Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Gold-Fieber in Grünstadt: Wenn Omas Ring plötzlich ein Vermögen wert ist

Goldhändler Claudius Rose in seinem Grünstadter Laden.
Goldhändler Claudius Rose in seinem Grünstadter Laden.

Claudius Rose betreibt in Grünstadt einen Goldankauf. Mit Silke Bauer spricht er über Schmuck als Wertanlage, falsches Gold und Kunden, die sich verdächtig verhalten.

Herr Rose, warum ist Gold so begehrt?
Das Vertrauen der Bürger ins Finanzsystem wird immer weniger; die Leute verlassen sich lieber auf Gold. Es ist ein Edelmetall, das historisch angesehen ist. Schon zu Jesus’ Zeiten war es ein Zahlungsmittel, und das ist bis heute so geblieben.

Wenn Donald Trump abends mal wieder dummes Zeug redet, rennen Ihnen die Leute dann am nächsten Tag die Bude ein, um ihr Gold zu verkaufen?
So direkt kann man das nicht sagen, aber Trump hat schon viel damit zu tun, dass der Goldpreis gerade durch die Decke geht. Asien hat aber auch einen großen Einfluss darauf. Die Asiaten kaufen extrem viele Reserven auf, und die sind dann weg vom Markt. Die geben das Gold nämlich nicht mehr her. Doch warum der Goldpreis gerade dermaßen stark explodiert, das frage sogar ich mich. Vor zwei Jahren jedenfalls lag der Goldpreis bei der Hälfte des jetzigen Stands.

Also ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, nicht nur das Anlagegold zu verkaufen, sondern auch Omas alten Goldschmuck?
Wenn er sowieso nur in der Schublade rumliegt, dann kann man ihn auch verkaufen, und dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Für eine kleine Handvoll gibt es schon viel Geld. Natürlich spielt aber auch die Reinheit des Goldes eine Rolle.

Goldbarren und Münzen sind eine gute Wertanlage, klar. Aber gilt das auch für Schmuckstücke?
Ja, Schmuck ist auch eine gute Wertanlage. Man kann ihn noch dazu anziehen und sich daran erfreuen. Allerdings müssen die Leute bedenken: Wenn sie ein Schmuckstück kaufen, zahlen sie auch die Handwerkerarbeit und die Händlerprovision mit. Bei mir bekommen die Leute nur den reinen Materialwert ausgezahlt. Anders ist das bei Uhren und Schmuck von bekannten Marken.

Was passiert mit dem Gold, das Sie kaufen?
Ich verkaufe es weiter an die Scheideanstalt, und die schmelzen es ein und stellen daraus Goldbarren her. Es gibt aber auch handelsfähige Waren wie Goldbarren und Münzen, die werden von der Scheideanstalt dann anders behandelt.

Tut es Ihnen nicht weh, einen schönen alten Ring einschmelzen zu lassen?
Es kommt schon mal vor, dass ich das schade finde. Aber es lohnt sich nicht für mich, die Sachen auf Auktionen zu verkaufen oder einen Onlineshop zu erstellen.

Was passiert mit eingearbeiteten Diamanten und anderen Edelsteinen?
Gute Steine werden rausgenommen. Die anderen werden mit eingeschmolzen.

Wie erkennt man gefälschtes Gold?
Mit dem bloßen Auge ist das sehr schwer zu erkennen. Und weil der Goldpreis so hoch ist, kursieren derzeit sehr viele Fälschungen. Es gibt verschiedene Tests.

Welche denn?
Für den Abriebtest gibt es spezielle Steine. Man reibt das Gold kräftig über den Stein.

Macht man da nichts kaputt?
Nein, da passiert nichts, und es gibt da auch keinen Gewichts- oder Wertverlust. Jedenfalls bleibt da ein Abrieb stehen. Bei einer billigen Fälschung ist direkt erkennbar, dass es kein Gold ist, weil der Abrieb weiß ist. Die Schmuckstücke fühlen sich auch einfach anders an als Gold, eher wie Stahl. Es gibt aber auch sehr gute Fälschungen, bei denen ein billiges Metall mehrfach vergoldet wurde. Man nennt das Hartvergoldung. Da hilft der Abriebtest allein nicht.

Was machen Sie dann?
Säuretests. Man schaut sich die Punze an, also den Goldstempel, der anzeigt, ob es sich um acht-, 14-, 18- oder 24-karätiges Gold handelt. Für jedes Gold gibt es eine Prüfsäure, die auf den Abrieb getröpfelt wird. Verfärbt sich der Abrieb dunkel, ist das Gold nicht so hochwertig wie angegeben.

Einmal kräftig reiben: Mithilfe des Prüfsteins lässt sich Falschgold erkennen.
Einmal kräftig reiben: Mithilfe des Prüfsteins lässt sich Falschgold erkennen.

Versuchen die Leute oft, Ihnen Falschgold unterzujubeln?
Die Leute bringen das häufig, aber sie wissen nicht, dass es kein echtes Gold ist. Davon unabhängig gibt es aber manchmal verdächtige Kunden. Es kam hier mal ein Ehepaar rein, das mir ziemlich viel Gold verkaufen wollte. Mit dem Gold war auch alles in Ordnung, es war rund 4000 Euro wert. Die beiden haben sich aber seltsam verhalten, sie waren ziemlich unter Zeitdruck, und sie haben sich ständig verstohlene Blicke zugeworfen. Sie konnten mir auch keine richtige Antwort darauf geben, woher das Gold stammte. Das kam mir spanisch vor. Als ich ihre Ausweise sehen wollte, wollten sie die nicht rausrücken. Sie haben mich gefragt, ob ich willens wäre, ihnen 500 Euro weniger zu zahlen und dafür auf den Ausweis zu verzichten. Da sind alle meine Alarmglocken angegangen. Ich habe sie weggeschickt. Den Schuh ziehe ich mir nicht an, da verdiene ich lieber nichts.

Wie kamen Sie eigentlich zu Ihrem Job?
Mein Onkel hatte einen Goldankauf. Schon als kleiner Junge habe ich ihm immer über die Schulter geschaut und bin da so reingewachsen. Mir gefällt die Arbeit mit den Edelmetallen und der Kontakt mit den Kunden. Man lernt so viele verschiedene Menschen kennen und erfährt viel über sie.

Wer schaut denn so alles bei Ihnen im Laden vorbei?
Das ist komplett unterschiedlich. Eigentlich Leute jeden Alters, aus allen gesellschaftlichen Schichten.

Und was wollen sie verkaufen?
Anlagegold, Münzen, alten Schmuck, Zahngold ...

Samt Zähnen?
Ja, das kommt vor. Die Leute bringen ihre Zahnarzttüten mit, und manchmal klebt an den Zähnen noch altes Blut dran. Da trage ich dann immer Handschuhe. Das Gold wird dann in der Werkstatt aus den Zähnen rausgeprügelt (lacht).

Gibt es auch Kunden, die dringend auf das Geld angewiesen sind?
Es gibt schon traurige Erlebnisse. Ab und zu kommen Leute, die ihre Eheringe verkaufen müssen, weil die Waschmaschine kaputtgegangen oder die Miete fällig ist. So etwas geht mir sehr zu Herzen.

Zur Person

Claudius Rose (25) lebt in Jockgrim im Landkreis Germersheim. Seinen Goldladen in der Grünstadter Fußgängerzone hat er im April 2025 eröffnet.

x