Grünstadt Tierische Ungetüme

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Der Frage „ Wie lebendig ist totes Holz?“ gingen am Samstag 19 Kinder im Grundschulalter aus dem Raum Grünstadt und Eisenberg auf die Spur. Dazu eingeladen hatte der Naturschutzbund (Nabu) Eisenberg-Leiningerland. Auf dem naturbelassenen Grundstück am Battenberger Hang gingen die Nabu-Luchse, so nennt sich die Kindergruppe, auf eine Entdeckungsreise.

Schon der schmale, steile Aufstieg zum Gelände erwies sich als Abenteuer. Der Hang sei ganz früher mal ein Wingert gewesen, erzählen Susanne Bentz und Anita Bastian, die beide den Nabu Eisenberg-Leiningerland leiten. Später wuchsen da Obstbäume. Seit langem liegt das 1200 Quadratmeter große Grundstück brach. Es gehörte dem ehemaligen Ortsbürgermeister von Kleinkarlbach, Friedrich Geißler, der das Areal dem Nabu schenkte. Damit auch in Zukunft ein Stück Lebensraum für Pflanzen und Tiere erhalten bleibe. Jetzt waren die „Luchse“ die ersten, die den leicht terrassenförmigen „Berg“ , der eine ockergelbe Bodenfarbe hat, erkundeten. Zum Einstieg besingen die Betreuerinnen Laura Gold, Gisela Valentin, Ruth Wölke und Betreuer Hans Laabs mit den Vereinsleiterinnen und den 19 Kindern mit dem Reigen-Lied „Das Rad dreht sich rund und rund“ den Kreislauf der Natur. Neben alten Kirschbäumen stehen am Hang Esskastanienbäume, Hainbuchen oder Farne. Aus dem Unterholz lugen Liguster, Brombeerausläufer, Moose und Efeu hervor. Überall sprießt und grünt es. Leben entsteht. Ein aus dem Boden ragender, abgestorbener Kirschbaumstamm regt die Fantasie der Kinder an. Er sehe aus wie ein tierisches Ungetüm und sei „von jeder Seite anders“, stellt die neunjährige Jehona fest. Sogleich wird das „tote Holz“ untersucht, während Roman (sechs) die ersten Asseln, einen Mistkäfer und Tausendfüßler in einem Lupenglas präsentiert. Später wird das krabbelnde Getier wieder freigelassen. In kleinen Gruppen aufgeteilt lesen die Kinder Naturmaterialien wie abgefallene Baumrinden-Hülsen oder Farnwedel auf. „Kleine Hilfsmittel zum Basteln natürlicher Kunstwerke sind erlaubt“, meint Susanne Bentz. Die Betreuer haben extra Bast zum Binden, Holzkohle zum Bemalen, einen kleinen Eimer Lehm, Schere und Messer mitgebracht. Staunen verursachen einige Steine, die ausgiebig untersucht werden. „Das sind Reste der Blitzröhren, die aber nichts mit Blitzen zu tun haben, sondern Eisenausblühungen sind“, so Bentz. Etliche Kinder formen aus angehäuftem Laub, Kastanienschalen und Steinen ein Wildschwein auf den Boden. Andere haben einen Farnvorhang entstehen lassen. An einem anderen Platz ist aus Stöcken, Efeu, Blättern, Weidenruten – und mit etwas Vorstellungskraft – ein Motorrad entstanden. Maya (neun) hat mit Lehm und Blättern einen knorrigen alten Stamm begrünt. Jehona windete aus Farnwedeln einen Kranz , der wie ein kleines „Schmuckstück“ im kahlen Geäst aussieht. Echt gut geworden ist ein „Tipi“. Die Kinder sollen sich in Ruhe auf die Natur einlassen, sie fühlen, riechen, ertasten, dabei den Ideen und Gedanken freien Raum lassen, meinten die Betreuer während des Drei-Stunden-Ausfluges. So gehörte ein gemeinsames Picknick ebenso dazu wie die Feststellung, dass hier und da doch einiges nicht in die Landschaft passt. Plastikfetzen, Eisenschrott und alte Schuhe kommen in einen Müllbeutel. „So etwas gehört nicht hierher.“ Während ihre Werke rund um das tote Holz, das dennoch Leben in sich birgt, in der Natur verbleiben. (gsp)

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