Bissersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Park-Knatsch rund ums Edelwinzer-Restaurant

Großes Schild vorm Hoftor: So zeigen die Halbstück-Betreiber ihren Gästen, wo sie parken sollen.
Großes Schild vorm Hoftor: So zeigen die Halbstück-Betreiber ihren Gästen, wo sie parken sollen.

In Bissersheim lockt das Lokal Halbstück betuchte Kunden von weither an. Nun schimpfen Einheimische: Statt 170 Meter zum Parkplatz zu laufen, blockieren Gäste enge Gassen.

Der Schreck steckt den Bissersheimern noch in den Knochen: Anfang Februar hat es mitten im Dorf gebrannt. Ausgebrochen war das Feuer im unbewohnten Hinterhaus der alten Schule. Weil dort Holz lagerte, fanden die Flammen reichlich Nahrung. Einsatzkräfte berichteten anschließend von extremer Hitze. Und davon, dass Nachbarhäuser nur knapp einer Katastrophe entgingen. Um sie zu schützen und die Flammen zu löschen, mussten die Wehren zum Beispiel über ein Dach hinweg Wasser spritzen – und dafür ein Drehleiter-Fahrzeug in Position bringen.

Kunden aus weitem Umkreis

Im verwinkelten Dorfzentrum ging das nur mit viel Rangiererei. Der Bissersheimer Beigeordnete und Feuerwehrmann Frank Pfaffmann sagt: „Wir hatten dabei Glück, dass es an einem Montag gebrannt hat.“ Denn da hat Knipsers Halbstück Ruhetag. Das Lokal im aufwendig sanierten Barockbau hat der Laumersheimer Edelwinzer Stephan Knipser vor gut zehn Jahren eröffnet. Und 2023 ist der Elsässer Spitzenkoch Christian Rubert dazugestoßen. Er betreibt hier ein Zwei-Küchen-Haus mit einer Brasserie und dem Feinschmecker-Restaurant.

Damit lockt das Halbstück zahlungskräftige Kunden aus weitem Umkreis. Die aber parken mit ihren Autos immer wieder umliegende Gassen zu, das jedenfalls beklagen Anwohner und Kommunalpolitiker. Nach dem Brand vor einigen Wochen ist die Kritik noch lauter geworden. Tenor: Wenn es während der Restaurant-Öffnungszeiten einen Notfall im Dorfzentrum gäbe, kämen größere Einsatzfahrzeuge nicht durch. Winzer Knipser allerdings zeigt sich von diesen Sorgen überrascht: „Bei mir hat sich da in letzter Zeit niemand gemeldet.“

Hinweis-Schild am Hoftor

Doch allzu viel können er und Koch Rubert ohnehin nicht tun. Immerhin hat das Restaurant einen eigenen Parkplatz gleich am Ortsrand, etwa 170 Meter vom Lokal entfernt. Vor dessen Hoftor wiederum verrät ein großes Schild den Kunden, wo ihre Autos während ihres Besuchs hingehören. Wenn sie das dann trotzdem ignorieren, können die Gastronomen sie höchstens noch darauf ansprechen. Und das wird auch gemacht, versichert Knipser. Außerdem merkt der Laumersheimer an: Man sieht es einem Fahrzeug nicht an, ob seine Besitzer tatsächlich Halbstück-Gäste sind.

Für die Halbstück-Gäste: Restaurant-Parkplatz am Bissersheimer Ortseingang.
Für die Halbstück-Gäste: Restaurant-Parkplatz am Bissersheimer Ortseingang.

Die Verbandsgemeinde Leinigerland signalisiert derweil: Zwar entdecken ihre Überwacher in Bissersheim immer wieder mal Autos, die im Halteverbot, auf einem Gehweg oder an Engstellen abgestellt worden sind. Aber ob diese Wagen dann jeweils Restaurant-Besuchern gehören, „ist nicht bekannt“. Außerdem habe es Parkverstoß-Meldungen aus dem Dorf bislang auch nur „vereinzelt“ gegeben. Und unterm Strich bleibe die Anzahl solcher Fälle überschaubar, obwohl auch unabhängig von konkreten Beschwerden regelmäßig Kontrollen stattfänden.

Parkverbot unterbrochen

Bissersheimer Kommunalpolitiker erklären sich diesen Befund damit, dass die Kontrolleure oft im falschen Moment anrückten: vor allem werktags sowie vor 16 Uhr. Und damit zu Zeiten, in denen im Restaurant noch nicht so viel los sei. Der Verbandsgemeinde-Sprecher allerdings widerspricht da deutlich, er versichert: „Kontrolliert wird sowohl an Wochenenden als auch in den Früh- und Abendstunden.“ Doch wann und wie oft ein Überwacher in Bissersheim vorbeikommt, bleibt geheim – da bittet die Verwaltung um Verständnis und schweigt.

Bürgermeisterin Kerstin Ort-Bausbacher bemängelt derweil, dass schon die Beschilderung im Halbstück-Umfeld nicht schlüssig sei. Vor der Kirche etwa ist das Parkverbot entlang der Hauptstraße für etwa eine Autolänge unterbrochen. Denn da erstrecke sich der gepflasterte Gehsteig mit einer Ausbuchtung bis über Kircheneigentum, sagt die Ortschefin. Und der Pfarrer dürfe einer Absprache zufolge etwa während der Gottesdienste dort seinen Wagen abstellen. Aber dieser Hintergrund sei für auswärtige Besucher natürlich nicht erkennbar.

Strafe in die Höhe treiben

Bei einem Rundgang mit Vertretern der Verbandsgemeinde soll nun erkundet werden, ob die Parkvorgaben in Bissersheim verschärft werden können. Außerdem hat die Bürgermeisterin mit einer gewissen Vehemenz bei der Verwaltung zusätzliche Kontrollen eingefordert. Und aus dem Rat heraus ist ihr nun empfohlen worden, vermehrt die Feuerwehr einzubeziehen. Die Idee dahinter: Die soll bescheinigen, dass Falschparker Rettungswege blockiert haben – und so die Strafe in die Höhe treiben.

Mehr zum Thema
x