Grünstadt Kein Bahnstreik beim Konzert

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„Wir streiken nicht, unsere Züge fahren“, kündigte die Erste Vorsitzende des Erste Akkordeon Orchesters Grünstadt, Annette Brenner, humorvoll ein Medley aus „Starlight Express“ an. Außer dem Melodien-Mix aus dem Musical von Andrew Lloyd Webber präsentierte das 1. AOG bei seinem Frühjahrskonzert am Samstag sieben weitere klassische und moderne Werke. Bei der Veranstaltung im Weinstraßencenter hatte auch der Nachwuchs Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen.

Auf der mit Blumen geschmückten Bühne im nahezu voll besetzten Saal spielten die sieben „Coolen Akkordeonzwerge“ die Pop-Suite „Open Air“ von Hans-Günther Kölz. Die Komposition besteht aus fünf Sätzen verschiedener Musikstile wie Rockblues, Irischer Tanz und Spanische Fiesta. Hochkonzentriert, teils mit etwas unsicherem, teils mit sehr selbstbewusstem Gesichtsausdruck, waren die Mädchen und Jungen bei der Sache. Die völlig unterschiedlichen Stimmungen und Rhythmen hatten sie ordentlich herausgearbeitet. Die Neun- bis Zwölfjährigen standen zum letzten Mal in dieser Formation im Rampenlicht, wie Moderator Arthur Hoffmann verriet: „Ab kommendem Jahr spielen sie bei den FunTastic Harmonists mit.“ Akkordeonzwerge werde es aber dank der Kooperation mit der Musikschule Leiningerland weiterhin geben. Mit Céline Dions bislang erfolgreichster Single, dem Song „My Heart Will Go On“ aus dem Katastrophenfilm „Titanic“, stieg das Jugendorchester nach der Pause ein. Das gut einstudierte Stück bereicherte Charlotte Riedel als Solistin an der Querflöte. Mit der gefühlvoll vorgetragenen Musik zu dem Kinoerfolg „Die fabelhafte Welt der Amélie“ ging es weiter. Schließlich sprang der berühmteste Agent der Welt vor dem geistigen Auge auf die Bühne – die FunTastic Harmonists gaben ein Potpourri aus James-Bond-Melodien zum Besten. Begleitet wurden die jugendlichen Akkordeonisten von Manuel Kistenmacher am Schlagzeug und Lisa Demmler am Keyboard. Beim 1. AOG hält seit Jahren Sascha Eckhard die Sticks in der Hand. An den Tasten des elektronischen Klaviers saß wie immer Jürgen Weil, der auch für die Ton- und Lichttechnik verantwortlich zeichnete. Zum Auftakt des Abends hatte das Orchester Höhepunkte aus Werken Giuseppe Verdis präsentiert. Zu hören waren Passagen aus seiner ersten Oper „Rigoletto“, der Gefangenenchor aus „Nabucco“ sowie der bekannte Triumphmarsch aus „Aida“. Kontrast dazu war das schwedische Gute-Laune-Liedchen „Sommersäng“ (Wilhelm Peterson-Berger), dem die abwechslungsreiche „Rhapsodia“ von Robert Finn folgte – eine wahre Herausforderung, die mit winzigen Schönheitsfehlern gemeistert wurde. Das Publikum wurde dabei auf eine emotionale Abenteuerreise entführt – von zärtlich verträumt bis klanggewaltig aufwühlend. Locker-leicht kam dann wieder „La pulce d’acqua“ aus der Feder von Angelo Branduardi daher. Zum fröhlichen Spiel der Musiker sah man den Wasserfloh regelrecht springen. Ob er auch den Walzer zum Tanz „Donauwellen“ des Rumänen Iosif Ivanovici hinbekommen hätte, der 1889 bei der Weltausstellung in Paris uraufgeführt wurde und den das 1. AOG jetzt gekonnt in Grünstadt vortrug? Um 1930 schrieb Cornell Smelser „Accordion Joe“. Bei dem mitreißenden Swing übernahmen Thomas Schneider und Jürgen Weil die Melodieführung. Jazzig ging es mit Ausschnitten aus dem Soundtrack des Films „Die Glenn Miller Story“ weiter, wobei mit „Chattanooha Choo Choo“, das Miller 1941 aufnahm und das auch als „Sonderzug nach Pankow“ durch Udo Lindenberg berühmt wurde, die Überleitung zu „Starlight Express“ gelang. Eine kleine rote Lokomotive am Bühnenrand setzte sich in Bewegung, fuhr auf und ab, während auf dem Parkett über ihr mit einer großen Portion Humor und sehr viel Engagement auf den Akkordeons von der Weltmeisterschaft der Züge in Webbers Musical berichtet wurde. Dirigentin Nadeshda Schmidt, die alle drei Orchester leitete, gab noch einmal alles. Das Publikum war begeistert und erklatschte sich rhythmisch zwei Zugaben.

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