Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Falscher Einwurf: Kommt der Ball vom Kopf, wird die Hand zum Fuß

Unser Autor: Christoph Rehm.  Archivfoto: Graf
Unser Autor: Christoph Rehm. Archivfoto: Graf

Eine alte Fußballer-Weisheit besagt: „Wenn im Sommer das Thermometer nach oben geht, der Stürmer dem Sechser auf die Backen schlägt!“ Oder auch: „Werden die Temperaturen langsam hitzig, sind ein paar Schellen besonders witzig!“

Zugegeben: Diese überlieferten Kreisliga-Regeln erfreuen sich eher geringer Bekanntheit und klingen einigermaßen ausgedacht. Tatsächlich gibt es jedoch einen deutlichen Zusammenhang zwischen den zermürbenden Trainingseinheiten in der Sommervorbereitung und zunehmend wütenden Auseinandersetzungen im vereinseigenen Biergarten. Schuld daran ist selbstverständlich mal wieder die Fifa, die einmal jährlich mit einem Turnbeutel voller Regeländerungen um die Ecke kommt. Das sorgt für Ärger und jede Menge Gesprächsstoff: Wer oder was genau gilt heutzutage eigentlich als Handspiel? Ist es Abseits, wenn alle Abwehrspieler zeitgleich den Arm heben? Kann eine Mannschaft mit sechs Feldspielern antreten? Hat man das Spiel automatisch verloren, wenn man dreihundert Fehlpässe spielt?

Doch kein Grund zur Sorge! Wer sich im Vorfeld über die wichtigsten Regeländerungen kundig macht, kann in seinem Verein die erhitzten Gemüter schnell wieder beruhigen. Ein Blick auf die wichtigsten Regeländerungen zur kommenden Saison:

Regel 9: Ball in und aus dem Spiel

Berührt ein Spieloffizieller den Ball, wird das Spiel künftig unterbrochen und mit einem so genannten „Schiedsrichterball“ fortgesetzt. Die Fifa erkennt damit die Gesetze der Physik an und betrachtet den Schiedsrichter nicht mehr als „Luft“. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Regel 12: Fouls und unsportliches Betragen

Endlich schafft die Fifa Klarheit bei der umstrittensten aller Regeln: dem Handspiel! Ein Handspiel liegt nun immer vor, wenn der Ball mit der Hand gespielt wird, ob Absicht oder nicht! Keine Ausnahmen! Null! Nada! Also, außer wenn der Ball an die Hand springt. Zum Beispiel vom Gegenspieler. Oder vom Mitspieler. Oder vom eigenen Körper. Auch wenn der Ball vom Kopf kommt, wird die Hand zum Fuß. Gleiches gilt für den Torpfosten oder wenn man sich irgendwo abstützt. Das ist ja dann auch keine Absicht, folglich läuft das Spiel regulär weiter. Geht der Ball allerdings anschließend ins Tor, zählt die Kiste selbstverständlich nicht. War ja vorher schließlich Handspiel. Alles klar?

Regel 16: Abstoß

Der Torhüter bekommt beim Abstoß den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum? In Zukunft kein Problem mehr! Die Fifa nimmt Rücksicht auf manchen Torspieler mit zwei linken Zitterfüßen und gestattet nun auch den Pass zum Mitspieler innerhalb des Strafraums. Gegnerische Stürmer müssen den Strafraum hingegen auch weiterhin vor dem Abstoß verlassen – es sei denn, sie bleiben passiv. Doch was heißt hier „passiv“? Und was passiert, wenn der Torhüter versucht, aus Wut einen gegnerischen Stürmer abzuschießen? Und was, wenn der Ball anschließend von seiner Hand erst gegen den Schiedsrichter und dann ins Tor springt? All dies wird für mindestens 17 strittige Entscheidungen und acht Rudelbildungen pro Spiel sorgen. Doch wenigsten streitet man sich dann nicht mehr untereinander – sondern schreit gemeinsam den Schiedsrichter an.

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