Im Grünen Trikot
Diese Fußballer haben schon für den VfR Grünstadt gekickt (Teil 1)
Oft wird, wenn der Name „VfR Grünstadt“ fällt, von einem Traditionsklub gesprochen. Manche lächeln, wenn sie dies hören, andere wissen, dass es berechtigt ist: Erstens feierte dieser Klub, der neben einer Fußball- auch eine Hockeyabteilung unterhält, 2019 sein 100. Jubiläum, zweitens gehört er mit seiner Fußballmannschaft zu den Teams, die die meisten Jahre in der höchsten Liga des Südwestdeutschen Fußballverbandes (SWFV), der Verbandsliga Südwest, und der Liga darunter, der Landesliga Ost, um Siege und Titel kämpften. 23 Jahre Verbandsliga und zwölf Jahre Landesliga sind eine außergewöhnliche Empfehlung. Der Klub kann sich unter insgesamt bisher 119 ehemaligen Verbandsligisten sehen lassen. Schließlich belegt der VfR Grünstadt den 14. Platz in der Rangliste der Verbandsliga Südwest. Mit einem tiefen Blick in die Fußballsparte des 102 Jahre alten Klubs kann man auch auf ehemalige Spieler und Trainer beim VfR treffen, die alle bereits im bezahlten Fußball oder in der deutschen Nationalmannschaft gespielt oder gewirkt haben. Für einen Amateurklub ist das mehr als bemerkenswert.
Herbert Reinhardt ist der erste Nationalspieler, der vom VfR Grünstadt (damals war dies noch die TSG Grünstadt) kommt. 1951 ist der damals 16-Jährige als Spieler der Jugendnationalelf Deutschlands zwei Wochen zu Gast in England. Neben mehreren Freundschaftsspielen erlebt er auch das legendäre Wembley-Stadion in London, in dem Deutschland 15 Jahre später gegen England im Finale der Weltmeisterschaft vor 100.000 Zuschauern mit 2:4 unterliegt und Vizeweltmeister wird. Reinhardt erhält Angebote für eine Ausbildung im Fußball-Internat von Londons Traditionsclub Tottenham Hotspurs und später sogar vom 1. FC Köln. Doch damals spielt vordringlich die berufliche Existenz eine Rolle, durch den Fußball kann noch nicht das Geld wie heute verdient werden. So entschließt sich Reinhardt für eine Berufsausbildung zum Bäcker. In Grünstadt führt der Bäckermeister zuletzt bis zu seinem Tod im Jahr 2002 erfolgreich eine Bäckerei in der Neugasse, verabschiedet sich frühzeitig vom Fußball.
Ottmar Walter wurde 1967 Trainer beim VfR Grünstadt. In der Mitgliederversammlung des Rasenspielvereins am 18. August 1967 gab der damalige Vorsitzende des Spielausschusses, Karl Weber, bekannt, dass für die neue Runde mit dem Weltmeister von 1954 ein vorbildlicher Sportsmann für das erste Herrenfußballteam verpflichtet werden konnte. Weber damals: „Ich spreche die Hoffnung aus, dass ein neuer und frischer Geist in die Mannschaft einkehren wird.“ Die RHEINPFALZ berichtete: „Trainer Ottmar Walter bedankte sich für die freundliche Begrüßung und betonte, dass er mit ganzem Herzen sein Amt als Trainer ausübe, zumal er hier eine gute Truppe vorgefunden hätte. Das Aushängeschild eines jeden Vereins sei die erste Mannschaft und er bat, dass eine Spielerversammlung anberaumt werde und ihm die entsprechenden Spieler, die er für seine Mannschaften braucht, zur Verfügung gestellt würden. Sein Ziel sei es, schon in diesem Jahr die Meisterschaft zu erringen.“ Der Bruder von Fritz Walter legte das Traineramt beim VfR noch in der gleichen Saison vorzeitig nieder.
Hermann Lutz kam als Torwart 1973 vom SV Alsenborn zum VfR Grünstadt, wo er unter Trainer Wolfgang Röhring zwei Jahre lang das Tor der Ersten hütete. Über FSV Mainz 05 (1975) und Würzburger Kickers (1977) wechselte er schließlich zum FC Augsburg. Insgesamt 84 Spiele bestritt der heute 48-jährige Schlussmann in der Zweiten Bundesliga und sieben im DFB-Pokal. In der Bayernliga absolvierte Lutz 67 Begegnungen.
Wolfgang Röhring, seine Lieblingsposition war das linke Mittelfeld, führte als Spielertrainer in der Saison 1973/74 die erste Mannschaft des VfR Grünstadt in das Finale in Oggersheim gegen den 1. FC 08 Haßloch. Am 5. Mai 1974 gewann der Rasenspielverein dieses vor 2.500 Zuschauern und wurde Meister der Zweiten Amateurliga. Röhring kam vom SV Alsenborn, war der einzige Spieler, der es aus der dortigen Jugend in die erste Mannschaft schaffte, die dann in den Jahren 1968, 1969 und 1970 Meister der Regionalliga Südwest wurde. In der Aufstiegsrunde der Saison 1967/68 schoss der Vertragsspieler im Berliner Olympiastadion vor 85.000 Zuschauern im Spiel gegen Hertha BSC das Tor zum 1:1-Endstand. Im Juli 1974 beendete der heute 73-jährige Röhring sein zweijähriges Trainergastspiel beim VfR Grünstadt.
Bernhard Oberle gelang als Spielertrainer mit der Equipe des VfR Grünstadt innerhalb von drei Jahren ein Durchmarsch von der A-Klasse (1976/77) bis zur Verbandsliga Südwest (1978/79). Zuvor war er Profi, absolvierte 99 Spiele beim FC Homburg und SV Alsenborn (Regionalliga Südwest). Mit Alsenborn verpasste er 1971/72 knapp den Bundesliga-Aufstieg, erzielte in 25 Ligaeinsätzen vier Tore. Mit dem FC Homburg wurde Oberle überraschend Dritter in der Zweiten Bundesliga (1975/76), traf bei 17 Einsätzen dreimal. Sein letztes Spiel bestritt der Abwehrspieler am 1. Mai 1976 gegen den Meister und Bundesligaaufsteiger 1. FC Saarbrücken. Beim 1:1 vor 20.000 Zuschauern agierte er in der Abwehrreihe neben Horst Ehrmantraut vor Torhüter Gregor Quasten. Anhaltende Verletzungsfolgen zwangen ihn 1976 zum Karriereende. Der heute 73-jährige Inhaber der Trainer-A-Lizenz war unter anderem Stützpunkttrainer des DFB und koordiniert heute noch die Nachwuchsmannschaften beim VfR.
Horst-Dieter Renger war Trainer der ersten Mannschaft des VfR Grünstadt in der Saison 1981/82. Er spielte als Profi bei den damaligen Zweitligisten FC Homburg (1974/75) und Wormatia Worms (1975/76) und erzielte in 30 Spielen zwei Treffer.
Peter Klag, der heute in Kindenheim lebt, trainierte in der Saison 1990/91 als Nachfolger von Karl-Heinz Bickert das erste Fußballteam des VfR Grünstadt in der Verbandsliga Südwest. Von 1962 bis 1990 absolvierte er für Wormatia Worms (er begann 1962 in der dortigen Jugend) annähernd 400 Spiele. 1974 qualifizierte er sich mit der Wormatia für die neu eingeführte Zweite Bundesliga. Noch im Oktober 1990 trennen sich Klag und der VfR wegen angeblicher Meinungsverschiedenheiten. Klag war danach bei TuS Neuhausen, TV Kindenheim und TSV Ebertsheim als Trainer aktiv.