Kirchheim Erinnerung an jüdische Gemeinde: Gedenktafel an frühere Synagoge?

Pfarrer Sascha Weber (links) und Eberhard Dittus mit einigen typischen jüdischen Gegenständen, die Dittus mitgebracht hatte.
Pfarrer Sascha Weber (links) und Eberhard Dittus mit einigen typischen jüdischen Gegenständen, die Dittus mitgebracht hatte.

Kirchheim hatte einst eine große jüdische Gemeinde. Pfarrer Sascha Weber und der Neustadter Religionspädagoge Eberhard Dittus setzen sich dafür ein, die Erinnerung daran wachzuhalten. Ideen dazu gibt es bereits.

Pfarrer Sascha Weber möchte die Erinnerungskultur in Kirchheim am Leben erhalten und neu beleben. „Es gab in Kirchheim eine große jüdische Gemeinschaft und in der Hintergasse eine Synagoge. Vor den Toren des Ortes liegt der jüdische Friedhof, der inzwischen allerdings verwildert ist“, erzählt er beim „Schönen Abend“ im Gemeindesälchen der evangelischen Kirche. Viele Nachfahren von ehemaligen Juden lebten heute in den USA. Er wolle zur Diskussion, zum Nachdenken und zum Erinnern anregen, sagte Weber. So sei beispielsweise mit den Konfirmanden überlegt worden, wie man heute mit Ehrenmälern umgehe, und ob es noch zeitgemäß sei, am Volkstrauertag dort Kränze abzulegen.

Eberhard Dittus, Religionspädagoge aus Neustadt, betreut die 80 jüdischen Friedhöfe sowie Kulturdenkmäler in der Pfalz. Dittus hatte verschiedene typisch jüdische Gegenstände mitgebracht: Da ist zunächst der Tallit, ein rechteckiger Gebetsmantel, der üblicherweise aus weißer Wolle, Baumwolle oder Seide besteht. An den Seiten hat er blaue oder schwarze Streifen, an den Ecken Fransen. Ihre 613 Knoten erinnern an die jüdischen Gebote, die 613 Mizwot.

Auf den Grundmauern einer Kirche

Außerdem hatte er ein Schofar dabei, ein aus dem Horn eines Widders oder eines Kudus gefertigtes Instrument, eine kleine Menora, eine siebenarmige Öllampe und eines der wichtigsten Symbole der jüdischen Welt, eine Sabbatampel. Darüber hinaus diverse Kippas, die typische jüdische Kopfbedeckung für Männer, und eine Mesusa, eine Schriftkapsel, die am Türpfosten in jüdischen Haushalten zu finden war. „Die ersten Juden kamen vor 1700 nach Köln und haben sich dann den Rhein entlang über Worms und Speyer bis ins Elsaß ausgebreitet. Heute sind fast keine Juden mehr da“, weiß Dittus. Lediglich rund 600 Juden lebten heute noch in der pfälzischen jüdischen Gemeinde vom Rhein bis ins Saarland, vom Elsaß bis zur Nahe. Das entspreche etwa der Größe des Gebietes des Bistums Speyer. „Die einzige jüdische Synagoge steht in Speyer auf den Grundmauern einer katholischen Kirche“, erzählt er.

Dittus erinnerte an die Judenvernichtung in der NS-Diktatur. Gleich nach der Machtübernahme Hitlers gab es willkürliche Verhaftungen und Einschüchterungen, Kommunisten, Sozialdemokraten und Juden wurden verhaftet. Um die vielen politischen Gefangenen unterzubringen, wurden die ersten Konzentrationslager eröffnet. „Zunächst hat man die politisch Unliebsamen aus dem Weg geräumt, dann das Berufsverbot für Juden eingeführt und sie erst ins Arbeitslager und dann ins Vernichtungslager gesteckt“, erinnert Dittus.

Beachtlich sei in Kirchheim, dass auf den Rückseiten beider Ehrenmäler auch die Namen von jüdischen Soldaten stehen und diese nicht ausgemeißelt wurden. Dittus zeigt einige alte Fotos, auf denen auch eine ehemalige jüdische Metzgerei in der Hauptstraße zu sehen ist – das Gebäude steht heute noch. „Damals wurden Kaufverträge mit einem extrem reduzierten Kaufpreis gemacht“, sagt Dittus. Wollten die Juden das Land verlassen, mussten sie ihr ganzes Geld abgeben und durften nichts davon mit ins Ausland nehmen.

Lebendige Erinnerungen an Nachfahren

Als Idee zur Wachhaltung der Erinnerung bringt Dittus eine Gedenktafel ins Spiel, an der ehemaligen Synagoge oder der ehemaligen Metzgerei. Oder Stolpersteine. Juden seien meist Händler oder Bänker gewesen, keine Handwerker. Dittus erinnert auch an Barbara Levi, die in Carlsberg geboren wurde und später in Kirchheim wohnte. An Nachfahren von ihr, Siegmund Levi sowie Erna und Felix Levi, erinnern sich noch einige Besucher des „Schönen Abends“. „Felix war viele Jahre aktiver Sänger im Männergesangverein“, weiß beispielsweise Georg Fetzer.

Die Idee von Pfarrer Weber ist, das frühere jüdische Leben in Erinnerung zu rufen, vielleicht eine eigene Web-Seite zu gestalten. Das nächste Treffen hierzu findet am Mittwoch, 7. Juni, 19.30 Uhr, im Pfarrsälchen statt. Es soll darum gehen, erste Ergebnisse festzuhalten und das weitere Vorgehen zu besprechen. Weber kündigt außerdem an: „Nach dem Gottesdienst am 21. Mai findet eine Besichtigung des jüdischen Friedhofs statt, dessen Gräber übrigens auf ewig angelegt sind. Eberhard Dittus wird uns an diesem Tag zum jüdischen Friedhof begleiten.“

Info

Anmeldung zum nächsten Treffen am 7. Juni per E-Mail unter pfarramt.kirchheim@evkirchepfalz.de

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