Kaiserslautern Arbeit auf einer Isolierstation im Westpfalz-Klinikum: „Das geht an die Substanz“

Daniel Klinck ist Leiter einer der Isolationsstationen im Westpfalz-Klinikum. Er und sein Team sind die Arbeit unter hohen Schut
Daniel Klinck ist Leiter einer der Isolationsstationen im Westpfalz-Klinikum. Er und sein Team sind die Arbeit unter hohen Schutzvorkehrungen gewohnt. Nicht nur die hohe Belegungsrate macht ihnen momentan zu schaffen.

Mehr Patienten. Jüngere Patienten. Schwerere Verläufe. Das Coronavirus ist mit Wucht zurück – nicht nur in Statistiken des Gesundheitsamts, sondern auch im Westpfalz-Klinikum. Dort kämpfen Pflegepersonal und Ärzte täglich um Menschenleben.

„Wir haben deutlich mehr Patienten mit dem Coronavirus als im Frühjahr“, sagt Daniel Klinck, Stationsleiter der Isolierstation 9/1 im Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern. Seine Station sei zu 95 Prozent belegt, berichtet Klinck, der seit dem ersten Patienten Ende Februar die Pandemie mit seinem Team und den Ärzten hautnah miterlebt hat. Die ersten drei in Kaiserslautern positiv auf das Virus getesteten Menschen waren vorsorglich im Krankenhaus, hatten keine Symptome. Diese Zeiten sind längst vorbei. Seitdem habe man viel über die Krankheit gelernt, berichtet Klinck. Doch: „Die Verläufe jetzt sind oft schwerer als bei Patienten im Frühjahr und sind damit anspruchsvoller zu versorgen.“

Die dauerhafte Belastung geht an die Substanz

Die Patienten zu versorgen, das heißt, Symptome lindern und den Krankheitsverlauf zu beobachten, um rechtzeitig reagieren zu können. Wenn sich beispielsweise eine Verschlechterung ankündigt, kann der Patient rasch auf die Intensivstation verlegt werden. Ein Heilmittel gegen das Coronavirus gibt es nicht. Stefan Kniele, Leitender Arzt der Pneumologie am Klinikum, der eng mit Klinck zusammenarbeitet, erklärt: „Es gibt da einige Grashalme, die vor allem Intensivpatienten helfen können, beispielsweise Cortison.“ Doch einzig ein funktionierender Impfstoff könne in der Pandemie den Durchbruch bringen und die Ansteckungen reduzieren. Genau das sei jetzt wichtig: „Die Schließungen und Kontakteinschränkungen sind Wellenbrecher, die dazu dienen, dass die Krankenhäuser nicht überlastet werden. Das verstehen viele nicht.“

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Klinck weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass die schwereren Verläufe besonders arbeitsintensiv sind: „Das Team arbeitet zusammen gut durch, aber in den vergangenen Wochen hat sich der Stresslevel deutlich erhöht. Das geht an die Substanz.“ Waren die Patienten im Frühjahr oft nach vier oder fünf Tagen wieder entlassen, lägen momentan Patienten deutlich länger auf der Isolierstation – je nach Verlauf zwischen zwei Tagen und drei Wochen. Noch habe man nicht auf 12-Stunden-Schichten umstellen müssen, wie in anderen Krankenhäusern teilweise geschehen, aber Überstunden würden etliche anfallen: „Man will ja die nächste Schicht nicht gerade allein stehenlassen.“ Die Station sei nicht üppig besetzt, bewältige die Aufgabe aber sehr gut.

„Ohne Corona Weihnachten noch erlebt“

Zur anspruchsvollen und oft anstrengenden Arbeit in Schutzmontur kommt die psychische Belastung, erzählt Klinck: „Wir hatten Patienten, die gestorben sind, die ohne das Coronavirus Weihnachten erlebt hätten.“ Nicht zu vergessen, dass Pflegepersonal und Ärzte Menschen sind – bislang 18 Coronatests hat Klinck in den vergangenen Monaten mitgemacht. Alle negativ. Doch immer unangenehm, wie Kniele erläutert: „Wer die Tests richtig macht, macht sich keine Freunde. Die Abstriche müssen tief im Rachen und der Nase genommen werden, das sorgt für eine hohe Güte der Ergebnisse.“ Auf der Isolierstation sei die Ansteckungsgefahr für das Personal recht gering – das Team hat Erfahrung mit infektiösen Krankheiten.

Dass nur ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen beatmet werden müssen, sei ein Irrglaube, sagt Kniele: „Sie wollen diese Krankheit nicht. Wir haben Intensivpatienten, die keine Vorerkrankungen haben. Junge Menschen, die Pech haben und einen schweren Verlauf erwischen. Das lässt sich nicht vorhersagen.“ Auf der Isolierstation sind, was bislang noch nicht öffentlich gesagt wurde, in Zusammenarbeit mit der Kinderklinik bereits an Corona erkrankte Kinder behandelt worden.

Intensivstation lässt ernst der Lage erkennen

Es sei aktuell eine schwierige Zeit für alle, da sind sich Klinck und Kniele einig. Doch sich jetzt nicht an die vorgegebenen Regeln zu halten – von Händewaschen bis Abstandhalten über Masketragen bis hin zu Kontakte einschränken – stößt bei beiden auf „maximales Unverständnis“. Krankenhausmitarbeiter, die acht Stunden lang hochkonzentriert mit Maske operieren, würden schon immer Masken tragen. Klinck: „Es ärgert mich, wenn ich diese Demonstrationen sehe und gleichzeitig weiß, dass wir so viele Menschen mit Covid-19 hier betreuen.“ Wer einmal einen Blick auf die Intensivstation werfe, wenn von 18 Betten an 14 beatmet wird, erkenne wie ernst die Lage ist.

Stand Dienstagvormittag sind im Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern 37 Corona-Patienten auf den Isolierstationen und 16 Patienten auf Intensivstation behandelt worden. Neun von ihnen werden invasiv beatmet.

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