Grünstadt Gefährliches Gespann

Voll beladen: Kleinbus mit Anhänger.
Voll beladen: Kleinbus mit Anhänger.

Am Mittwoch um 13.10 Uhr haben Beamte der Polizeiautobahnstation Ruchheim auf dem Gelände der Tank- und Rastanlage Wattenheim an der A 6 eine in Großbritannien zugelassene Fahrzeugkombination kontrolliert. Das Gespann bestand aus einem Kleinbus und einem Anhänger, auf dem ein kleinerer Anhänger stand, und diente der illegalen Beförderung von Personen und Paketen. Die Weiterfahrt wurde untersagt und die transportierten Dinge sichergestellt.

Der Leiter der Autobahnpolizei, Holger Bambach, erzählt: „Bereits seit längerer Zeit beobachten wir, dass überwiegend osteuropäische Fahrzeugkombinationen wie Buslinien zwischen England und Rumänien oder Bulgarien pendeln.“ Offensichtlich gebe es einen großen Markt dafür. „In Großbritannien haben viele Osteuropäer Jobs, beispielsweise als Erntehelfer, Lkw-Fahrer oder Putzfrau, und es entwickeln sich immer mehr Kurierdienstlinien“, weiß der Beamte. Das Problem daran ist vielschichtig. Die Autos seien teilweise in schlechtem technischen Zustand, nicht versichert und die Fahrer mitunter nicht im Besitz des richtigen Führerscheins. Transportiert werde alles, „unter anderem auch Fleisch ohne entsprechende Kühlung“. Auf dem Weg nach Großbritannien werden laut Bambach häufig Zigaretten geschmuggelt, weil Rauchwaren auf der Insel extrem teuer seien. „Kontrollieren wir diese Kurierdienste auf dem Weg nach Osteuropa, finden wir oft gestohlene Ware“, sagt der Dienststellenleiter. Die gegen Entgelt unzulässigerweise beförderten Menschen würden den kontrollierenden Beamten oft als Freunde oder Verwandte vorgestellt. „Nur passen die Namen nicht zusammen und die Leute können in der Regel nicht ihren Sitznachbarn benennen“, erzählt Bambach. Im Gespann, das in Wattenheim angehalten wurde, saßen neben Fahrer und Beifahrer sechs Rumänen. Hinter ihnen stapelte sich lose das Gepäck. „Die Ladung war überhaupt nicht gesichert“, sagt der Kripobeamte. Bei einer scharfen Bremsung oder gar einem Unfall würden die Pakete aber zu lebensgefährlichen Geschossen. Der aufgeladene Anhänger war ebenfalls voll beladen, doch neben der fehlenden Genehmigung für die Personenbeförderung im grenzüberschreitenden Gelegenheitsverkehr lag auch keine Erlaubnis für den gewerblichen Gütertransport vor. Gegen die beiden verantwortlichen Fahrer sowie den Unternehmer wurden Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Personenbeförderungsgesetz, das Güterkraftverkehrsgesetz und die Sozialvorschriften eingeleitet. Die Weiterfahrt wurde untersagt, die transportierten Dinge sichergestellt. Es wurden Sicherheitsleistungen in Höhe von 16.000 Euro erhoben. Erst wenn dieser Betrag entrichtet wird, erhalten die Leute die Gepäckstücke zurück, die sie jedoch erst weitertransportieren dürfen, wenn sie verkehrstüchtige Fahrzeuge besorgen und die Ladung einwandfrei sichern. Diese 16.000 Euro sind laut Bambach bereits anstandslos bezahlt worden. Er wundert sich darüber: Er frage sich, wie sich das ein Kleinunternehmer leisten kann – bei den niedrigen Monatslöhnen in Osteuropa. Der Kriminalhauptkommissar sagt, dass die Autobahnpolizei inzwischen verstärkt ihr Augenmerk auf solche Fahrzeugkombinationen legt, weil immer mehr von ihnen unterwegs seien. Eine Anzahl kann er jedoch nicht nennen. Er könnte sich allerdings vorstellen, dass diese illegalen Buslinien nach dem Brexit weniger werden, weil dann die Freizügigkeit wegfällt und vielleicht nicht mehr so viele Osteuropäer in Großbritannien arbeiten werden.

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