Asselheim
Warum dieser Winzer jetzt doch Glühwein abfüllt
Auf die Idee, auch Glühwein in sein Warensortiment aufzunehmen, kam der Asselheimer Winzer Michael Schroth durch vermehrte Kundenanfragen. Zunächst habe er sich innerlich ein wenig dagegen gesträubt, räumt er ein. Der Saft der Beeren seiner sorgsam gehegten und gepflegten Rebenpflänzchen war ihm im ersten Moment zu schade dafür. Topweine zu machen, das ist seine Passion. Glühwein dagegen wird oft mit Erzeugnissen assoziiert, deren Minderwertigkeit durch die Zugabe von Aromen und Süßungsmitteln „übertönt“ werden soll. Doch Qualität lasse sich herausschmecken.
2000 Liter nach einer Woche ausverkauft
Der Weinbauer aus dem Auweg stieg 2019 in die Produktion von rotem „Glüh-Schroth“ ein – zunächst mit nur 4000 Flaschen. Ende Oktober 2020 seien schon 20.000 Liter abgefüllt gewesen, er hätte aber in dem Jahr locker 30.000 Liter verkaufen können, berichtet der 43-Jährige. Vergangenes Jahr begann er damit, auch weißen Glühwein herzustellen – erneut recht vorsichtig mit einer kleinen Menge. „Die 2000 Liter waren nach einer Woche ausverkauft“, erzählt Schroth.
Weißer Glühwein ist (noch) nicht ganz so verbreitet, wird aber auch in anderen Betrieben hergestellt – etwa beim Weingut Hammel aus Kirchheim. Als Grundlage nimmt Schroth beste Erzeugnisse seiner Wingerte – solche, die er auch als „reinen Wein einschenkt“. Der weiße „Glüh-Schroth“ besteht zu 100 Prozent aus Müller-Thurgau. Dagegen ist die rote Kreation zusammengesetzt aus Dornfelder und Portugieser. Die erste Rebsorte bringe Kraft und Fülle mit, erläutert der Fachmann, die zweite sei der feinere Partner, der für harmonischen Ausgleich sorgt.
„Winterpulle“, „Glühvieh“ und „Rebenfeuer“
Jeder Winzer findet da seinen eigenen Weg, wobei meist Dornfelder eine entscheidende Rolle spielt. Im Deidesheimer Weingut Andres etwa setzt man bei der „Winterpulle“ ausschließlich auf die früh reifende Rotweinsorte, die August Herold 1955 durch Kreuzung der Helfensteiner (Blauer Weinsberger) und der Heroldrebe neu züchtete. Uli Metzger aus der Langgasse in Asselheim mischt bei seinem roten „Glüh-Vieh“ zum Lesegut des dunklen Dornfelders das helle Traubenfleisch eines Spätburgunders. Das Kindenheimer Weingut Stahlheber nimmt für sein „Rebenfeuer“ Dornfelder und Cabernet Dorsa. „Kohls Glühwein“ vom Sonnenberg aus Bockenheim ist eine Cuvée aus Dornfelder und Merlot. Aber es gibt auch Ausnahmen. So besteht beispielsweise der „Herzerwärmer“ aus Weller’s Weinhäusel in Einselthum ausschließlich aus Regent.
„Ein Glühwein muss bei Eis und Schnee Wärme und Geschmeidigkeit vermitteln“, findet Schroth. Unbedingt hinein müssten beim roten Produkt Nelken und Zimt. Der Asselheimer entschied sich dann noch für Blut- und Bitterorange. Mancher Mitbewerber greift zudem zu Sternanis und Pomeranzenschale. Johannes Nippgen aus Neuleiningen verleiht seinem „Heißen Feger“ eine Kirschnote. Nach einem Rezept des Sachsen August Josef Ludwig von Wackerbarth von 1843 gehören noch Ingwer, Granatapfel, Muskatnuss und Kardamom hinein.
Vom Würzwein zum Glühwein
Ein Blick zu den Anfängen: Der antike römische Würzwein, der als Vorläufer des Glühweins gilt, wurde unter anderem veredelt mit dem Harz des Mastixbaums, dem aus Krokus gewonnenen Safran, gerösteten Dattelkernen und Pfeffer. Gesüßt wurde dieses Conditum Paradoxum auch schon – mit Honig laut dem Buch „Über die Kochkunst“ des römischen Feinschmeckers Caelius Apicius, der im ersten Jahrhundert vor Christus lebte.
„60 bis 100 Gramm Zucker kommen auf einen Liter“, sagt Michael Schroth über heutige Glühweine, die meist zwischen 9,5 (etwa beim Heißgetränk aus dem Sausenheimer Weingut Otto Grün) und 12,5 Volumenprozent (unter anderem „Rudi“ vom Mühlheimer Weingut Herkelrath) haben. „Die Süße transportiert das Mollige“, so Schroth. Gut, dass das im Advent beliebte Getränk vor dem Genuss auf bis zu 70 Grad erhitzt wird und sich somit ein Teil des Alkohols verflüchtigt.
Adventskalender
Wir stellen Menschen vor, die dafür sorgen, dass in der Adventszeit alles rund läuft – „Weihnachtsmacher“ eben.