Kaiserslautern
Über 1800 Menschen bei Demo gegen rechts
Schon auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof, wo sich die Demonstrierenden ab 16 Uhr sammelten, war ein Mehrfaches von 400 Personen zusammengekommen, die das Bündnis „Kaiserslautern gegen rechts“ angemeldet hatte. Nach der Begrüßung der Menge durch Thorsten Schmidt, Gewerkschaftssekretär des DGB, wurde eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlages in München abgehalten. Dort war am 13. Februar ein Afghane in eine Gewerkschaftskundgebung gefahren, zwei Menschen starben.
Von einem Wagen herab unterhielt der Saarländer Musiker Alex Breidt mit Gitarre und sozialkritischem Gesang die Menschen, bis sich der Demonstrationszug Richtung Elf-Freunde-Kreisel in Bewegung setzte. Hinter dem führenden, lauteren Block mit Musik vorneweg folgten offiziell zwei weitere Blöcke: ein mittlerer, angeführt von den „Omas gegen rechts“, und der dritte, der bunte Block.
Doch die Menschen waren über die gesamte Länge bunt gemischt, auch jedes Alter war vertreten. Als der Kopf des Zuges am unteren Ende der Eisenbahnstraße rechts Richtung Adler-Apotheke abbog, waren oben die letzten noch nicht lange in der Eisenbahnstraße unterwegs.
Bunte Teilnehmermischung von Ex-OB bis Kirchenpräsidentin
Das Datum der Demo war bewusst gewählt: Die AfD hatte zu ihrer landesweiten Abschlusskundgebung des Wahlkampfes nach Kaiserslautern eingeladen. Auf dem Stiftsplatz begann dort offiziell um 17 Uhr deren Parteiveranstaltung.
Die Plakate und Transparente der Demonstrierenden machten ihre Haltung zur AfD deutlich. „Wenn das die Antwort ist, wie dumm war dann die Frage“ war auf dem einem zu lesen, auf einem anderen hieß es „Die echten Probleme lassen sich nicht abschieben“. Eine junge Frau hielt den Spruch „Als wir Frauen mehr Rechte wollten, meinten wir nicht Nazis“ hoch.
Vertreter der SPD, der Linke und der Grünen liefen teils in Gruppen mit Transparent mit, teils unter die anderen Demonstrierenden gemischt; auch der ehemalige SPD-Oberbürgermeister Klaus Weichel ließ es sich nicht nehmen, mit seiner Teilnahme Stellung zu beziehen. Kirchliche und soziale Organisationen waren ebenso dem Demo-Aufruf gefolgt, die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst, war persönlich vor Ort.
Vor der Adler-Apotheke war lange nicht genug Platz, um die Menschenmenge zu einem Zwischenhalt ab ungefähr 17.15 Uhr aufzunehmen. Die „Omas gegen rechts“ motivierten die Mitstreiter zum Singen oder zumindest Mitklatschen bei Liedern wie „Ciao Bella“ oder dem derzeit viral gehenden „Damenlikörchor“ aus Hamburg, in deren Song es unter anderem heißt: „Migration, noch nichts ist erreicht/ denn ne Lösung ist nicht so leicht/ ist ganz egal, wer grade regiert / die Welt ist leider kompliziert.“
Über 1800 demonstrieren gegen rechts, rund 400 folgen der AfD-Einladung
Von dort sollte der Zug eigentlich zum Schillerplatz weiterziehen, doch etliche bogen direkt zum Stiftsplatz ab. Die AfD hatte ihre Veranstaltung mit Gittern auf dem Platz eingezäunt und ihre eigene Security samt Einlasskontrolle dabei. „Rund 400 Personen waren dort“, berichtete Polizeisprecher Christian Erfort am Abend. Polizisten waren vor Absperrgittern postiert, um die beiden Gruppen auf Abstand zu halten. Die Rechts-Gegner skandierten davor mit Pfeiffen und Buh-Rufen und drehten Musik aus einem Lautsprecher auf, es blieb aber friedlich.
Auch alle Zufahrtsstraßen waren mit Polizeifahrzeugen versperrt, so dass kein potenzieller Attentäter Chance hatte, in die Menge zu fahren.
Auf dem Schillerplatz sprach Organisatorin Zora Tischer zum Abschluss, bevor bis 19 Uhr auf dem Platz zu DJ-Musik getanzt werden durfte. „Die schreckliche Tat von München macht fassungslos, aber wir dürfen uns nicht instrumentalisieren lassen“, sagte sie. Sie rief ins Bewusstsein, dass in Deutschland jeden Tag durch Femizid eine Frau getötet wird, dies aber keinen Aufschrei auslöse. „Die Gesellschaft darf sich nicht in Neutralität flüchten, wenn es darum geht, für Menschenrechte einzustehen“, rief sie auf und forderte alle Parteien auf, klare Haltung gegen die Verschiebung nach rechts zu zeigen. „Die Brandmauer muss verteidigt werden!“