Grünstadt Geheimnisse hinter Klostermauern
Irland ist der Schauplatz eines brutalen Mordes in Jo Spains bemerkenswertem Krimidebüt „Tu Buße und stirb“. Das Buch ist Thema dieser neuen „Crime Corner“-Folge.
Tag Eins. Es ist der 10. Dezember und auch im Hause Reynolds sind die Gedanken auf das bevorstehende Weihnachtsfest gerichtet. Das Klingeln an der Haustür durchbricht diese eher friedlichen Planungen. Der Partner von Tom Reynolds bringt keine guten Neuigkeiten. In einem Park in der Stadt ist die Leiche einer Frau aufgefunden worden. Das allein ist schon schrecklich genug. Doch die Tote ist inszeniert worden, gekreuzigt und an einen Baum genagelt. Die ersten Ermittlungen von Tom Reynolds, Inspector beim NBCI, dem National Bureau of Criminal Investigation in Dublin, ergeben, dass es sich bei der alten Frau um eine Nonne handelt. Binnen vier Tagen spielt diese überaus spannende, geschickt verwickelte Geschichte. Jo Spain liefert in ihrem Debüt, das es gleich auf die Shortlist eines angesehenen irischen Buchpreises schaffte, einen komplexen Fall. Zwei voran gestellte kurze Passagen liefern dem Leser hinsichtlich der Hintergründe gleich Orientierung. Die eine erzählt, wie einer Frau nach der Geburt ihres Kindes im Jahr 1975 eben dieses weggenommen wird. Die zweite ist im Jahr 2010 angesiedelt und handelt von einer Person, die Rache schwört und offenkundig an einem Plan arbeitet. Wie sich diese Vorkommnisse später tatsächlich in die Geschichte einfügen, sei hier noch nicht vorweg genommen. Offenkundiges, etwa der Verdacht der Ermittler, es handele sich um einen Ritualmörder, findet in den weiteren Erkundigungen keine Entsprechung. Die Spur führt vielmehr in ein einsam gelegenes, schauriges Kloster. Der Roman liest sich wirklich flüssig, und wer parallel jetzt in der Vorweihnachtszeit vom 10. bis 13. Dezember dies als kleinen literarischen Adventskalender-Ausschnitt lesen will, ist damit bestens beraten. Intelligent ist diese Geschichte aufgebaut, was seine Ursache aber auch in ausführlichen Recherchen zum Thema Magdalenenheime beziehungsweise Mutter-Kind-Heime seitens der Autorin hat. Einer Problematik, unter der auch ihr eigener Vater gelitten hat. So mögen die Motive zum Abfassen des Romans vielleicht sehr privat gewesen sein. Für die Leserschaft stellt sich dieser Umstand als Glücksfall dar. „Tu Buße und stirb“ ist ein ausgeklügelter Kriminalfall mit einem differenzierten Ermittlungsteam. Da in diesen Tagen die Vorschauen der Verlage für die erste Hälfte des Jahres 2018 erscheinen, lässt sich schon mit Freude vermelden, dass es mit der Reihe um Tom Reynolds weiter gehen wird. Ende April erscheint „Fürchte, was du begehrst“. Und das ist dann wie Weihnachten: Vorfreude ist doch die schönste Freude. Lesezeichen Jo Spain: Tu Buße und stirb. Lübbe 2017, TB, 541 Seiten, 10 Euro.