Kaiserslautern
Bauverwaltung: Wenn sich beim Chef Spaten an Spaten reiht
In seinem Dienstzimmer stehen etliche Spaten. Sie sind auf Hochglanz poliert und mit Gravuren versehen. Erinnerungen an zig Spatenstiche, die Norbert Höbel in über 30 Dienstjahren beim Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) Rheinland-Pfalz erlebt hat, die meiste Zeit davon als Leiter der Niederlassung Kaiserslautern. Einige der Gravuren sind auf Englisch und auch das ergibt Sinn. Denn der Kaiserslauterer LBB ist nicht nur für Landesbauten in der Westpfalz zuständig, sondern ebenso für Bauprojekte des Bundes in der Region, ob nun eigene oder stellvertretend für das US-Militär.
Das riesige Spektrum begeistert den 66-Jährigen noch heute: „Vom Hundezwinger bis zur neuen Start- und Landebahn auf der Air Base Ramstein machen wir alles.“ Doch wird nicht nur geplant und gebaut. Zumindest bei den eigenen Gebäuden, also jenen des Landes, kommt auch der Bauunterhalt dazu, defekte Heizkörper oder eine klemmende Tür inbegriffen. Gut 200 Köpfe zählt Höbels Team, der Chef kann sich auf sie verlassen, gerade in Spitzenzeiten, die nicht gerade selten sind. „Ich habe auch eine hervorragende Führungscrew, die sehr selbstständig arbeitet, und ich dann nur bei bestimmten Richtungsentscheidungen gefragt bin.“ Zum Beispiel dann, wenn es ums Priorisieren von Projekten geht, weil auch der LBB Kaiserslautern oft mehr Aufträge als Mitarbeiter hat.
Mutter-Kind-Haus für JVA
Spannende Aufgaben gibt es allemal. Wie die Justizvollzugsanstalt (JVA) Zweibrücken. Dort baute der LBB Anfang der 1990er-Jahre für weibliche Insassen, aktuell läuft die Vorplanung für ein Mutter-Kind-Haus. Für Norbert Höbel und sein Team ist das etwas Neues – wieder einmal. Bei einer zweiten JVA, jener in Kaiserslautern, die 2002 geschlossen wurde, hatte der LBB aber keine Karten im Spiel. Das Gebäude wurde am Ende verkauft und von privat in das Hotel „Alcatraz“ umgebaut. Indes hat Höbel dort schon mal übernachtet, als der LBB im Hotel eine Tagung ansetzte.
Ebenso neu war die Umsiedlung der Kaiserslauterer Hochschule auf das Gelände der ehemaligen Kammgarn-Spinnerei. Mit Um- und Neubauten setzte der LBB aus Sicht des Niederlassungsleiters auch ein Schlaglicht bei der Innenstadtentwicklung. Dass Höbel während seiner fünf Jahre im rheinland-pfälzischen Finanzministerium auch für die Hochschulen im Land zuständig war, beschreibt er noch heute als Vorteil: „Ich weiß dadurch nicht nur, wie das Baugeschehen abläuft, sondern kenne eben auch die Genehmigungsverfahren und das Zusammenspiel zwischen Finanz- und Wissenschaftsministerium.“
Thema Strahlenschutz
Immer wieder Neuland hat der LBB unter Norbert Höbel auch an der Technischen Universität Kaiserslautern, heute RPTU, betreten. Unter anderem baute die Niederlassung Kaiserslautern eine große Halle für eine Computertomographie-Anlage, die bei der Einweihung 2022 weltweit einzigartig war. Ihr Name ist Gulliver, ihr Auftrag: Beton in großer Dimension zu durchleuchten. Grundlage für den LBB sei der Strahlenschutz gewesen, erzählt Höbel im RHEINPFALZ-Gespräch und ergänzt: „Sie können sich sicher vorstellen, dass das Durchleuchten einer 35 Zentimeter dicken Stahlbetonplatte eine ganz andere Strahlenenergie freisetzt als ein Knie-MRT.“ Daher sei das errichtete Forschungsgebäude „eigentlich eine große Strahlenschutzhülle“.
Um noch ein Beispiel für das bunte Portfolio des LBB Kaiserslautern zu geben: Gekümmert hat er sich auch um Bunker, unter anderem jene, die entlang des Westwalls in der Süd- und der Südwestpfalz liegen. Es galt, die alten Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg verkehrssicher zu machen. Doch auch Naturkunde und Naturschutz waren in diesem besonderen Fall gefragt: „Die Fledermaus-Kolonien sollten sich wohlfühlen.“
Diskretion gefragt
Eher im Verborgenen kümmert sich der LBB Kaiserslautern um die Bauprojekte des US-Militärs, bei denen der Bund stellvertretend als Bauherr auftritt und den Landesbetrieb mit der Umsetzung beauftragt. Mit der Schließung der US-Air Base Rhein-Main im Jahr 2000 und deren Verlegung nach Ramstein (und Spangdahlem in der Eifel) wurde der westpfälzische Militärflughafen zu jener Transport-Drehscheibe der US-Luftwaffe ausgebaut, die er heute ist. Hinzu kam weitere Infrastruktur wie das Passagierterminal, ein Hotel und die Einkaufsmall, von vielen Modernisierungsmaßnahmen in den Liegenschaften der US-Army in Stadt und Landkreis Kaiserslautern ganz zu schweigen.
2023 hatte der LBB Kaiserslautern ein Bauvolumen von rund 88 Millionen Euro. Zusammen mit der Niederlassung Koblenz steht er damit an der Spitze. Anfang der 2000-er Jahre waren es wegen der zahlreichen Projekte für das US-Militär über 300 Millionen Euro, so viel wie zehn Jahre später das Bauvolumen des Landesbetriebs insgesamt. Laut Höbel geht es gerade wieder nach oben, nicht zuletzt wegen US-Schulbauten in Kaiserslautern, Landstuhl, Ramstein, Sembach.
Munitionsdepot hat Priorität
Auf ziviler Seite stehen ebenfalls wieder etliche Projekte an. Dazu gehört ein Reinraum an der Hochschule Kaiserslautern am Standort Zweibrücken, der den alten ersetzen wird. Ebenfalls in Zweibrücken saniert der LBB Kaiserslautern die Niederauerbach-Kaserne der Bundeswehr. Priorität aufgrund der geopolitischen Lage hat aber die Reaktivierung des Munitionsdepots der Bundeswehr bei Kriegsfeld im Donnersbergkreis.
„Wir waren nie genug Leute, weder zu Hochzeiten wie Anfang der 2000er-Jahre, noch jetzt“, beschreibt Höbel die Lage. Junge Leute müssten sich bei einer Bewerbung darüber im Klaren sein, dass der LBB zwar wie ein Ingenieurbüro funktionieren solle, aber zu den bürokratischen Bedingungen einer Verwaltung.
Rückmeldung gefragt
Bereut hat Norbert Höbel seine Berufswahl aber nie. Das hängt auch ein wenig mit Terminen wie eine Einweihung zusammen. Das Resultat all der Mühe zu sehen, sei immer wieder großartig. „Und wir bekommen ja auch oft Rückmeldung, ob die Gebäude funktionieren.“ Das sei wichtig, denn „wir bauen ja nicht für uns, sondern für die künftigen Nutzer“.
Freut er sich auch über Rückmeldungen zu Kunst am Bau? Auch da war der LBB immer wieder im Spiel. Für Diskussionen sorgte beispielsweise das knallgelbe Objekt vor dem Neubau der Polizeiinspektion in Landstuhl. Es soll die Nadel im Heuhaufen symbolisieren, nach der die Polizei oft suchen muss. „Ich sage immer, Kunst am Bau ist kein demokratischer Prozess – entweder sie gefällt oder sie gefällt nicht“, fasst Höbel lachend seine Erfahrungen zusammen und fügt als weiteres Beispiel die rotierenden Kreisel am Neubau des „Laboratory for Advanced Spin Engineering“ an der Lauterer Uni an: Sie sollen den magnetischen Dreh vor Augen führen.
Nachfolger gesetzt
Mit Drehen hat auch das zu tun, womit Norbert Höbel im Ruhestand auf jeden Fall weitermachen will: Seit vielen Jahren frönt er mit seiner Frau Ursula dem gemeinsamen Hobby Tanzen und ist seit etlichen Jahren Vorsitzender des Tanzclubs Barbarossa Kaiserslautern. Mehr hat er sich für die Zukunft noch nicht vorgenommen, will erst mal den gleitenden Übergang schaffen, wenn er am 9. April dort in den Ruhestand verabschiedet wird, wo er vor 27 Jahren als Niederlassungsleiter eingeführt wurde: im Audi Max der Technischen Universität Kaiserslautern. Dann wird sein Nachfolger, Stefan Kotschenreuther vom LBB Landau, dabei sein. Dass der Übergang ab 1. Mai nahtlos ist, war Norbert Höbel wichtig. Schließlich soll der LBB Kaiserslautern angesichts von Größe und Auftragsvolumen weiterhin gut arbeiten können: „Druck aus organisatorischen Gründen sollte da nicht riskiert werden.“
Um auf sein Büro zurückzukommen: Eine andere Wand ziert eine Foto-Collage, auf der ein Mann im Nikolaus-Kostüm die Szene beherrscht. Schon seit Jahren schlüpft der Lauterer LBB-Chef bei der internen Weihnachtsfeier in diese Rolle. Ob sein Nachfolger auch die besondere Aufgabe übernimmt? Das habe er dann doch nicht in der Hand, gesteht Norbert Höbel mit einem Augenzwinkern ein.
Zur Person
Norbert Höbel (66) stammt aus Neunkirchen am Potzberg im Kreis Kusel. Nach dem Architekturstudium in Kaiserslautern absolvierte er seinen Vorbereitungsdienst für den höheren Beamtendienst bei der Oberpostdirektion in Nürnberg. Ab August 1991 war er beim Staatsbauamt Kaiserslautern Ost tätig, das bereichsübergreifend auch für Landesbauten in Mainz zuständig war, zum Beispiel bei der Sanierung des Gästehauses der Landesregierung. Das Staatsbauamt Kaiserslautern West kümmerte sich um Bundesbau und US-Militär. 1995 wurden beide zusammengelegt und firmierten nach der Umbenennung 1998 unter LBB-Niederlassung Kaiserslautern. Vom Staatsbauamt Kaiserslautern Ost wechselte Höbel 1994 als Referent ins Finanzministerium nach Mainz. Ende 1998 kam er zurück und leitete seither die LBB-Niederlassung Kaiserslautern, unterbrochen durch Abstecher in die LBB-Zentrale und die Niederlassung Idar-Oberstein.