Kaiserslautern Auch Räder brauchen Parkplätze

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Fahrradabstelleinrichtungen heißen die Plätze, an denen Räder geparkt werden können, auf Verwaltungsdeutsch. Von diesen gibt es in der Stadt einige, etwa am Hauptbahnhof. Offensichtlich kommen viele Berufspendler und Studenten mit dem Fahrrad hier an, denn der große überdachte Abstellplatz neben dem Haupteingang ist gerammelt voll. 160 Räder haben Platz. „Gerade letzte Woche haben wir ein Großreinemachen veranstaltet und 60 Räder, die dort vor sich hingammelten, entfernt“, sagt Dirk Riehm vom Security Management der Deutschen Bahn. Das sei nämlich ein großes Problem. Viele Nutzer ließen ihr Gefährt, wenn es schrottreif ist, einfach stehen. „Bei begründetem Verdacht weisen wir die Nutzer mit einem Aufkleber darauf hin, dass sie ihr Rad binnen zwei Wochen entfernen sollen“, erklärt Riehm die Vorgehensweise. Verstreicht die Frist ohne Reaktion, darf die Bahn den Stellplatz räumen. Zuvor würde noch bei der Polizei nachgefragt, ob das Vehikel als gestohlen gemeldet sei. 17 abschließbare Boxen stehen zusätzlich zur Verfügung: „Die kosten 5 Euro Miete pro Monat und sind alle vergriffen“, sagt Bahnhofsmanager Armin Wagner. Auf der Rückseite des Bahnhofs gibt es zwei weitere Plätze, einer davon im Treppenhaus neben dem Parkhaus. Alle 50 Ständer sind belegt. Einige Zeitgenossen haben vor dem Eingang drei Laternenpfähle geentert und ihre Räder dort platziert. Der überdachte Abstellplatz daneben ist total überfüllt. Die Räder stehen kreuz und quer. Bernd Köppen, Experte des Kreisverbandes Kaiserslautern des ADFCs (Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs) hat einen Verbesserungsvorschlag: „Man könnte auf dem sogenannten ,Kiss and Ride‘-Parkplatz auf der Bahnhofsüdseite noch Platz für mehr Räder schaffen. Der Platz wird nur wenig genutzt.“ Ein Besuch der zahlreichen Supermärkte in Bahnhofsnähe bestätigt dann Köppes schlimmste Befürchtungen: „Vorwiegend sieht man hier die typischen Metallständer, bei denen lediglich das Vorderrad eingeklemmt werden kann. In Radlerfachkreisen nennt man diese Dinger ,Felgenkiller‘.“ Der Grund: Das Rad könne auf die Seite gedrückt und die Felge beschädigt werden. Im schlimmsten Fall müsse das ganze Vorderrad ausgetauscht werden. Von einem geeigneten Diebstahlschutz könne ebenfalls keine Rede sein, da lediglich das Vorderrad abschließbar sei. „Leider findet man diese Relikte aus der Vergangenheit immer noch bei vielen Geschäften, Banken aber auch einigen Ausflugslokalen. Die Planer und Architekten haben noch den Drahtesel von vor 30 Jahren vor Augen“, sagt der Experte. Gute, fast ideale Bedingungen finden sich am Fraunhofer Institut. Hier gibt es mehrere, mit Glaswänden versehene und überdachte Fahrradboxen. Gesichert sind diese mit Transpondern, einem elektronischen Schließsystem. „Ganz hightech“, lobt Köppe. Auch der Uni-Campus gibt ein gutes Bild ab. Viele Studenten kommen mit dem Rad zur Vorlesung. „Überwiegend stabile und gut zugängliche Stellplätze“, stellt der Fachmann fest. Weiter geht es in die Innenstadt. In der Eisenbahnstraße vor dem Finanzamt sind U-förmige Fahrradbügel aus verzinktem Stahlrohr aufgestellt. „Die sind von der Form her genau richtig, eine einfache, aber gute Konstruktion“, lobt Köppe. Richtig gesichert sei ein Rad nur, wenn sowohl Vorderrad und Rahmen mit einem guten Ketten,- Falt- oder Bügelschloss abgeschlossen seien. Generell finden die Abstellanlagen in der Innenstadt die Zustimmung des ADFC-Experten. Immerhin kosten sie die Stadt etwa 400 Euro pro Stück, schätzt er. Die Anlehnbügel vor der Tourist Information, der Einkaufsmall und in der Fußgängerzone seien alle zweckmäßig. „Wünschenswert wäre noch eine Überdachung, wird aber seitens der Stadt nicht befürwortet“, so Köppe. Die Plätze an Gartenschau, Kammgarn, Meisterschule und vor dem Rathaus werden nicht beanstandet. Sogar die Bau AG geht vermehrt auf die Wünsche ihrer Mieter ein und hat als Vorzeigeprojekt eine moderne Abstellanlage mit Überdachung und Beleuchtung in ihrer Wohnanlage auf dem Betzenberg errichtet, die jedoch noch nicht angenommen wird. Doch trotz der recht vielen Fahrradparkplätze werden in der Stadt immer wieder Räder gestohlen. „Im Jahre 2015 waren es 84 Diebstähle auf öffentlichen Plätzen, die zur Anzeige gebracht wurden“, sagt Christiane Lautenschläger von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Westpfalz. Die Anzahl unterliege jährlichen Schwankungen. Einen Trend zu mehr Diebstählen könne man nicht feststellen. Auch gebe es keinen konkreten Schwerpunkt, wo besonders viele Diebstähle zu beobachten seien. Der Rat des ADFC-Experten: „Die Leute geben heutzutage 1000 Euro und mehr für ein gutes Rad aus, für ein Pedelec 2500 bis 3000 Euro. Deshalb: Ein gutes Schloss kaufen. Es sollte allerdings nicht mehr als ein Kilogramm wiegen, sonst schleppt man zu viel Gewicht mit sich herum. Die Faustregel: Der Anschaffungspreis sollte zehn Prozent des Fahrradwertes betragen.“

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