Grünstadt Gleis-Ölung läuft nicht wie geschmiert
„Verbessert hat sich bislang überhaupt nichts. Im Gegenteil: Man könnte meinen, das Kreischen der Züge sei sogar noch schlimmer geworden.“ Grünstadter Bahnhofsanlieger wie Dieter Berzel sind derzeit bitter enttäuscht von der neuen Gleis-Schmieranlage.
Sechs Wochen nach deren Inbetriebnahme quietschen die Lintzüge unvermindert laut und oft auf den Gleisbögen des Grünstadter Bahnhofs. Gestern nun hat ein Sprecher der Bahn AG auf Anfrage der RHEINPFALZ den Grund für den bisherigen Nulleffekt genannt: „Die Anlage arbeitet nicht ordnungsgemäß.“ Dies sei „bei der Effektmessung vom 16. bis 18. Oktober festgestellt“ worden, teilte der Bahnsprecher für Lärmschutz und Umweltkommunikation auf mehrmalige RHEINPFALZ-Nachfrage mit. Nachdem die Projektleitung der Bahn die Herstellerfirma der Schmieranlage über den Fehler informiert hatte, arbeite das Unternehmen derzeit an einer Lösung. „Vorbehaltlich der erforderlichen Sperrpausen sowie der technischen Abnahme wird voraussichtlich im November der Einbau einer neuen beziehungsweise überarbeiteten Anlage erfolgen“, so der Bahnsprecher. Erste Messungen seien im ersten Quartal des kommenden Jahres möglich. Durch die momentane Verzögerung werde sich die – bis im Jahr 2020 laufende – Testphase der Gleis-Schmiereinrichtung in Grünstadt aber nicht verlängern, informierte die Bahn: „Der Ausbau ist für 2020 vorgesehen, allerdings besteht bei einer entsprechenden Wirksamkeit die Möglichkeit, dass die Anlage dauerhaft verbleibt.“ Wie berichtet, wird die neuartige Schmieranlage gegen das Kurvenquietschen in Grünstadt über das Projekt I-Lena erprobt. I-Lena ist ein bundesweites Projekt, bei dem das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Bahn neu entwickelte Lärmschutztechnologien in der Praxis testen. Die Kosten dafür trägt weitgehend der Bund; für die Projekte in Grünstadt und Freinsheim – dort werden Schmieranlage und Schienendämpfer getestet – werden etwa sechs Millionen Euro für Messungen, Inbetriebnahme und Auswertung zur Verfügung gestellt. Das Grünstadter Kurvenkreischen resultiert aus der Unfähigkeit der seit drei Jahren bei uns eingesetzten Lintzüge, enge Gleisbögen so zu durchfahren, dass nicht Metall auf Metall reibt. Dadurch entsteht dieses hochfrequente Quietschen, über das sich Anlieger des Grünstadter Bahnhofs seit der Einführung der Lintzüge beschweren. Sie beklagen inzwischen das Kreischen fast aller der täglich 76 passierenden Züge. So ist für Klaus Heidenreich „das Zischen und Kreischen der Räder bis in die Nacht und in der Frühe ab 4 Uhr morgens noch schlimmer geworden: neuerdings bei einer Vielzahl der Züge darüber hinaus gekoppelt mit einem schweren dumpfen Rumpeln der Fahrgestelle“. Auch seine Hoffnung auf die neuartige Lärmschutztechnik ist auf dem Nullpunkt. Hatte die Projektleitung bei der offiziellen Inbetriebnahme der Schmiereinrichtung darüber informiert, dass mit einer Wirkung nach drei, vier Wochen zu rechnen sei. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Anlage einwandfrei arbeitet. Insgesamt sechs Düsen sollen ein Gleis von innen mit Spezialöl besprühen. Über einen Sensor wird der Sprühvorgang so getaktet, dass sich die Düsen bei jeder fünften durchfahrenden Achse öffnen. Gerade über die spezielle Dosierung soll eine möglichst große Wirkung erreicht werden. Diese ist bislang jedoch gänzlich ausgeblieben. Das belegen sowohl die Beobachtungen der Anlieger als auch die Messungen der Bahn.