Kaiserslautern Aus Reichenbach angerollt

Einen Ausflug nach Berlin mit gleich neun Rhönrädern hat Gerd Häßel vom Verein Rhönradmuseum aus Reichenbach-Steegen in der vergangenen Woche unternommen. Ziel war das Deutsche Turnfest. „Der Deutsche Turnerbund hat alte Rhönräder gesucht“, berichtet Häßel, der die alten, vom gebürtigen Reichenbacher Otto Feick erfundenen Sportgeräte sammelt und sich daher nicht lange bitten ließ. Ganz spontan belud er einen Anhänger, den die Bäckerei Kissel zur Verfügung stellte, und fuhr los. Aber die Räder sollten in der Bundeshauptstadt nicht etwa ausgestellt werden, sondern es wurde tatsächlich bei der Stadiongala vor rund 50.000 Besuchern in ihnen geturnt. Warum die Sportler dafür nicht ihre eigenen, moderneren Geräte verwendeten, erklärt Häßel so: „Der Belag der Kunststoffbahn im Olympiastadion schadet der Kunststoffummantelung der Räder.“ Seine älteren Modelle seien zwar ebenfalls ummantelt, eigneten sich aber hervorragend für Auftritte im Freien. „Ich sage immer, es sind richtige Feld-, Wald- und Wiesen-Räder“, fügt Häßel an. Für ihn war die Fahrt nach Berlin auch eine Reise in die Geschichte der Sportgeräte. Denn richtig bekannt wurden diese erst durch eine große Aufführung im Olympiastadion im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 in Berlin – auch wenn Feick als Gewerkschafter wohl eher keine Sympathie für die Nazis hegte.