Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Grünstadt: Marie Lacrosse stellt dritten Band ihrer Weingutsaga in Buchhandlung Frank vor

Marita Spang veröffentlicht ihre Weingut-Reihe unter dem Pseudonym Marie Lacrosse.
Marita Spang veröffentlicht ihre Weingut-Reihe unter dem Pseudonym Marie Lacrosse. Foto: Paul

Vor einigen Wochen ist der dritte und abschließende Band der Weingut-Saga von Marie Lacrosse erschienen. Die Autorin stellte ihn sowie die beiden vorherigen Bände in ihrer Lesung am Donnerstagabend in der Buchhandlung Frank in Grünstadt vor.

Dass Marita Spang, die die Weingut-Reihe unter dem Pseudonym Marie Lacrosse veröffentlicht hat, seit vielen Jahren als Unternehmensberaterin tätig ist, zeigte sich schon daran, dass sie die Leitmotive der einzelnen Bände anhand einer professionellen Power-Point-Präsentation darstellte. Da fast niemand im Publikum bereits alle drei Bände gelesen hatte, begann sie folgerichtig mit Band eins und der Vorgeschichte. Leitmotiv sind die Arbeitsbedingungen der Dienstmädchen im 19. Jahrhundert. Ihre Hauptperson Irene kommt in einer Gebäranstalt zur Welt. Damit bezeichnete man damals ein Haus, in dem ledige Mütter ihre Kinder anonym zur Welt bringen konnten und diese anschließend in einem Waisenhaus aufwuchsen. Irene kommt im Alter von 15 Jahren als Dienstmädchen in den Haushalt des Weingutbesitzers Wilhelm Gerban. Dort lernt sie Franz, den jungen Herrn des Hauses kennen. In der ersten Szene, die die Autorin aus dem Buch liest, ist Irene bereits vier Jahre im Haushalt tätig und darf inzwischen auch bei Tisch servieren.

Schwangere Dienstmädchen landen auf der Straße

Das typische Dienstmädchen kam im 19. Jahrhundert vom Land in die Stadt und verdingte sich dort für Kost, Logis und Lohn. Im Jahr 1870 verdiente ein Dienstmädchen 180 Mark im Jahr. Die Verpflegung war meist schlecht und die Unterbringung mehr als bescheiden. Die jungen Frauen mussten bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten und hatten jeden zweiten Sonntag drei Stunden frei. Urlaub gab es keinen. Totale Kontrolle über die Dienstmädchen hatten die Herrschaften durch das Gesindebuch, in das alle Verstöße eingetragen wurden. Hinzu kommt der sexuelle Missbrauch durch den Dienstherrn oder ein männliches Mitglied des Haushalts, der nicht selten vorkam. Schwangere Dienstmädchen wurden auf die Straße gesetzt und ihrem Schicksal überlassen, das entweder aus Fabrikarbeit oder Prostitution bestand.

Irene und Franz verlieben sich ineinander, doch da bricht der Deutsch-Französische Krieg aus und Franz, dessen Mutter Französin ist, kämpft als französischer Freischärler. Irene, die von Franz schwanger ist, flieht aus Weißenburg. Ein weiteres wichtiges Leitmotiv in Band eins ist der Krieg, der im Elsass und der Pfalz viele Familien auseinander riss.

Arbeiterbewegung und Schicksalsschläge

In Band zwei „Aufbruch in ein neues Leben“ findet Irene Arbeit in einer Lambrechter Textilfabrik. Ihren kleinen Sohn Fränzel gibt sie dort in einer sogenannten Stillstube ab. Bald merkt Irene, dass sich nicht alle Mütter um ihre Kleinen kümmern, so wie Magda, die von ihrem Vorarbeiter mit Schlägen daran gehindert wird, nach ihrem Säugling zu schauen. Damit das Kind viel schläft, gibt sie ihm mit Branntwein getränkten Zucker. Irene machen diese Zustände sehr wütend und sie beschließt, sich für die Frauen zu engagieren. Nachdem Franz im Krieg einen Unterschenkel verloren hat, macht er sich auf die Suche nach Irene. Er übernimmt von seinem Vater das Weingut und verhindert durch Innovationen den bevorstehenden finanziellen Ruin.

Das Paar findet sich wieder

Im dritten Band „Tage des Schicksals“ finden sich Franz und Irene wieder, sie heiraten und bekommen Zwillingsmädchen. Franz wird ein erfolgreicher Geschäftsmann und lässt sich in den Reichstag wählen. Irene, die nun ins Bürgertum aufgestiegen ist, fühlt sich zunehmend unausgefüllt und versucht, mit Hilfe alter Kontakte aus ihrer Zeit als Fabrikarbeiterin ihre Tätigkeit für die Frauenrechte wieder aufzunehmen. Franz steht diesem Ansinnen eher skeptisch gegenüber, aber Irene lässt sich nicht von ihren Plänen abbringen. Sie nimmt Kontakt zu der Bekannten Arbeiterführerin Gertrud Guillaume-Schack auf, die 1886 die erste Arbeiterinnenzeitung „Die Staatsbürgerin“ gegründet hat, die ein halbes Jahr später wieder verboten wurde. Auch August Bebel, der 1869 das Buch „Die Frau und der Sozialismus“ veröffentlicht hat, begegnet Irene persönlich. Ihre erste öffentliche Rede vor 300 Frauen und einigen Männern wird ein großer Erfolg. Während Irene völlig im Kampf für die Frauenbewegung aufgeht, erleidet das Weingut ein schwerer Schicksalsschlag. „Mit Katastrophen in großen Firmen kenne ich mich aus“, sagt die Autorin schmunzelnd, „meist stecken persönliche Befindlichkeiten dahinter.“ Am Ende der Lesung bedankt sich das Publikum bei der Autorin für die vielen Informationen mit herzlichem Applaus. „Das war die letzte Lesung in diesem Jahr“, lässt Monika Strefler von der Buchhandlung Frank die Gäste wissen, „im Februar wird es weitergehen.“

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