Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Grünstadts Anfänge: So könnten sie gewesen sein

Volker Gütermann als Grindeo: Er wird die Hauptrolle bei dem Stück spielen.
Volker Gütermann als Grindeo: Er wird die Hauptrolle bei dem Stück spielen.

Vor 1150 Jahren soll Grindeo, der Frankenführer, Grünstadt gegründet haben. Die Musikschule hat aus seiner Geschichte eine Aufführung gemacht, die emotional berühren soll.

Wer war dieser Mann, auf den ganz Grünstadt zurückgehen und von dem es seinen Namen haben soll? Wie hat er gelebt, was hat ihn ausgemacht? Viel ist nicht bekannt, viele kannten Grindeo nicht einmal, bestätigt Richard Martin, Leiter der Musikschule Leiningerland, und schmunzelt. Zwar steht eine geschnitzte Holzskulptur im Stadtmuseum, aber zuordnen konnte sie offenbar kaum einer. Genau das wollte Martin ändern. Zwar fußt die Gründungsgeschichte Grünstadts auf einer Legende, für die es keine schriftlichen Belege gibt, aber wieso nicht eine erfinden, die Grindeo Leben einhaucht? Zum 1150. Bestehen der Stadt hat Martin eine Aufführung über den Frankenführer in Auftrag gegeben, die ihn menschlich machen soll.

Zwei Jahre Vorplanung

Die Idee dazu spukte ihm bereits vor zwei Jahren im Kopf herum, als er sich damit beschäftigte, was die Musikschule zum Stadtjubiläum beitragen kann. Da Schüler und Lehrer bereits Erfahrung mit Musicalaufführungen oder anderen aufwendigen Auftritten haben, sei ihm die Idee gekommen, sich an den Gründer Grünstadts heranzuwagen. Eckpunkte und Hinweise zu dessen Leben gibt es zwar, aber eben wenige.

Vor diesem Hintergrund holte Martin, ganz der Dirigent, ein Team ins Boot, das sich kreativ austoben durfte. Hinter dem Drehbuch stecken drei Abiturienten, die sich während der Sommerferien vergangenes Jahr die Zeit nahmen, um den Text zu verfassen. Für die Musik fragte Martin Evgeni Orkin, Klavierlehrer und europäischer Kompositionspreisträger. Seit Anfang dieses Jahres liegt alles vor. Als nächstes musste er Darsteller finden: 15 von ihnen werden auf der Bühne stehen, wobei Volker Gütermann die Hauptrolle übernimmt.

Wormser Nibelungenspiele als Vorbild

Nun geht es an die Proben – und die Aufnahmen. Denn auch ein Video, das auf einem großen LCD-Bildschirm das Stück begleitet, gehört dazu. Was pompös klingt, soll aber letztlich das Gegenteil sein, verrät Martin, der sich an den Wormser Nibelungenspielen orientiert hat. Die Gruppe setzt auf Minimalismus. „Es soll viel im Kopf passieren“, sagt der Musikschulleiter.

Die Proben der Musiker laufen auch bereits auf Hochtouren.
Die Proben der Musiker laufen auch bereits auf Hochtouren.

Bestenfalls, so sein Ziel, spielen Orchester, Video und Schauspiel zusammen, begleitet von den beiden Vorleserinnen Elisabeth und Ruth Mell, wobei auch eine von ihnen digital eingespielt wird. Knapp 100 Menschen, allein etwa 50 Musiker und Musikschüler, sind in das Stück involviert, das bei gutem Wetter zweimal auf dem Schulhof des Leininger-Gymnasiums in Grünstadt gezeigt wird. Auch für Regen, so Martin, gebe es eine Variante. Damit steht dem Tag nichts mehr im Weg.

Jugendliche lernen Selbstwirksamkeit

Doch wie gehen die vielen Jugendlichen mit dem Stress um? „Sie sind sehr motiviert“, sagt der Musikschulleiter. Zwar haben sie die Ferien gebraucht, um sich etwas zu erholen, aber hätten so viel Spaß an der Sache, dass ihnen die Zeit und Arbeit nichts ausmachen, so sein Eindruck. Diesen Effekt habe er bereits bei der Harry-Potter-Aufführung im vergangenen Jahr wahrgenommen, was ihn selbst darin bestätigt habe, Grindeo auf die Bühne zu bringen.

Denn ein solches Großprojekt schaffe es nicht nur, das Team zusammenzuschweißen, sondern auch die Freude am Instrument zu wecken. Darüber hinaus hat Martin einen pädagogischen Ansatz, denn das Mitmachen bei einem Stück dieser Größenordnung ermögliche es Jugendlichen und Kindern, ihre Fertigkeiten zu stärken – über Klavier, Trompete und Co. hinaus. „Es hat einen sozialisierenden Effekt“, ist Martin überzeugt. Vom Ergebnis wiederum sollen die Grünstadter profitieren, die auf unterhaltsame Art ihren Stadtgründer kennenlernen.

Wie genau das passieren soll, lässt Martin offen, aber er verrät: Es wird um emotionale und moderne Elemente gehen, zum Beispiel Vater-Sohn-Konflikte, Liebesbeziehungen und Religionsbezüge, aber auch den Klimawandel. Drei Stunden etwa erwarten die Zuschauer mit Grindeo, der bereits fleißig probt und schon in wenigen Wochen Grünstadt gründen wird.

Termin

Die Aufführung „Grindeo – der Namensgeber einer Stadt“ findet am Samstag, 13. September, um 15 und um 19 Uhr im Leininger-Gymnasium in Grünstadt statt. Karten müssen vorab online reserviert werden unter musikschule-leiningerland.de/termine/

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