Grünstadt „Schach mit Fäusten“
«Grünstadt.» Irland ist das Ziel von zehn Vertretern des Martial Arts Teams Pfalz, eines Zusammenschlusses des Grünstadter Martial Arts Sports Center von Marcel Ritter und Sven Magers Kickbox-Team aus Kirchheimbolanden. Ritter und seine Schützlinge nehmen ab morgen, Donnerstag, bis Sonntag, 3. März, an den Irish Open teil. Im vergangenen Jahr hat Ritter das Finale in der Klasse bis 84 Kilogramm gegen den US-Amerikaner Mathieu Williams gewonnen und den ersten Platz geholt (wir berichteten). Nun treten die Grünstadter Kickboxer erneut auf der grünen Insel an. Ritters Hauptdisziplin nennt sich Point Fighting. Dabei wird auf Zeit gekämpft, der Schiedsrichter unterbricht, sobald einer der Kämpfer getroffen wird. Wer die meisten Punkte macht, gewinnt. „Da geht es um Intelligenz, es ist viel Strategie dabei“, meint der 30-Jährige. „Schach mit Fäusten“ nennt es Andreas Lambrix, Pressewart der Grünstadter Kampfsportler. „Es ist dynamisch, schnell und sieht toll aus, wenn zwei Gute gegeneinander kämpfen“, sagt Marcel Ritter. Sieben große internationale Turniere der Kickboxer fänden übers Jahr verteilt statt, erzählt Ritter. Je nach Platzierung sammeln die Kickboxer Punkte bei den Turnieren, die am Ende die Rangliste bestimmen. „Die Irish Open sind das schwierigste und am meisten angesehene Turnier“, sagt der Kampfsportler. Es gebe rund 4000 Starts. Für das offene Turnier müsse man sich nicht qualifizieren, sondern nur anmelden – anders als bei der deutschen, Europa- und Weltmeisterschaft. Die Irish Open sind ein Turnier des Verbands Wako – kurz für World Association of Kickboxing Organisations. Dieser Umstand soll Qualität für die Kämpfe garantieren, wie Ritter berichtet. „Bei Wako-Turnieren tritt nur an, wer Ehrgeiz hat.“ Die Welt des Kampfsports ist voll von Verbänden und entsprechend vielen Titeln, die teilweise erschreckend einfach zu erlangen sind. „Wenn jemand ein Jahr lang trainiert und wird dann Weltmeister, dann stimmt irgendwas nicht“, meint Andreas Lambrix. Die Wako hingegen ist Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbunds und Ritter zufolge seit Ende vergangenen Jahres auch vorläufig vom International Olympic Comitee (IOC) anerkannt. Deshalb sei es sogar möglich, dass Kickboxen irgendwann olympische Disziplin wird. In den nächsten Jahren erwarte er das aber nicht. „Wenn es soweit ist, bin ich wahrscheinlich zu alt dafür“, sagt Ritter und lacht. Er wünsche sich aber, dass die Jugendlichen, die er heute trainiert, dann bei Olympia antreten. Das Risiko von Verletzungen sei beim Kampfsport nicht so hoch, wie man annehmen könnte. „Ich schätze, dass beim Fußball mehr passiert“, sagt Ritter. Er habe sich in seiner Karriere nur einmal einen Muskelriss zugezogen, als ein unerfahrener Kämpfer beim Training in England mit dem Knie gegen Ritters Oberschenkel sprang. Doch grundsätzlich seien die Athleten gut ausgebildet und wüssten, wie sie solche Unfälle vermeiden. Männer seien im Kampfsport derzeit noch in der Überzahl, er habe aber das Gefühl, dass die Anzahl der Frauen steige. „Gerade für Frauen ist es eine sehr schöne Sportart.“ So seien Mädchen oft beweglicher und hätten beispielsweise weniger Probleme bei hoch angesetzten Tritten. Als Neunjähriger habe er mit Kickboxen und Taekwondo angefangen – inspiriert durch alte Kampfsportfilme und die Teenage Mutant Ninja Turtles, erzählt Ritter und grinst. Zu Beginn habe er in Worms trainiert, dann in Ramstein. Unter anderem sei er als Jugendlicher Mitglied des deutschen Nationalteams gewesen. Er habe schnell gewusst, dass der Sport mehr als nur Hobby sei. Zwar absolvierte Ritter eine Ausbildung als Automobilkaufmann – aber eigentlich nur, um einen Plan B in der Hinterhand zu haben. „Das wussten auch meine Arbeitgeber.“ Seine Ausbilder hätten Verständnis gezeigt, ihm eine verkürzte Ausbildung ermöglicht und frei gegeben, wenn Ritter zu Turnieren und Seminaren fuhr. Heute versuche er, jeden Tag ein- bis zweimal selbst zu trainieren, jeweils eine bis anderthalb Stunden, erzählt Ritter. Einen Trainer habe er nicht. „Als Kind war ich unglaublich untalentiert“, sagt er lachend. Mit viel Ehrgeiz habe er sich durchgebissen. Eines seiner Idole sei der Italiener Gregorio di Leo gewesen, ein Weltmeister im Kickboxen. Als Jugendlicher hat Ritter an sein Vorbild geschrieben, wie er berichtet. Di Leo habe ihn kurzerhand zum Training nach Mailand eingeladen. Mehrfach habe er dann jeweils ein paar Tage bei dem Spitzensportler verbracht, erzählt Ritter. „Da habe ich viele Feinheiten gelernt.“ Nach diesem Konzept sei er weiter verfahren, habe bei bekannten Sportlern in England oder den USA trainiert. „Ich versuche, aus jeder Technik das Beste herauszuholen.“