Kaiserslautern
Auf dem Weg zur Wasserstoffregion fehlt Geld
Alle reden über Wasserstoff. Deshalb haben sich in der Region große Betriebe wie die Zentrale Abfallwirtschaft Kaiserslautern (ZAK), die Stadtwerke (SWK) und die Stadtentwässerung zusammengetan, um nach den passenden Lösungen zu suchen. Unter der Regie der Zukunftsregion Westpfalz haben sie es geschafft, in die Initiative „HyStarter“ des Bundes aufgenommen zu werden. Geld gibt es noch nicht, aber Expertise, wie Michael Walk betont, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Man rede mit energieintensiven Unternehmen vor Ort und mit möglichen anderen Partnern, die in Zukunft auf Wasserstoff setzen wollen. „Wir müssen zusammenarbeiten“, sagt Walk, deshalb galt es, ein Netzwerk aufzubauen. Mittlerweile gibt es klare Vorstellungen für ein Erzeugungs- und Nutzungssystem, allein, was fehlt, ist eine Finanzspritze.
Stadtwerke suchen nach Alternative zu E-Bussen
Bei den Stadtwerken ist Wasserstoff ein großes Thema. Im Überlandverkehr funktionierten batterieelektrische Busse nicht, da sei Wasserstoff eine Alternative. Die neuen Gasturbinen des Kraftwerks könnten beispielsweise mit einer 20-prozentigen Beimischung von Wasserstoff betrieben werden. „Wir könnten auch eine Wasserstoffversorgung für Züge zur Verfügung stellen“, erläutert Stadtwerke-Vorstand Rainer Nauerz. Auf den nichtelektrifizierten Strecken könnten dann Wasserstoffzüge fahren. Auch über eine Tankstelle an der Autobahn müsse man nachdenken. Denn wie bei den Bussen werde auch der Schwerlastverkehr wohl nicht batterieelektrisch fahren. Was fehlt, ist der Wasserstoff. Ohne Förderung werde all das nicht gehen, so Nauerz. Wasserstoff sei heute viermal teurer als grüner Strom. Um Preisgleichheit herzustellen, müsse der Staat mit Subventionen oder Steuern eingreifen.
Es fehlt eine Wasserstoff-Tankstelle
Rainer Grüner, Vorstand von Stadtentwässerung und WVE, berichtet von Plänen, die Kläranlage mit Wasserstoff energieautark betreiben zu wollen. Die Stadtbildpflege hatte vom Bund zudem den Zuschlag erhalten, um zwei mit Wasserstoff betriebene Müllfahrzeuge anzuschaffen. 1,6 Millionen Euro würde diese Investition verschlingen, 80 Prozent der Mehrkosten im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen könne der Bund übernehmen, wurde dem städtischen Eigenbetrieb in Aussicht gestellt. „Wir haben aber wieder abgesagt“, so Grüner. Denn es gebe vor Ort keine Möglichkeit, die Fahrzeuge zu betanken. Als der Antrag gestellt wurde, sei er davon ausgegangen, dass die ZAK eine Wassertankstelle baut. Wasserstoff selbst in der Region herzustellen, müsse die Zielsetzung sein.
Bei ZAK liegen Pläne in Schublade
ZAK-Vorstand Jan Deubig würde das nur zu gerne angehen, aber auch ihm fehlen die Mittel. Er erinnert daran, ein fertiges Konzept in der Schublade zu haben. Deshalb ist Deubig so enttäuscht, dass die Ideen der ZAK nicht einmal in die Wasserstoffstrategie des Landes aufgenommen wurden. Er sieht es ähnlich wie Grüner: „Wir reden bundesweit zu viel über Wasserstoffimport.“ Wer Wasserstoff dezentral erzeugen wolle, so wie die ZAK das vorhabe, komme zu kurz. Seit Jahren bemühe er sich um Fördergelder, um eine Elektrolyseanlage zur Herstellung von Wasserstoff aufzubauen. Alleine könne die ZAK das nicht finanzieren. „Aber entweder passen wir nicht in das Förderkonzept oder die Fördertöpfe sind gerade leer.“
Deubig erläutert, für die ZAK-Flotte, die Abfall zum Müllheizkraftwerk in Ludwigshafen karrt und auf dem Rückweg Biomüll einsammelt, seien batterieelektrisch betriebene Müllfahrzeuge nicht die Lösung. Er ist überzeugt davon, dass für den Betrieb von Schwerlastern und landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen Wasserstoff ideal ist. Deshalb hat er konkrete Pläne, das ZAK-Biomasseheizkraftwerk und den Gasmotor vor Ort zu nutzen, um grünen Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zu wandeln. Der erzeugte Wasserstoff könnte in einer Tankstelle in der Nähe des Kapiteltals abgegeben werden. „Bevorzugt würden wir den Wasserstoff in unseren Lastern nutzen und regionale Abnehmer versorgen. Den Sauerstoff würden wir zur Optimierung der Biokompostierung nutzen, die Abwärme der Fernwärmeversorgung zuführen. Das Projekt wäre sofort umsetzbar, wenn wir eine Förderung erhalten würden“, so Deubig. „Aber wir kriegen kein Geld.“ Die Westpfalz sei prädestiniert für dezentrale Wasserstoffproduktion. Überschuss aus Windenergie, Biogas- oder Freiflächen-PV-Anlagen könnte genutzt werden.
Kann nicht die Lösung sein: Wasserstoff in Dieselfahrzeugen
Hans-Günther Clev, Geschäftsführer des Vereins Zukunftsregion Westpfalz, ist optimistisch, dass die Zusammenarbeit aller Akteure in Sachen Wasserstoff helfen kann, künftig Unterstützung zu erhalten. „Wir werden an dem Thema weiter arbeiten müssen.“ Die Politik sei gefordert. „Es kann nicht die Lösung sein, Wasserstoff in Dieselfahrzeugen durch die Gegend zu karren.“
Mit im Boot sind die Pfalzwerke, die in Bad Dürkheim eine Wasserstofferzeugungsanlage bauen wollen. Das Prüf- und Forschungsinstitut (PFI) in Pirmasens betreibt bereits eine biologische Methanisierungsanlage, Wasserstoff wird derzeit noch in Lastern angeliefert.