterspring fest. Um rund 18 Prozent habe sich die Grundwasserneubildung reduziert, erläuterten sie im Umweltausschuss.
Eingeflossen in das Konzept ist die Prognose des Landesamtes für Umwelt für Kaiserslautern. Die geht für die kommenden Jahren von steigenden Temperaturen, aber etwa gleichbleibenden Niederschlägen aus, die sich stärker auf den Winter konzentrieren, im Sommer teils als Starkregen auftreten. Mit einer weiteren Reduzierung der Grundwasserneubildung in den nächsten Dekaden rechnet das Landesamt nicht.
Was prognostiziert wird
Im Konzept werden zwei Szenarien für die Grundwasserbewirtschaftung durchgespielt. Das Basisszenario geht für das Versorgungsgebiet der SWK davon aus, dass die Bevölkerung bis 2040 um etwa 3000 Einwohner schrumpft. Der Pro-Kopf-Verbrauch der Lauterer bleibt gleich, so die Annahme. 2020 lag dieser mit 122 Litern pro Tag unter dem deutschen Durchschnitt (129 Liter). Beim Verbrauch von Industrie, öffentlichen Einrichtungen und Streitkräften wird mit einem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre kalkuliert. Das Wachstumsszenario geht dagegen von einer konstanten Bevölkerung aus, als Pro-Kopf-Verbrauch wird der höchste vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft ermittelte Wert der vergangenen 20 Jahre angenommen. Und auch für Industrie, öffentliche Einrichtungen und Streitkräfte wird mit dem Höchstwert der vergangenen 20 Jahre kalkuliert. Nicht einbezogen wurden Neuansiedlungen.
Das Ergebnis: Beim Basisszenario deckt das Grundwasserdargebot den Bedarf noch knapp, beim Wachstumsszenario nicht mehr, sagte Michael Rochmes vom Ingenieurbüro Peschla und Rochmes. Die Wasserversorgung ist zwar sichergestellt. Beim Wachstumsszenario würde aber mehr Grundwasser entnommen, als sich neu bildet. Spielraum, um Oberflächengewässer wie den Gelterswoog zu füllen, gebe es in keinem Szenario, so Rochmes.
Einigen Ausschussmitglieder waren beide Prognosen zu optimistisch. Benedikt Baumann (CDU) fragte, ob man nicht zusätzlich ein Worst-Case-Szenario brauche. Beispielsweise, wenn sich die Folgen des Klimawandels verschlimmerten oder mehrere Trockenjahre aufeinanderfolgten. „Ich habe das Gefühl, wir leben jetzt schon über unsere Verhältnisse“, sagte Tobias Wiesemann (Grüne). Bei mehreren Trockenphasen in Folge müsste man mit einem Notfallplan agieren, so Rochmes. Dafür gebe es Stresstests, die die Wasserversorger durchspielen.
Was zu tun ist
Als Reaktion auf die Prognosen wird etwa der Bau neuer Tiefbrunnen, eine Verbesserung der Technik und Infrastruktur, der Ausbau der Verbundsysteme und Öffentlichkeitsarbeit empfohlen, um ein Wasserbewusstsein zu schaffen. Beigeordneter Peter Kiefer (FWG) machte deutlich, man müsse die Bevölkerung für das Wassersparen sensibilisieren. Stadtrat Manfred Reeb (FWG) hatte als Zuschauer seinen Vorschlag bekräftigt, über ein Tarifsystem nachzudenken, bei dem die Wasserpreise für einen Haushalt steigen, wenn der Durchschnittsverbrauch überschritten werde. Staffelpreise, die einen niedrigen Wasserverbrauch belohnen, hatten die Grünen schon 2021 ins Spiel gebracht und um Prüfung gebeten. Die Politik, das machte Kiefer im Nachgang der Sitzung klar, könne allenfalls Empfehlungen aussprechen. Die Tarifgestaltung obliege den Stadtwerken. Diskutiert werden sollen die Ideen im Arbeitskreis Wasser, in dem Vertreter der Fraktionen, Umweltverbände und die SWK zusammenkommen. Der Arbeitskreis soll institutionalisiert werden, betonte Bettina Dech-Pschorn, Leiterin des Referates Umweltschutz.