Wattenheim
Ungeplant auf den Chefsessel
Noch ist Charly nur ein Bürohund. Wenn es nach seinem Frauchen Melanie Dohn geht, wird der dreieinhalbjährige Labrador-Rüde aber bald ein Schulhund. „Ich absolviere mit ihm gerade entsprechende Erziehungskurse“, erzählt die 50-Jährige, die die Grundschule Wattenheim seit Sommer 2023 kommissarisch leitet. Offiziell wurde sie damit aber erst im Februar 2024 beauftragt. „Insofern befinde ich mich noch im Bewährungsjahr“, erzählt sie schmunzelnd. Ihre voraussichtliche Amtsernennung ist im Februar 2025.
Dohn wechselte 2019 an die kleine Dorfschule. Ihren Studienabschluss machte sie im Jahr 2000, sattelte noch Zusatzausbildungen in Sport und Englisch drauf und war dann seit ihrem Referendariat im Donnersbergkreis an der Grundschule Bolanden-Dannenfels tätig. „Dort war ich auch zehn Jahre lang Personalrätin“, erzählt die zweifache Mutter und betont: „Das Engagement über den Unterricht hinaus ist mir wichtig.“
Schülerzahlen werden steigen
In Wattenheim stand sie auch gleich einer Referendarin als Mentorin zur Seite. Ins Leiningerland wollte Dohn, um näher an ihrem Wohnort zu arbeiten. Dass sie bald darauf im Chefsessel saß, war nicht geplant. „Als Rektorin Kerstin Jung wegzog, haben wir das alle sehr bedauert und ich hab mich für den Posten erstmal zur Verfügung gestellt“, so die Pädagogin, die einräumt, dass es recht aufwendig war, sich in die Leitungsfunktion einzufuchsen. Aktuell kümmern sich in Wattenheim sechs Lehr- und zwei Betreuungskräfte um 65 Kinder in drei Klassen (die oberen beiden Jahrgänge bilden eine Kombiklasse).
„Nach der Prognose der Verbandsgemeinde Leiningerland werden die Schülerzahlen aber steigen, sodass wir bald wieder vier Klassen haben“, sagt Dohn. In der Verwaltung der Schule wird sie nur zweimal wöchentlich für jeweils 150 Minuten unterstützt. „Dadurch bleibt viel Büroarbeit an mir hängen“, erzählt sie.
Sekretärin für alle gewünscht
Zusammen mit den Nachbarschulen habe sie die Bitte an die VG gerichtet, eine Stelle für eine Sekretärin zu schaffen, die dann auch in Altleiningen und Carlsberg eingesetzt wird. Die Luitpoldschule in Hettenleidelheim bleibt außen vor, da sie als Ganztagsschule personell anders aufgestellt ist.
Was Dohn an der vor einigen Jahren sanierten Wattenheimer Schule gefällt, ist vor allem die familiäre Atmosphäre. „Absprachen sind unproblematisch. Jeder kennt jeden, es besteht ein sehr guter Kontakt zu den Eltern, die auch bei ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen mitwirken“, berichtet sie. Es gebe etwa eine feste Gruppe von Müttern und Vätern, die sich regelmäßig um den Schulgarten hinter der Turnhalle kümmert. Zudem leiteten nicht nur Kolleginnen, sondern auch Eltern verschiedene AGen. „Themen sind beispielsweise Handarbeiten, Yoga, Kochen, Schulgarten, Englisch und Bienen.“
Der Wald ist ein „großer Schatz“
Darüber hinaus gebe es einen rührigen Förderverein, schwärmt sie. Der helfe beispielsweise bei der Sportolympiade, bei der die Kinder in mehr Disziplinen als bei den klassischen Bundesjugendspielen antreten und auch in Gruppen und nicht nur allein Punkte sammeln können.
Auch die Nähe zum Wald „ist ein großer Schatz“, findet Dohn. Alle sechs Wochen gebe es Waldtage für die Schüler. Das Lernen mit vielen praktischen Erfahrungen sei sehr wertvoll. Aus diesem Grunde gab es im Frühling auch ein Projekt, bei dem Eier ausgebrütet wurden. „Natürlich hatte ich zuvor über einen Rundbrief geklärt, dass die Küken dann auch ein Zuhause bekommen werden“, erzählt die Pädagogin.
Die erste Schlüpfnacht nach 21 Tagen Brutzeit verbrachte sie in der Schule. Am Morgen kämpften sich dann weitere Hühnchen aus der Schale und die Kinder waren live dabei. „Das waren zauberhafte Momente“, findet Dohn. Drei Küken überlebten allerdings nicht. „Die haben wir in Servietten eingewickelt im Schulgarten begraben“, erzählt sie und verdeutlicht den Lerneffekt: „Abschiednehmen gehört auch zum Leben.“
Begegnungen auf Augenhöhe
Besonders wichtig ist der 50-Jährigen eine angstfreie Atmosphäre mit Begegnungen auf Augenhöhe. Deshalb führt sie auch das von ihrer Vorgängerin gegründete Kinderparlament gern weiter, das sie zudem im Sinne der Demokratiebildung begrüßt. In diesem Gremium treffe sie sich regelmäßig mit den Klassensprechern: „Da werden tolle Ideen entwickelt.“ Dass die Digitalisierung zunehmend Einzug in Klassenzimmer hält, findet Dohn grundsätzlich prima, hält aber eine Balance dieser Möglichkeiten mit klassischen Methoden des analogen Arbeitens für geboten.
Wesentlich seien auch ausreichende Bewegungsangebote und -anreize für die Jungen und Mädchen. Tägliches Joggen sei nicht nur der Ausdauer förderlich, sondern die frische Luft bringe auch das Gehirn in Schwung, sagt Dohn, die selbst gern läuft und radelt. Nicht zuletzt sollte die Natur- und Umweltbildung noch stärker in den Fokus genommen werden. Die baldige Rektorin möchte zum Beispiel den Schulgarten intensiver nutzen. Und das Unterrichtsklima durch den Einsatz ihres Hundes verbessern. „Tiere haben eine beruhigende Wirkung und es ist dann nicht so laut“, erklärt die Pädagogin. Von Charlys Anwesenheit im Raum profitierten insbesondere auch Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Ängsten.