Grünstadt „Wer uns schreibt, bekommt eine Antwort“

Ohne ihn ist BAP nicht vorstellbar: Wolfgang Niedecken in Mannheim, nie ohne Jeanshemd.
Ohne ihn ist BAP nicht vorstellbar: Wolfgang Niedecken in Mannheim, nie ohne Jeanshemd.

Wolfgang Niedecken kann auf eine über 40-jährige Laufbahn mit BAP zurückblicken. Am 21. Oktober gastiert die Kölner Band zusammen mit drei Bläsern im Mannheimer Rosengarten und spielt neben ihren Hits auch Stücke aus Niedeckens in New Orleans aufgenommenen Solowerk „Familienalbum“. Nicole Sperk hat mit dem 67-Jährigen über seine Arbeit gesprochen.

Herr Niedecken, tragen Sie heute das gleiche Jeanshemd wie auf dem Cover Ihres „Familienalbums“?

Ich habe nur solche Hemden. Stapelweise. Warum? Da muss ich mir keine Outfit-Gedanken machen und fühle mich sicher. Seit ewigen Zeiten. Wenn man auf den ersten BAP-Platten guckt – immer Jeanshemden. Ab und an habe ich mal auf einer Tournee was anderes angehabt. Aber das war immer Käse. Letztens habe ich sogar Post gekriegt von jemandem, der mir seinen BAP-Fan-Werdegang beschrieben hat: „Mit 16 habe ich mir mein erstes Jeanshemd gekauft ...“ Der wollte so sein wie Sie? Anscheinend. Manchmal schreibt jemand über sein Leben im Zusammenhang mit BAP. Als ich 2004 hier in Mannheim im Rosengarten das erste Konzert von Ihnen gesehen habe, hatte ich genau diesen Eindruck: dass es eine Menge BAP-Insider gibt, BAP-Jünger geradezu. Es gibt tatsächlich Leute, die haben weit über 100 Konzerte erlebt. Angefangen in der Kindheit, wo die Eltern sie mitgenommen haben. Im Publikum erkenne ich viele wieder. Das ist manchmal sehr beruhigend, denn man ist ja nicht jeden Abend gleich drauf. Man hat womöglich eine kleine Grippe mit sich rumzuschleppen und denkt: „Hoffentlich geht das heute Abend gut.“ Dann sieht man im Publikum bestimmte Gesichter und denkt: „Doch, doch. Wenn die da sind, kann nix schiefgehen.“ Sind die nicht besonders kritisch? Doch, Gott sei Dank. Man kriegt von denen auch zu hören, was nicht gut war. Aber wir wollen ja auch nicht, dass unser Publikum unkritisch ist. Es gibt Fans, die uns schreiben, wenn sie eine Frage haben, und die bekommen dann auch eine Antwort. Für sowas gibt es natürlich heute Facebook. Aber man kann da nicht in die Diskussion eintreten. Wenn man das einmal anfängt, kommt man zu nichts anderem mehr. Eigentlich ist mein Job ja ein anderer. Aber wir sind schon sehr nahbar. Wer ist jetzt eigentlich genau „wir“? (Lacht) Okay, ein guter Freund von mir sagte irgendwann mal: „Die Originalbesetzung bist ja eigentlich du.“ Und da hatte er nicht ganz unrecht. Ich achte übrigens sehr darauf, dass bei BAP nur Leute spielen, die sich wirklich mit unserem Material identifizieren, die ihren Job nicht als Mucker erledigen. Hired Guns brauche ich keine. Sowas will ich nicht. Ich will Leute haben, die dahinterstehen. Dass sich die Besetzung im Laufe der Jahre immer mal wieder geändert hat, ist völlig okay. Das war übrigens auch ein Thema in der BAP-Fangemeinde: warum jetzt wer nicht mehr mitspielt. Manche Gründe gehen nicht jeden was an, die gingen zu tief in die Privatsphäre. Ich mache das jetzt seit 42 Jahren. Seit 1976 in Köln und ab 1980 überregional. Ich möchte den erleben, der in dieser Zeit irgendwo eine Lehre angefangen hat und immer noch die gleichen Mitarbeiter hat. Ist BAP mehr als Niedecken? BAP sind inzwischen die Musiker, die ich mir ausgesucht habe und die sich mit unseren Songs identifizieren können. Bei mir geht das sogar so weit, dass ein Stück nicht auf die Setlist kommt, wenn ich weiß, dass jemand aus der Band es nicht mag. Wir haben ja ein Riesenrepertoire. Ich habe gar nicht mitgezählt. Ich glaube, wir haben jetzt 18 oder 19 Studioalben, dann die Soloalben, all die Livealben. Beim Zusammenstellen der Setlist haben wir ein Luxusproblem. Warum heißt die Band jetzt wie bei den ersten vier Alben Niedeckens BAP? Das hat ausschließlich den Grund, dass ich Planungssicherheit brauche. Mittlerweile spielen bei BAP lauter Musiker, die auch in anderen Formationen oder als Studiomusiker gebucht werden. Es wird immer schwieriger, alles so zu koordinieren, dass alle können. Ich sage natürlich frühzeitig Bescheid, manchmal eineinhalb Jahre vorher, wann es auf Tour geht. Es kann dann aber trotzdem sein, dass jemand schon irgendwo anders gebucht ist. Jedenfalls so lange ich dabei bin, wird es Niedeckens BAP heißen. Ohne Niedecken wird es doch kein BAP mehr geben? So sieht’s aus, denn das würde wenig Sinn machen. Ich war neulich bei Konstantin Wecker, der erzählt hat, dass er aus Versehen Beethovens Neunte komponiert hat und es erst merkte, als seine Musiker im Studio laut lachten. Ähnliche Sachen passieren mir natürlich auch. Zum Beispiel, dass ich meiner Frau ganz stolz ein neues Stück vorspiele und sie sagt: Sowas hattest du schon mal. Dann denke ich drüber nach, und manchmal muss ich dann zugeben: Ja, stimmt leider. Termin Sonntag, 21. Oktober, um 19 Uhr im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

x