Grünstadt Von Brandstiftern und Brandbekämpfern

Zum Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz „Helden“ hat der aus Wiesbaden stammende Autor und Schauspieler Manfred Kessler vom Theater Chapiteau aus Burgschwalbach das Pop-Märchen „Voll durchs Feuer“ geschrieben. Rund 20 Mal hat er es inzwischen auf die Bühne gebracht. Am Samstag ist es in Grünstadt zu sehen – passend zum Titel im Feuerwehrgerätehaus.
Den ungewöhnlichen Aufführungsort hat die Stadt Grünstadt erstmals für ein Event in ihrer Kulturreihe gewählt. „Durch unsere Rockfeste sind wir ja veranstaltungserfahren“, sieht Wehrleiter Karlheinz Starck das ganz entspannt, auch wenn er Zweifel hat, ob sich die etwa 600 Quadratmeter große Halle wirklich als Theatersaal eignet. Die meisten Fahrzeuge werden nach draußen gestellt, letztendlich auch, um im Falle eines Falles schnell zu einem Einsatz ausrücken zu können. Ein paar historische Wagen wie die alte Drehleiter auf dem Opel Blitz, Baujahr 1960, bleiben als Dekorationsstücke stehen. „Die Bühne werden wir an die Seite vor den Eingang zu den Umkleidekabinen stellen, die Sitzplätze im Halbkreis drum herum“, so Starck. Rund 100 gepolsterte Stühle haben die Floriansjünger in ihrem Versammlungsraum mit der Theke, weitere sollen aus dem Weinstraßencenter dazu geholt werden. „Kalkuliert wurde mit 150 bis 200 Besuchern“, erzählt Starck. Die Bewirtung übernehmen die Wehrleute. „Wir erhoffen uns durch die Veranstaltung, die gute Kooperation mit der Stadt deutlich zu machen und auch Interesse an unserer Arbeit zu wecken“, erklärt er. Vielleicht sei auch der eine oder andere Besucher dabei, der früher mal bei der Feuerwehr war und auf diese Weise wieder daran erinnert wird. „Es ist schon mancher nach zehn, 15 Jahren berufs- und familienbedingter Pause zurückgekehrt“, sagt Starck, der sich wünscht, dass möglichst viele der aktuell 60 Kameraden und vier Kameradinnen an dem Abend Präsenz zeigen werden. Da Kessler bei seiner Solo-Show „Voll durchs Feuer“ auf eine Pause verzichtet, ist zwischendurch keine Gelegenheit, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. „Es ist aber eine Dreiviertelstunde vor Aufführungsbeginn Einlass“, informiert Starck. Bei dem Stück geht es um Helden des Alltags, die skurril skizziert werden. „Die wesentliche Frage lautet: Muss jemand Heldentaten vollbringen, um geliebt zu werden?“, erläutert Autor Kessler. In erster Linie sei es aber eine Komödie, die der Unterhaltung diene. Theatralisch sei es eine Herausforderung gewesen, die multimediale Solo-Show zu realisieren. „Ziel war es, Volkstheater eine moderne Form zu geben“, sagt er. Mit Comedy, Musik und Filmsequenzen sei ein kurzweiliges Stück entstanden, verspricht der studierte Betriebswirt, der ein Lokal mit Kleinkunst in Wiesbaden führte, bevor er eine Schauspielausbildung absolvierte. 1984 gründete er das Theater Chapiteau, mit dem er in einem Zirkuszelt bundesweit und in der Schweiz auf Tour war. Die Verbindung zu den Floriansjüngern erklärt er damit, dass sein Großvater bei der Berufsfeuerwehr war. „Schon als Kind bekam ich so besondere Einblicke, die ich nun in einer Komödie verpackt auf die Bühne bringe“, so der Mittsechziger, der auch Kinderstücke schreibt. Er schlüpft in die Rolle des braven Brandbekämpfers Heinz Schmelzenbach, „Retter und Held, hin und hergerissen zwischen Himmel und Hölle, Minderwertigkeit und Größenwahn“, heißt es in der Ankündigung. Kessler mimt auch die sensationslüsterne Putzfrau Traudl Sauberfee und Schmelzenbachs Widersacher, den Feuerteufel Roter Hahn. INFO Die über den Kultursommer Rheinland-Pfalz geförderte Revue „Helden...voll durchs Feuer“ wird gezeigt am Samstag, 22. August, im Feuerwehrgerätehaus Grünstadt, Nordring 36. Beginn: 19.30 Uhr, Einlass: 18.45 Uhr. Tickets zu 8 Euro gibt es bei der Tourist-Info, Telefon 06359/9297234, geöffnet montags, dienstags, 8.30 bis 16 Uhr, donnerstags, 7 bis 18 Uhr, und freitags, 8.30 bis 12.30 Uhr.