Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Was Organist und Koch gemeinsam haben

Die Besucher sind sehr interessiert an der Walcker-Orgel in der evangelischen Kirche Eisenberg, die Bezirkskantorin Katja Gerick
Die Besucher sind sehr interessiert an der Walcker-Orgel in der evangelischen Kirche Eisenberg, die Bezirkskantorin Katja Gericke-Wohnsiedler erklärt.

Die Geheimnisse der Walcker-Orgel in Eisenbergs evangelischer Kirche stießen auf großes Interesse. Bezirkskantorin Katja Gericke-Wohnsiedler gab Einblicke und Hörproben.

Katja Gericke-Wohnsiedler zeigt sich überrascht. „Mit so einem Ansturm habe ich nicht gerechnet“, sagt die Kirchenmusikdirektorin angesichts der rund 80 Menschen, die sich im protestantischen Gotteshaus versammelt haben. Sie wollen mehr über die Walcker-Orgel erfahren, die mit dem Sakralbau in diesem Jahr ihr 125. Jubiläum begeht. Die gedruckten Handzettel zur Orgelführung reichen nicht aus, die Besucher werden gebeten, immer zu zweit draufzuschauen. Abgebildet sind Reihen von Tasten, die am Spieltisch des Rieseninstruments angebracht sind. Über jedes dieser 33 Register werden 54 Pfeifen angesprochen. Die sichtbaren bestehen aus Metall, die hölzernen, die weicher klingen, aber nicht so hübsch sind, finden sich im Inneren der Orgel.

Sie haben pneumatische Relais. Durch diese Erfindung wurde das Spielen erleichtert. Allerdings sind die Töne stets mit einer leichten Verzögerung zu hören. Gericke-Wohnsiedler erläutert, was sich hinter der Beschriftung der Schalter verbirgt. Das zweimanualige, typisch romantische Aerophon – es hat zwei Tastaturen übereinander – soll ein Orchester darstellen, mit Streichern, Bläsern und Schlagwerk. Letzteres ist das 34. Register, das Glockenspiel. „Das ist eine Besonderheit dieser Orgel, die vom Bürgermeister Heinrich Schiffer gespendet wurde“, erklärt die 58-Jährige. Oft zu hören sei es jedoch nicht. Es sei nicht einfach, die Röhrenglocken in die Stücke einzubinden.

Wie eine Blockflöte

Die Prinzipale sind die wichtigsten Register. Die dabei stehenden Zahlen geben die Pfeifenlängen in Zoll an. Sie variieren zwischen rund 4,80 Meter und wenigen Zentimetern. Die Bezirkskantorin demonstriert, wie sich das klanglich auswirkt – von einem durchdringenden Brummen bis zu einem schmerzhaften Piepsen. „Die Tonerzeugung funktioniert überwiegend wie bei einer Blockflöte – mit Luft“, erläutert sie. Anstatt die Löcher zu schließen oder zu öffnen, um eine Melodie zu spielen, gibt es bei dem Tasten-Blas-Instrument für jeden Ton eine eigene Pfeife. Stufenlos lauter und leiser werden die Töne mithilfe eines Schwellwerks, das Jalousien auf- und zuklappt. Nicht Luft, sondern schwingende Metallzungen lassen die Trompete, die Posaune und das Englische Horn erklingen.

Gericke-Wohnsiedler bringt die verschiedenen nachgeahmten Instrumente zu Gehör – von weich bis strahlend, mitunter schrill und schnarrend, von zart bis kräftig. Einen Eindruck gibt es auch von der Voix céleste, der Himmelsstimme. Sie kommt zart und leicht verstimmt daher. „Das soll so sein“, sagt die Expertin. „Orgelspielen ist wie kochen, die Register sind die Zutaten zum Gericht.“ Manchmal liefere der Komponist das Rezept mit, oft müsse der Organist aber selbst kreativ werden. Damit das Umschalten nicht so viel Zeit kostet, gibt es Spielhilfen: kleine Wippen, mit denen sich Kombinationen mehrerer Klangfarben „programmieren“ und ganz einfach abrufen lassen.

Zwei Hochzeitsmärsche

„Sämtliche Pfeifen sind noch original“, sagt Gericke-Wohnsiedler. Während die Sauer-Orgel, die man 1898 in die Grünstadter Martinskirche baute, im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1959 durch ein Aerophon aus dem Hause Steinmeyer ersetzt wurde, ist die Königin der Instrumente in der evangelischen Kirche in Eisenberg gut durch das 20. Jahrhundert gekommen. Sie klinge noch so, wie eine romantische Orgel zu klingen habe, urteilt die Fachfrau und gibt eine Kostprobe.

Das Kurzkonzert beginnt allerdings mit einer Komposition aus dem Barock, der „Toccata und Fuge d-moll“ von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750). Bei „Petit Carillon“ von René Vierne (1878 bis 1918) kommt das Glockenspiel in seiner vollen Pracht zum Einsatz. Den Hochzeitsmarsch gibt es in zwei Versionen: einmal den Brautchor aus der Oper „Lohengrin“ von Richard Wagner (1813 bis 1883) und einmal aus „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847). Andächtig lauschen Jung und Alt. Dem modernen Stück „Chanson“ aus der Feder von Christopher Tambling (1964 bis 2015) folgt als krönender Abschluss eine Choral-Improvisation über „Nun danket alle Gott“. Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933) hat damit etwas geschrieben, das exakt zu dieser Walcker-Orgel passt – einschließlich dem Einsatz des Tutti-Knopfes, der sämtliche Register gemeinsam – und entsprechend laut – aktiviert.

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