Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Leiningerland: Alternativen zu Feuerwerk, Geschenkpapier und Fleisch

Feiern von Silvester in Zeiten des Klimawandels: Am besten für Tier und Natur ist es, wenn Raketen und Böller nicht gezündet wer
Feiern von Silvester in Zeiten des Klimawandels: Am besten für Tier und Natur ist es, wenn Raketen und Böller nicht gezündet werden. Foto: abf

Die trockenen Sommer, die zunehmenden Unwetter und nicht zuletzt die Jugend mit ihrer Fridays-for-Future-Bewegung zeigen: Wir sind mittendrin im Klimawandel. Bleibt die Frage, wie Menschen mit besonderer Beziehung zu Natur und Umwelt Weihnachten und Silvester feiern?

Anita Bastian aus Kerzenheim, Zweite Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Eisenberg-Leiningerland, hat Geschenke für ihre Familie „noch nie eingepackt“. Beim Kauf des Christbaums achtet die Biologin darauf, dass er nicht quer durch Europa gefahren wurde. „Früher haben wir ihn in Dannenfels selber geschlagen“, erzählt sie. In diesem Jahr hole sie ihn vom Kreuzhof in Eisenberg. Aus dem eigenen Garten oder „aus meinen Naturschutzaktivitäten“ stammt das Holz für den Kamin, der nur gelegentlich brenne. Zum Festtagsmenü erklärt sie: „In den letzten Jahren essen wir meist Wild aus dem Donnersbergkreis.“ Strikt abgelehnt werden von ihr Feuerwerke. „Es müsste eine Umweltsteuer auf die Böller eingeführt werden“, findet Bastian mit Blick auf die enorme Feinstaubbelastung und die Müllberge an Silvester. Außerdem schädige die Knallerei den Tieren: „Füchse und Biber können Gehörschäden erleiden, Vögel verlassen in Panik ihre Schlafplätze, fliegen dabei zehnmal höher als üblich. Dadurch werden Familienverbände auseinandergerissen und die Tiere verlieren Energie, die sie im Winter dringend benötigen.“

„Kaufen kein Feuerwerk mehr“

Jörg Berbalk, Geschäftsführer der Kunststoff Recycling Grünstadt GmbH, meint auch, dass auf Silvesterböller verzichtet werden kann und auch sollte. „Wir kaufen seit 20 Jahren keine Feuerwerkskörper mehr“, erzählt er. Anfangs habe er einfach dafür kein Geld ausgeben wollen, inzwischen sei der Klimaschutzgedanke ein zweiter wesentlicher Grund für ihn. „Da entstehen innerhalb weniger Minuten enorme Luftbelastungen. Das muss nicht sein“, so der 52-Jährige. Was aber an Heiligabend dazugehört, sei ein Stück Fleisch oder Fisch auf dem Teller. Das gönne sich seine Familie – ohne schlechtes Gewissen, „da meine Frau das ganze Jahr über fleischarm kocht“. Mit dem Hinweis auf die Klimaneutralität von Holz als Brennstoff wird im Hause Berbalk der Kamin im Winter genutzt. „Damit erzeugen wir etwa 30 Prozent der Wärme, die wir brauchen. Den Rest erledigt unsere neue Ölheizung“, erklärt der Groß- und Einzelhandelskaufmann. Um mit einem guten Gefühl jedes Jahr in der Region einen Christbaum schlagen zu können, „pflanzen wir seit über zehn Jahren alljährlich fünf Bäume“. Geschenke werden traditionell in Papier verpackt.

Zeitungspapier als Verpackung

Volker Bolay, Musiktherapeut aus Hertlingshausen, fühlt sich „als Gast auf dieser Welt“. Geschenke werden nur für Kinder bis zehn Jahre verpackt. „Dafür nehmen wir, gebunden mit einer einfachen Schnur, Zeitungspapier, auf dem etwas zu sehen oder zu lesen ist, das den Beschenkten interessieren könnte“, so der 68-Jährige. Ansonsten bleibe alles unverpackt, was immer wieder Anlass gebe, „nicht belehrend, sondern informativ über unsere begrenzten Ressourcen zu sprechen“. Der Christbaum werde in der näheren Umgebung besorgt. Auch das Holz für den Kamin besorgt Familie Bolay direkt im Dorf. Vor Jahren sei in einen Grundofen investiert worden, in dem der Holzbrand elektronisch gesteuert und die Abgase gefiltert werden. „Dieser regelmäßig gewartete Ofen beheizt unser komplettes Haus zu einem Drittel der Energiekosten, die die frühere Gasheizung verursacht hat.“ Reduziert worden ist auch der Fleischkonsum. „Dabei wird uns die Herkunft immer wichtiger. Fisch beziehen wir vom Eiswoog, Fleisch und Eier von den hiesigen Bauernhöfen.“ Komplett verzichtet wird auf Silvesterkracher – und zwar schon immer.

Lagerfeuer zum Jahreswechsel

Isabelle Behret, die Leiterin des Forstreviers Jerusalemsberg-Leiningerwald, entzündet zum Jahreswechsel ein Lagerfeuer in ihrem Garten. „Für die Kinder gibt es ein paar Knallerbsen und ich hole Wunderkerzen. Das war’s“, beschreibt sie ihre „Knallerei“ zum Jahreswechsel. Gans oder Pute zu Weihnachten „geht gar nicht. Wir halten selber Hühner“, sagt sie. Was zum Fest auf den Tisch kommt, entscheiden die Kinder. „Das kann dann auch mal Weihnachten mit Pfannkuchen oder selbstgemachten Burgern sein“, so Behret. Der Fleischkonsum sei eingeschränkt, „wobei wir versuchen, ganze Tiere zu kaufen und komplett zu verwerten“. Zum Heizen zieht die Försterin Holz aus dem heimischen Wald dem Öl vor, das die Alternative in ihrem Haus wäre. Den klassischen Christbaum ersetzen kleine Buchen, Fichten und Kiefern, die zu eng beieinander oder zu nah am Weg standen und deshalb aus dem Forst verschwinden mussten. „Die schmücken wir dann in unserem Wohnzimmer als Weihnachtswald.“ Geschenke werden oft in braunes Papier gewickelt, manchmal aber auch in bedrucktes. Behret meint: „Verzicht ist schwierig bei kleinen Kindern, da es ja schließlich um die Spannung beim Auspacken geht.“

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