Kirchheim Pfarrer lädt zum Gespräch über Erinnerungskultur ein
In beiden Veranstaltungen soll es um die Art und Weise gehen, wie in Kirchheim „des Vergangenen gedacht“ wird. Er selbst habe sich beim ersten Spaziergang durchs Dorf über das große Gebäude in der Hintergasse gewundert, schreibt Weber. Es sei einst eine Synagoge gewesen, worauf heute aber nichts mehr hindeute. Der jüdische Friedhof liege trostlos außerhalb des Dorfes, wo er ebenfalls kaum wahrgenommen werde. Dafür gebe es mitten in Kirchheim gleich drei Ehrenmale, die in ihrer Machart und auch von der Botschaft her für Weber nicht so recht in die heutige Zeit passen. Der Pfarrer findet es zudem bedauerlich, dass die Kinder mit der Gedenkstätte nur dann etwas anfangen können, wenn dort gerade der Osterhase zwinkert oder die Weihnachtskrippe steht. Er fragt: „Hase und Krippe vor einem Mal für gefallene Soldaten – ist das wirklich angemessen?“
Jedes Jahr werde am Ehrenmal auf dem Friedhof ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, der trotz aller Mühen von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Dabei sei sowohl das Gedenken an die einst große jüdische Gemeinde als auch an das an die Kriegstoten angesichts gegenwärtiger Entwicklungen wie der Rückkehr des Nationalismus in die europäische Politik und dem Krieg in der Ukraine mehr als aktuell. Es gelte, eine angemessene Sprache und einen angemessenen Umgang mit dem Thema zu finden, schreibt Weber. Es müsse allen bewusst sein, was die Aussage dessen ist, was im Dorf aus früherer Zeit meist unbeachtet herumstehe. Die Frage laute dann: Passt das so noch?
Mit der Verhüllung des Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs anlässlich des Überfalls auf die Ukraine sei ein erster Schritt gegangen worden, um über das Thema ins Gespräch zu kommen – und die Reaktionen seien durchweg positiv gewesen. An die Juden, die Jahrhunderte in Kirchheim lebten, erinnere aber immer noch nichts. Das muss sich ändern, findet Weber, und will deshalb über die Erinnerungskultur im Ort reden. Pfarrer Eberhard Dittus aus Neustadt, der Gedenkstättenbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz, sei ebenfalls vor Ort.